Bild: Marvel
Kapow!

Wenn wir an Superhelden denken, denken wir oft an Batman und Spider-Man, Flash und den Hulk. Was diese sehr unterschiedlichen Comic-Figuren gemeinsam haben? Sie sind männlich, sie sind weiß, und sie werden in Comics und Filmen als heterosexuell dargestellt.

Superheldinnen gibt es seltener, und so berühmt wie ihre männlichen Kollegen sind die wenigsten. Wonder Woman ist vielleicht die einzige, die in derselben Liga spielt – ihren ersten Solo-Film kriegt die Amazone allerdings erst 2017. Charaktere wie Batgirl und Supergirl sind ebenfalls bekannt, aber: Ihr Dasein fristen sie im Schatten ihrer berühmteren, männlichen Vorbilder.

In der Fotostrecke findest du die Werke von Künstlerinnen, die außergewöhnliche Comics machen:
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Eine Erklärung für den Mangel an Heldinnen: Hinter den Kulissen und in den Verlagen finden sich nur wenige Autorinnen, Drehbuchschreiberinnen, Zeichnerinnen. Die Comic-Industrie ist weiß, männlich, heterosexuell.

Warum ist das eigentlich so?

"Während der Fünfziger- und Sechzigerjahre waren 55 Prozent der Leserschaft weiblich und 45 Prozent männlich", erklärt Redakteurin und Comic-Zeichnerin Janelle Asselin in der Dokumentation "She Makes Comics". "Aber je beliebter Superhelden wurden, desto weniger Priorität hatte alles andere."

Die meisten Superhelden waren männlich und funktionierten am besten in Action-orientierten Geschichten - und so konzentrierte sich die Branche zunehmend auf eine männliche Leserschaft. Andere Genres, die bis dahin in Comics ebenso selbstverständlich vertreten waren wie in Film und Fernsehen, wurden kaum noch bedient.

Als Comics aus Kiosken und Supermärkten in Fachgeschäfte verdrängt wurden, wurde es für die Verlage immer schwerer, neue Leser zu gewinnen. Umso mehr bemühten sie sich, das bereits vorhandene männliche Publikum zu halten.

So entwickelte sich die Comic-Industrie zu einer Männerdomäne. Nach dem Motto "Schreib, was du kennst" widmeten die Künstler sich eben solchen Helden. Für weibliche Ideen und Perspektiven blieb wenig Raum. Dementsprechend wurden Frauen in Comics lange auf Nebenrollen reduziert, wo sie entweder als Sexobjekt oder Opfer herhalten mussten.

"Es ist hartnäckiger, unnachgiebiger Sexismus und eine altmodische, stillschweigende Misogynie", sagt Kult-Regisseur Joss Whedon. (Digital Spy)

Ein Blick auf die Autorenschaft der drei großen Comic-Verlage DC, Marvel und Image scheint seine Einschätzung zu bestätigen: Auch 2016 sind Autorinnen und Zeichnerinnen die Ausnahme, nicht die Regel.

Marvel bemüht sich derzeit auf dem Papier und der Leinwand um mehr Vielfalt:

Die Publikumslieblinge Wolverine und Thor wurden durch weibliche Figuren ersetzt und Heldin Captain Marvel spielt eine Hauptrolle in der Event-Story "Civil War II", die sich durch alle Serien des Verlags zieht.

Außerdem wird ab Herbst die 15-jährige Riri Williams die Rüstung von Iron Man anlegen.

Die Verbesserungen hinter den Kulissen laufen langsamer an. Zwar setzen immer mehr Verlage auf starke weibliche Charaktere, aber noch nur wenige werden auch von Frauen geschrieben oder gezeichnet. "Die Branche war lange Zeit männlich geprägt", sagt auch Graphic-Novel-Autorin Karen Greene. "Aber jetzt stoßen Frauen dazu, nur aufgrund der Qualität ihrer Arbeit – und wann immer Frauen eine vornehmlich männliche Enklave betreten, gibt es Widerstände und Spannungen." (The Daily Beast)

Immerhin: Bei den diesjährigen Eisner Awards – den Oscars der Comic-Industrie – wurden 49 Künstlerinnen mit insgesamt 61 Nominierungen bedacht.

Diese Comics von und über Frauen gehören zu den besten der Branche:
  • Gail Simone gehört zu den bekanntesten englischsprachigen Comic-Autorinnen. Sie schrieb bereits Geschichten für berühmte Superheldinnen wie Batgirl oder Wonder Woman. In ihrer neuester Serie "Clean Room" spürt die Reporterin Chloe Pierce, den Geheimnissen einer weltweit vernetzten Sekte nach und stößt dabei auf immer unheimlichere Wahrheiten.

  • In "Miss Marvel" schreibt Autorin G. Willow Wilson über die erste muslimische Heldin des Marvel-Universums. Neben ihren strengen Eltern, der ersten Liebe und anderen Teenager-Problemen muss die junge Kamala Khan sich hier auch noch mit ihren neu gewonnen Superkräften herumschlagen. Die Serie wurde mehrfach ausgezeichnet.
  • "Bitch Planet" von Autorin Kelly Sue DeConnick ist so was wie "Orange is the New Black" im Weltraum. Die feministische Persiflage auf das Exploitation-Kino der Sechziger- und Siebzigerjahre verfolgt den Werdegang einer Frauengruppe, die auf einem Gefängnis-Planeten inhaftiert wird.
  • Autorin Marjorie Liu schrieb für Marvel zeitweise die Serien "Astonishing X-Men" und "Black Widow". In ihrem eigenen Fantasy-Comic "Monstress", illustriert von Zeichnerin Sana Takeda, geht es um eine junge Frau, die eine mentale Verbindung zu einem übermächtigen Monster hat.
  • Jody Houser schreibt für Valiant Comics die Serie "Faith" über eine Heldin, die nicht dem gängigen Schönheitsideal entspricht. Für DC schreibt sie ab November außerdem "Mother Panic", eine Serie über eine traumatisierte junge Frau, die als maskierte Heldin Rache an der Gesellschaft nimmt.
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