Der brasilianische Fotograf Marcos Alberti dokumentiert Menschen in ihren intimsten Momenten. Momente, die viele mit niemandem auf der Welt teilen würden. Für seine Bilderserie "The O Project" hatten seine Protagonistinnen nämlich eine ziemlich angenehme, aber auch aufregende Aufgabe: Sie masturbierten. Vor der Kamera.

Anders als bei pornografischen Fotografien hielt Künstler Alberti seine Linse dabei aber nicht auf die Geschlechtsteile, sondern auf die Gesichter seiner Motive. Und fing dabei die Gefühlsreise ein, die die Frauen dabei durchlebten. 

Schüchternheit, Anspannung, Aufgeregtheit, Erregtheit, Erleichterung.

22 Frauen nahmen an dem Projekt teil – Junge und Ältere, aus vielen verschiedenen Ländern. Die meisten kommen aus sexuell aufgeklärten Regionen wie Frankreich, andere aus traditionell eher konservativen wie China. 

Alberti will damit zeigen, dass Orgasmen und Freude allen Frauen zustehen sollten, erzählt er bento. Die Botschaft hinter seinen Fotos:

Alle Frauen sollten selbst über ihre Sexualität bestimmen dürfen, egal wo sie leben oder herkommen.
Marcos Alberti

The Orgasm Gap

Eine US-Studie fand heraus, dass Frauen deutlich seltener Orgasmen haben als Männer – sowohl beim Sex als auch beim Masturbieren. Auf drei männliche kommt nur ein weiblicher Orgasmus. (Mic)

Auch in Deutschland ist es nicht rosig: Nur drei Prozent der deutschen Frauen haben jeden Tag einen Orgasmus, knapp die Hälfte immerhin einmal die Woche. (IFOP)

Unterstützt wurde der Fotograf bei seiner Arbeit von einem Sextoyhersteller, der natürlich neben dem guten Willen auch ein rein ökonomisches Interesse an masturbierenden Frauen hat. Trotzdem hat sich während des Projekts bei der Crew und sogar bei Alberti selbst etwas geändert, sagt der Fotograf: "Ich finde es super, dass wir so offen mit den Frauen über Sex und Genuss reden konnten. Wenn man den oft noch tabuisierten Sex durch die Linse des Humors betrachtet, trauen sich die Menschen endlich, ehrlich darüber zu reden.

Das sind die Bilder des "The O Project":
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Nach einem ersten Facebook-Aufruf hatten sich ganze 2000 Frauen für die Teilnahme an dem Projekt beworben, sagt Alberti. Das lag daran, dass ihm schon 2016 mit einer ähnlichen Fotoserie ein riesiger Erfolg gelang. Bei "3 Glasses Later" ging es ihm um den verantwortungsvollen Genuss von Alkohol

Dafür fotografierte er Menschen nach 1, 2 und 3 Gläsern Wein: 
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Um den Frauen möglichst viel Privatsphäre zu lassen, fotografierte Alberti übrigens in seinem kleinen Fotostudio durch ein Loch in einem Vorhang hindurch. Und weder er noch sein Team konnte mehr als die Oberkörper der Teilnehmenden sehen – die Action passierte unter einem vor Blicken schützenden Schreibtisch. 

Eine Hommage an die legendäre Webserie "Hysterical Literature"

Nachdem das Team den 2000 Interessierten das "O Project" erklärt hatte, schrumpfte die Zahl schnell zusammen. Am Ende trauten sich die 22 oben gezeigten. Das lag vielleicht aber auch daran, dass er die Fotoserie nicht in Brasilien, sondern in Singapur produzierte. 

Denn gerade in asiatischen Ländern wie Singapur oder China wird das Thema der weiblichen Masturbation und die Aufklärung darüber nach langen Dekaden der Tabuisierung in den vergangenen Jahren vermehrt diskutiert.

So veranstalteten im Jahr 2012 einige Chinesen zum Welt-Aids-Tag einen Masturbationscontest. Vor laufender Kamera machten sie es sich selbst – um ihren Online-Zuschauern zu zeigen, dass man sich beim Onanieren nicht mit HIV anstecken kann. Damals löste die Aktion noch Empörung aus.

In den vergangenen Jahren hat sich die Debatte darum jedoch ein wenig entspannt. 

Als zum Beispiel die Soziologie-Professorin Yu Xinpei im Jahr 2015 Nutzer des chinesischen Facebook-Equivalents Weibo erfolgreich dazu aufrief, das beste Selbstbefriedigungs-Video hochzuladen, machten die Leute mit.

"Nur zur Recherche", sagte die Professorin zunächst. Dabei wollte sie mit der Aktion dafür sorgen, dass Bilder masturbierender Menschen sich noch weiter verbreiten und als etwas Normales wahrgenommen werden.

Nun zeigt Alberti mit seinem Projekt ebenfalls intime Momente. Um Sexualität zu erklären, um Tabus abzubauen, sagt er. Dafür müsse man sie genau betrachten – und dann über sie sprechen.


Tech

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