Bild: Philipp Alexander Schäfer

Manches, was in unserem Alltag passiert, nehmen wir gar nicht mehr wahr. Umso besonderer ist dann ein Moment, in dem man einen sonst unscheinbaren Gegenstand plötzlich in einem anderen Licht sieht. 

Toastbrote, die aus den Schlitzen eines Kanaldeckels schauen, als sei der ein Toaster? Ein Regenbogen, der sich, ausgehend vom Kanaldeckel, über die Straße spannt? Ein kleiner Swimmingpool, mitten auf der Straße?

Der Frankfurter Künstler Philipp Alexander Schäfer schafft mit seinem Projekt "Kanalarbeiten" eine ganz neue Perspektive auf die unauffälligen Tore zur Kanalisation:

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Seine Kunstwerke sind nicht nur schön anzusehen. Sie haben auch eine Bedeutung. Philipp Alexander hat bento erzählt, was es mit seiner Gullydeckel-Kunst auf sich hat.

Kanaldeckel fallen im Alltag kaum auf – warum hast du dich dazu entschieden, sie zu deinem Projekt zu machen?

Kanaldeckel trennen die unmittelbar erkennbare Welt von der Kanalisation, vom Untergrund, von etwas Verborgenem. Etwas, das trotz seiner Unsichtbarkeit wichtig für das Funktionieren unserer Gesellschaft ist. In diesem Sinne lässt sich der Kanaldeckel als Tür begreifen, das den Übergang vom Manifesten zum Latenten darstellt, als Grenze zu unserem persönlichen und gesellschaftlichen Unterbewusstsein. 

Daher ist der Kanaldeckel für mich ein extrem spannendes Medium, mit dem man die verborgenen Geheimnisse, die Widersprüche unserer Gesellschaft verhandeln kann.
Philipp Alexander Schäfer

Toastbrote im Kanaldeckel-Toaster. Was genau soll uns das sagen?

Das ist das "Continental Breakfast". Das Toastbrot allein ist uninteressant, im Kontext des Kanaldeckels jedoch eröffnet sich eine neue Bedeutungsebene: DasBrot wird zu einem Symbol für industriell hergestellte Produkte und plötzlich geht es um ihren (Nähr-)Wert für die Gesellschaft und die Hinterfragung normativer Vorstellungen der Postmoderne.

(Bild: Philipp Alexander Schäfer)

Wie reagieren Menschen auf deine Kunst?

Während ich die Kanaldeckel gestalte, werde ich oft von Passanten angesprochen. Manche fragen mich nach dem Sinn, andere nach einer Genehmigung, wiederum andere teilen mir ihre Vorstellungen von weiteren Gestaltungsmöglichkeiten mit. Kinder setzen sich oft einfach neben mich und schauen mir dabei zu, wie der Gullydeckel eine andere Gestalt annimmt.

Hast du denn eine Genehmigung?

Nein, die habe ich nicht. Ich glaube aber, dass es einfacher ist, um Entschuldigung zu bitten als um Erlaubnis. Bisher hat sich auch noch niemand bei mir beschwert. Ich denke, die meisten, die danach fragen, meinen es auch nicht ganz ernst. Nach zwei bis drei Monaten verblassen die Gullydeckel und nach einem halben Jahr ist eigentlich nichts mehr zu sehen.

Gibt es einen Kanaldeckel, der dir, rückblickend, am besten gefällt?

Nein. Ich finde immer den Kanaldeckel am spannendsten, an dem ich gerade arbeite, der gerade auf dem Sprung vom Imaginierten zum Realisierten steht.

Warum hast du dich dazu entschieden, deine Kunst im öffentlichen Raum zu zeigen?

Es war keine bewusste Entscheidung, eher eine Entwicklung über mehrere Jahre. Viele Werke aus der Serie "Kanalarbeiten" beziehen sich auf ihre unmittelbare Umgebung und ergeben nur Sinn im Kontext ihrer "Heimat" – wie zum Beispiel bei meiner neuesten Arbeit: Der Kanaldeckel wurde von mir zu einem Roulette-Tisch umgestaltet. Ohne die Bankentürme im Hintergrund jedoch würde niemand den Bezug zum "Casino-Kapitalismus" nachvollziehen können.


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