Bild: Falk Kagelmacher
Mit seinen Fotos zeigt Jacques Nkinzingabo den Wandel in seinem Land

Jacques Nkinzingabo war 15, als er zum ersten Mal eine Kamera in der Hand hielt – mehr zufällig. Sein Schuldirektor suchte jemanden, der Aufnahmen von der Schule und der Umgebung machte. Jacques meldete sich freiwillig und entdeckte nach und nach seine Faszination für die Fotografie

(Bild: Jacques Nkinzingabo)

Heute ist Jacques einer der ersten Fotografen Ruandas, die internationales Renomée erreicht haben.

Der Weg dorthin war allerdings nicht leicht.

"In Ruanda ist es üblich, dass die Eltern den späteren Beruf aussuchen", sagt Jacques zu bento. Sein Vater starb, als er noch ein Baby war. Wäre es nach seiner Mutter gegangen, wäre der 23-Jährige Architekt geworden. "Ich wusste aber, dass Fotografie meine Leidenschaft ist. Irgendwann hat meine Mutter das akzeptiert", sagt Jacques. 

Was nach wie vor fehlte, war Geld für eine Kamera. 

Aber Jacques hatte Glück. Über Freunde lernte er 2014 einen US-Amerikaner kennen, der durch Ruanda reiste. Die beiden freundeten sich an, Jacques erzählte von seinen Plänen, Fotograf zu werden. Nach seiner Abreise schickte der Amerikaner Jacques eine Kamera, seine erste eigene. "Mit dem Geschenk konnte ich das Projekt für meine erste Einzelausstellung in Kigali umsetzen", erzählt er bento. 

Das war vor zwei Jahren. 

Nach der Ausstellung reiste Jacques nach Mali, um die afrikanische Fotoausstellung Bamako Encounters zu besuchen. Hier lernte er kennen, wie viele Menschen man mit Fotografie erreichen und bewegen kann. "Etwas anderes schockierte mich aber", sagt Jacques: Auf der Ausstellung war er der einzige Fotograf aus Ruanda. 

Hier seht ihr einige seiner Fotografien:
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Er fasste einen Entschluss: Sein Heimatland sollte endlich präsenter werden. "Ich war es leid, dass jeder bei Ruanda nur an die Vergangenheit des Landes denkt", sagt der . 

Bist du Hutu oder Tutsi? Diese Frage wird Jacques oft gestellt – auch heute noch. Gemeint sind die Volksgruppen Ruandas, die sich 1994 gegenüber standen. In nur einhundert Tagen ermordeten extremistische Hutu nach Schätzung der UN rund 800.000 Tutsi. Der Genozid an den Tutsi ist damit der letzte des vergangenen Jahrtausends. 

Und in der Erinnerung der Menschen an Ruanda nach wie vor fest verankert, findet Jacques. 

"Wir sind nicht mehr Hutu oder Tutsi – wir sind ein Land", sagt er bento. Die Vergangenheit ist zwar für viele Ruander noch deutlich zu spüren, Hunderttausende haben Familienmitglieder verloren oder leiden bis heute unter den Verletzungen. Für Menschen wie Jacques spielt der Konflikt im Alltagsleben aber keine Rolle mehr. 

(Bild: Jacques Nkinzingabo)

Seine Fotografie hat deshalb eine Mission: "Ruanda ist mehr als der Völkermord. Ich möchte Menschen aus aller Welt zeigen, dass Ruanda ein Land mit wunderschönen Orten und Menschen ist", erklärt der 23-Jährige. Die Fotografie könne das Bild im Kopf der Leute verändern, findet Jacques.

Wir sind nicht mehr Hutu oder Tutsi – wir sind ein Land.
Jacques Nkinzingabo

Um die Kunstszene seines Landes sichtbar zu machen, gründete Jacques die Kwanda Art Foundation. "Kwanda steht für Wachstum – wie bei einer Pflanze", erklärt er. Auf der Plattform sollen sich Künstler austauschen, Workshops besuchen, dazulernen und internationale Aufmerksamkeit auf ihre Kunst lenken.

Und auch für Ruanda selbst sei gerade die Fotografie ein wichtiges Medium – um Erinnerungen durch Bilder zu schaffen. "Es gibt kein einziges Kinderfoto von mir", sagt Jacques. Was er vermisst, wünscht er sich für die nächsten Generationen. "In 20 Jahren sollen wir sehen, was wir in Ruanda seit 1994 erreicht haben." 

(Bild: Jacques Nkinzingabo)

Noch vor zwei, drei Jahren konnte niemand etwas mit Fotos anfangen. Doch seine Heimat sei ein Land im Wandel und die Kunst zu Fotografieren im Kommen. "Die Menschen beginnen nach und nach, sich zu interessieren", sagt Jacques.

Am Liebsten portraitiert er die Menschen in seiner Umgebung. Viele Gesichter auf seinen Fotos stammen direkt aus seiner Heimatstadt Kigali. "Wenn ich Menschen fotografiere, rede ich mit ihnen. Ich lasse mir ihre Geschichten erzählen. Dabei entstehen ungezwungene und echte Bilder", sagt Jacques. Seine liebste Emotion? Freude.

In zwanzig Jahren sollen wir sehen, was wir in Ruanda seit 1994 erreicht haben.
Jacques Nkinzingabo
Im September 2016 hatte Jacques seine erste Ausstellung in Deutschland, in Ravensburg.

Seine Bilder mit dem Namen "Rwanda unseen" zeigten ein Projekt mit Straßenkindern aus seiner Heimat. Die Idee für das Projekt entstand spontan: Als Jacques Fotos in den Straßen von Kigali machte, waren einige der Kinder neugierig. Er ließ sie fotografieren und arbeitet seitdem mit ihnen zusammen.

Das Projekt läuft noch weiter: Jacques gibt Workshops für die Kinder. Er bringt ihnen bei, mit der Kamera umzugehen und läuft mit ihnen durch die Straßen, auf der Suche nach Motiven. Auch für Erwachsene gibt Jacques Kurse. "Ich möchte, dass sie die Möglichkeit haben, ihr Leben zu dokumentieren und der Welt zu zeigen"

Lass uns Freunde werden!

In den nächsten zwei Jahren möchte er vor allem ein Projekt umsetzen: Die Kigali Photo Week. Ein Event, bei dem internationale Fotografen in die Hauptstadt kommen sollen, um einen Eindruck von der Kunst in Ruanda zu erhalten. "Die Leute kennen Ruanda nur aus den Nachrichten. Sie sollen endlich eine andere Seite kennenlernen: Unsere Generation."


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Tag 77: Breitbart-Gründer Steve Bannon sitzt nicht mehr im Nationalen Sicherheitsrat
Trump zieht seinen Chefstrategen ab

Donald Trump hat seinen Chefstrategen aus dem Nationalen Sicherheitsrat abgezogen. Steve Bannon, einer der Gründer der ultrarechten Website "Breitbart News", ist nicht länger Mitglied des "Principals Committee". Dafür sind die Chefs der Streitkräfte und des Militärs wieder dort vertreten – wie zuvor unter Barack Obama. (Bloomberg)

Dass Trump seinen in Außenpolitik wenig erfahrenen Berater in den Nationalen Sicherheitsrat geschickt hatte, war in Washington heftig kritisiert worden. Bis dahin war es üblich, den Sicherheitsrat mit Fachleuten zu besetzen, nicht mit politischen Beratern. Mindestens so wichtig: "Breitbart" hatte unter Steve Bannon nationalistische und antisemitische Positionen verbreitet.