Bild: Niko Giovanni Coniglio

Strahlend auf der Einschulung, beschwipst bei der Abifeier oder gerührt in der ersten Reihe vor dem Traualtar – wir alle besitzen Bilder, die unsere Mütter bei wichtigen Ereignissen in unserem Leben zeigen. Sie hängen an Wänden oder kleben in Fotoalben und erinnern uns daran, wie viel wir ihnen verdanken.

Auch Niko Giovanni Coniglio besitzt etliche Bilder seiner Mutter, er schießt sie sogar selbst. Allerdings erinnern seine Fotos nicht an die üblichen Familienschnappschüsse. Für sein Projekt "Daniela, portrait of my mother" setzt der italienische Fotograf seine Mama in den Kühlschrank, legt ihr einen Totenschleier über das Gesicht oder inszeniert sie als Superwoman mit einer schwarzen Plastiktüte als Umhang.

Die Fotos des 29-Jährigen sind selten klassisch ästhetisch – sondern oft verstörend und trotzdem wunderschön. Sie zeigen eine Frau, mal stark, mal verletzlich, der das Leben hart zusetzte und die dennoch lächelt.

So schön sehen die Bilder aus:
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Wir haben mit Niko Giovanni Coniglio gesprochen und gefragt, wie es sich anfühlt, seine Mutter in Unterwäsche zu fotografieren.

Deine Mutter ist dein wichtigstes Model. Warum?

Ich verdanke meiner Mutter meine Karriere als Fotograf. Sie stand früher immer Motiv, während ich alle möglichen Kamera-Einstellungen ausprobierte. Seit ich in Mailand wohne, sehen wir uns nicht mehr oft. Das Fotoprojekt ermöglicht mir, wieder mehr Zeit mit ihr zu verbringen. Ich möchte Zeuge ihres Lebens sein und ihre Geschichte, die irgendwie ja auch meine ist, festhalten.

"Unsere Foto-Sessions sind die einzigen Momente, in denen wir wirklich kommunizieren."
Hat sich eure Beziehung durch das Fotoprojekt verändert?

Um ehrlich zu sein: Unser Verhältnis ist sehr widersprüchlich. Wir reden normalerweise kaum miteinander. Unsere gemeinsamen Foto-Sessions sind die einzigen Momente, in denen wir wirklich kommunizieren. Die Fotografie baut Brücken zwischen uns und hilft uns, einander besser zu verstehen.

Dabei fotografierst du deine Mutter in den verrücktesten Posen.

Ja, meine Bilder zeigen bestimmte Situationen, die in ihrem und in meinem Leben eine große Rolle spielten. Der Tod meines Vater zum Beispiel. Er starb, als ich drei Monate alt war. Das Bild, auf dem ein Totenschleier ihr Gesicht bedeckt und Münzen auf ihren Augen liegen, symbolisiert diesen Verlust. Auch das Foto, auf dem meine Mutter in einem Kleiderschrank sitzt, zeigt eine schmerzhafte Erfahrung. Wir mussten vor einer Weile unser Haus in unserem Heimatort Poggibonsi verkaufen. Das war ziemlich hart für uns beide.

(Bild: Niko Giovanni Coniglio)
Das klingt alles sehr deprimierend.

Nicht alle Bilder drehen sich um die Vergangenheit. Viele Motive entstanden ganz spontan. Als sich meine Mutter zum Beispiel in den Kühlschrank hockte, war es einfach nur ein sehr, sehr heißer Tag.

Deine Fotos wirken ziemlich kompromisslos. Gab es gar keine Grenzen für dich?

Auf einigen Fotos liegt meine Mutter nackt auf dem Bett oder trägt nur einen BH. Ich musste mich sehr überwinden, sie so abzulichten. Wer möchte seine Mutter schon in solchen Situationen sehen? Aber wenn ich sie so zeigen will, wie sie wirklich ist, dann gehören solche Bilder dazu.

Hier sind beide gemeinsam vor der Linse – Niko Giovanni Conigli und seine Mutter Daniela:

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