Gott mit wehenden Haaren und Bart, der umgeben von Engeln seinen Zeigefinger gen Adam ausstreckt, um ihn zum Leben zu erwecken. Die "Erschaffung Adams" ist Teil von Michelangelos weltberühmten Deckenfresko, das täglich Tausende Touristen in die Sixtinische Kapelle lockt. 

(Bild: dpa/ Erich Lessing)

Harmonia Rosales, 33, Künstlerin aus Chicago, hat das bekannte Motiv nun neu inszeniert – und alle Figuren durch schwarze Frauen ausgetauscht.

Im Interview erklärt sie, warum Gott für sie eine schwarze Frau ist.
Harmonia, warum hast du dich entschieden, Michelangelos "Die Erschaffung Adams" mit schwarzen Frauen neu zu interpretieren?

"Darauf antworte ich mit einer Gegenfrage: Warum nicht? Ich verstehe Michelangelos Kunstwerk als Interpretation der biblischen Schöpfungsgeschichte. Meine Arbeit ist eine Neuinterpretation, eine Adaption, wenn man so will.

Uns wurde beigebracht, dass Gott den Menschen nach seinem Abbild geschaffen hat. Eigentlich haben wir aber Gott nach unserem Abbild geschaffen. Deshalb kann Gott sein, wer immer wir wollen: eine Repräsentation des Idealen, des Göttlichen, von Weisheit und Liebe – und von Kreativität. Die meisten historischen, kulturellen und sogar religiösen Referenzen von Kreativität sind weiblich: Die Gebärmutter, Muttererde, weibliche Intuition – das sind alles weibliche Begriffe. 

Ich möchte mit meiner Interpretation der Interpretation dazu inspirieren, herauszufinden, was passiert, wenn wir die Welt um uns herum anders sehen. Was mich zu meiner ursprünglichen Frage zurückführt: Warum nicht?"

Hier sind Harmonias Werke:
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Warum genau diesen Klassiker?

"Für mich ist die beste Kunst provokativ. Bei Michelangelos Orginal habe ich mich gefragt: Welche Frage stellt das Kunstwerk, welche Diskussion provoziert es? Was mich zu neuen Fragen geführt hat: Warum haben wir die historische Übermittlung der biblischen Schöpfung und des Schöpfers akzeptiert? Schließen wir nicht etwas Wichtiges aus? Ich würde sagen: Ja und ja. Frauen und People of Color.

People of Color

Person of Color (beziehungsweise plural: People of Color) ist ein Begriff für Menschen, die in der Mehrheitsgesellschaft als nicht-weiß angesehen werden und sich Rassismus ausgesetzt fühlen. Er dient Menschen als Selbstbeschreibung, die in Anteilen über afrikanische, asiatische, lateinamerikanische, arabische, jüdische, indigene oder pazifische Herkünfte oder Hintergründe verfügen. (Mut gegen rechte Gewalt, Heinrich-Böll-Stiftung)

Ich will dazu animieren, die Schöpfung durch eine andere Linse zu sehen. Eine eingefärbte, wenn man so will. Michelangelos Werk ist weltberühmt. Das war natürlich interessant, um meine Botschaft rüberzubringen und zur Diskussion anzuregen: Warum denken wir auf die Art und Weise wie wir denken? Können wir Dinge auch anders sehen, als sie uns beigebracht wurden? Vielleicht ist es an der Zeit, umzudenken."

Einige Menschen haben deine Arbeit kritisiert, weil sie sagen, dass man Gott und Adam nicht weiblich und schwarz abbilden darf. Was antwortest du darauf?

"Menschen mögen keine Veränderung. Sie haben Angst davor. Einige werden mein Kunstwerk einfach nicht akzeptieren, andere werden es wörtlich nehmen und die Bibel zitieren, um zu beweisen, dass meine Interpretation ‘falsch‘ ist.

Das zeigt nur, dass People of Color immer noch nicht als gleichberechtigt angesehen werden, geschweige denn als überlegen. Rassismus, Hass und Geschlechterungleichheit existieren und mein Kunstwerk fordert all das heraus."

Wie suchst du deine Motive aus? Welche Botschaft möchtest du übermitteln?

Ich möchte Menschen berühren. Meine Arbeit drückt aus, wie ich die Welt um mich herum wahrnehme. Ich will Frauen, besonders Frauen of Color bestärken, Liebe zu verbreiten und ein positives Bild von uns Frauen of Color zu vermitteln. Umso besser, wenn ich damit eine Diskussion auslöse. Ich wünsche mir, dass wir wieder kritischer denken und wie Kinder nachfragen, anstatt einfach zu akzeptieren, was andere sagen. 


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Mahnwache in London, Polizei gibt Details zu Tätern bekannt
Was ist passiert?

Nach dem Anschlag am Samstagabend in London hat die britische Polizei Details zu den Identitäten der mutmaßlichen Attentäter bekannt gegeben und deren Bilder veröffentlicht. Bei einem der von der Polizei erschossenen Verdächtigen handele es sich um den 27-jährigen Khuram Shazad Butt aus dem Londoner Stadtteil Barking. Der Mann stamme ursprünglich aus Pakistan, er sei verheiratet gewesen und habe Kinder gehabt. (SPIEGEL ONLINE)