Luftballons in rosa und blau, ein Christbaum aus Plastik, hölzerne Schulbänke, pinkfarbene Tapeten – auf den ersten Blick wirken die Fotos von Jo Broughton, 41, gewöhnlich, fast langweilig. Schaut man genauer hin, verändert sich dieser Eindruck von Normalität: Auf dem Boden liegengelassene High-Heels und zerknüllte Dessous, auf dem Tisch ein Dildo, am Rand eine Rolle Papiertücher.

"Empty Porn Sets", so heißt Jos Fotoserie. Die britische Fotografin zeigt mit ihren Bildern, was nach einem Porno-Shooting übrig bleibt: die leere Kulisse, die benutzten Utensilien – ohne Menschen, ohne Nacktheit. Damit will sie die Vorstellungskraft anregen: "Der Betrachter kann sich in die Bilder hineinversetzen", sagt Jo. Der Fokus ist dort, wo kurz vorher noch die Darsteller saßen, lagen oder standen.

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Alle Fotos von Jo Broughton.

Mit Porno-Fotografie kam Jo durch Zufall in Kontakt: Als sie 17 war, schickte ein Lehrer sie für ein Praktikum in das Studio des Fotografen Steve Colby. "Ich wusste nicht so richtig, wo ich arbeiten würde", erzählt Jo. "Ich dachte, es handele sich um ein Fashion-Studio. Erst als ich dort ankam, realisierte ich, wo ich da reingeraten war." Tatsächlich handelte es sich nämlich um ein Studio für Porno-Shootings.

Jo arbeitete als Colbys "Handlanger", so nennt sie es selbst. Sie baute die Kulissen auf, richtete die Beleuchtung ein, kehrte nach den Shootings das Studio. Anfangs hatte sie Schwierigkeiten damit, in einem Porno-Studio zu arbeiten. "Ich dachte, dass es meiner Karriere schaden könnte."

Doch bald fühlte Jo sich in dem Studio zuhause.

Als sie bei der Wochenzeitung "The Observer" arbeitete, wohnte sie eine Zeit lang dort. Als sie am Royal College of Art studierte, nutzte sie die Räume für ihre Fotoprojekte; um nebenbei ein bisschen Geld zu verdienen, putzte sie das Studio.

Irgendwann begann Jo, die verlassenen Kulissen zu fotografieren; wann genau, weiß sie selbst nicht mehr: "Ich habe einige Jahre damit verbracht, diese Bilder zu machen." Sie sagt, dass sie dabei nie etwas verändert oder arrangiert habe: "Es musste immer direkt nach dem Shooting sein, ich wollte, dass meine Bilder ein dokumentarisches Element haben."

Auffällig ist auch, dass viele von Jos Bildern voller Tageslicht sind – ganz anders, als man es von Pornos gewohnt ist. "Ich wollte nicht nur die Beleuchtung eines anderen benutzen, ich wollte mein eigenes Element einarbeiten."

Anfangs reagierten viele empört auf Jos Fotos, Pornos waren verpönt. Inzwischen hat sich das verändert: "Im Vergleich zu dem, was man heute im Internet findet, sind meine Bilder ziemlich zahm", sagt Jo. Pornos seien jetzt viel härter, schonungsloser, direkter. "Der Spaß, die Fantasie, die Handlung – das alles ist so gut wie verschwunden. Früher gab es immer eine Storyline."

Jos Lieblingsbild? "Ich mag das mit den Ballons sehr gerne." Es komme aber auf die Stimmung an: An Weihnachten finde sie auch das weihnachtliche Foto schön.

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