Wahre Worte zu verschicken!?

Achtung, das ist die Wahrheit: Auch Verliebte müssen mal pupen. Noch mal die Wahrheit: Es gibt Frauen, die sich ihre Beinbehaarung nicht entfernen. Und: Manchmal sind Menschen dann attraktiv, wenn sie im Schlafanzug auf dem Sofa liegen und erst Nudeln, dann Chips und dann Eis in sich hineinstopfen. Lecker!

Wie das Leben in Wahrheit aussieht, wissen wir alle – nur mögen wir ungern dazu stehen. Lea Wegner, 25 und aus Leipzig, wünscht sich, dass das aufhört: Sie gestaltet Postkarten mit sehr ehrlichen Motiven, Buntstift auf Weiß.

Darauf zu sehen sind zum Beispiel Frauen, die blutige Tampons in der Hand halten und dabei sehr fröhlich aussehen, dazu die Worte: Nicht schwanger!

"Hej, du siehst toll aus" – Leas Postkarten zum Klicken:
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Zu sehen ist auch ein Liebespaar, Mann und Frau, sie küssen sich. Dabei entfährt jedem ein Furz. Über ihren Köpfen steht: "No true love without farts". Und dann ist da noch die Frau, deren Bauch aussieht, als würde sie ein Baby bekommen, aber nein: "It's pizza", steht da.

"Man sollte sich für seine Menschlichkeit nicht schämen", sagt Illustrationsstudentin Lea – und genau das ist es, was ihre Motive vermitteln. Nichts ist ekelig, und selbst wenn: Na und, solange es sich gut anfühlt?

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"Ich finde es nicht gut, dass uns Frauen ständig gesagt wird, was schön ist", sagt Lea.

Wer durch ein Modemagazin blättert oder Werbung schaut, der bekommt es so eingebläut: Schöne Beine sind rasierte Beine, schöne Bäuche sind schlanke Bäuche, gute Hosen sind Skinny Jeans. Ach ja?

In echt ist es so: Beine rasieren ist viel Arbeit, gerade wegen der Stoppel, die ständig nachwachsen. Und der Haut geht es viel besser, wenn man sie nicht ständig mit einer Klinge malträtiert. Ein Bauch, der etwas rundlicher ist, eignet sich zum Kuscheln genauso gut, wie ein schlanker. Und die besten Hosen sind Jogginghosen!

Lea Wegner, 25: "Na und?"
"Ich stehe auch manchmal vor dem Spiegel und denke: 'Oh Gott, ich bin 25 und mein Po sieht aus wie eine Orange'", sagt Lea.

"Aber trotzdem will ich nichts an mir ändern." Nicht durch Sport, den finde sie furchtbar. Nicht durch eine Diät, "ob ich nun 60 oder 75 Kilo wiege, ist doch egal." Und auch nicht durch besondere Unterwäsche: "Seit ich 16 bin, trage ich keinen BH mehr. Fühlt sich gut an", sagt Lea.

Die Figuren ihrer Bilder lehnen sich auf gegen eine Gesellschaft, die von den Menschen erwartet, ideal zu sein. Erfolgreich, immer gut gelaunt, stylish. "Mich hat schon immer gestört, dass man sich so oft verstellen soll", sagt Lea.

(Bild: Lea Wegner)

Immer wieder tauchen auch Katzen auf ihren Karten auf, als Begleiter und Verbündete der Figuren. "Katzen sind eigenwillig. Die machen es richtig. Weil sie machen, was sie wollen", sagt Lea.

Ihre Illustrationen sind Teil einer seit einiger Zeit währenden und immer wieder aufkochenden Debatte über die Frage, was einen schönen Körper ausmacht und wer das definiert: Ist Kim Kardashian, immer im Glitzer-Outfit, nun schön – oder Alicia Keys, die auf Make-up verzichtet? Und wie sieht ein Mensch aus, der die richtige Mischung aus beidem trifft?

Herauszufinden, was schön ist, das ist natürlich ein Prozess, sagt Lea. Doch was auch immer dabei herauskommt: "Wäre toll, wenn das einfach okay wäre. Und jeder sich schön finden kann, ohne deswegen gleich als arrogant zu gelten."


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Die Berliner Polizei hat ihre Polizeipräsenz in der Stadt deutlich erhöht. Bis auf einen Markt in der Kulturbrauerei haben im Laufe des Dienstags alle Weihnachtsmärkte in Berlin geschlossen. Empfohlen hatte das der Berliner Innensenator Andreas Geisel – aus Rücksicht auf die Opfer des Anschlags.