Bild: Tim Bengel

Der 26-Jährige Tim Bengel aus Esslingen bei Stuttgart ist derzeit einer von Deutschlands erfolgreichsten Nachwuchskünstlern. Aber nicht in der etablierten Kunstwelt, sondern auf Instagram. Seinen Durchbruch hatte er mit Videos, die millionenfach in den sozialen Netzwerken geteilt wurden. 

Darin zeigt er, wie seine Bilder entstehen, die – das ist das Besondere! – aus Sand sind. Besonders beeindruckt der Moment, wenn der Künstler seine Leinwand aufrichtet, den überschüssige Sand herunter rieseln lässt und das Motiv enthüllt, das er mit tausend winzigen Sandkörnchen auf die Leinwand geklebt hat.

In diesem Video siehst du, wie Tim arbeitet: 

Innerhalb von nur zwei Jahren hatte Tim Bengel schon Solo-Shows in Gallerien auf der ganzen Welt – und jetzt seine erste eigene Ausstellung im "Museum of Urban and Contemporary Art" in München. bento hat ihn am Abend vor der Ausstellungseröffnung dort besucht.

Tim, hast du als Kind am liebsten im Sandkasten gespielt?

Das weiß ich nicht mehr. Aber ich habe mit acht Jahren schon versucht, große Künstler wie Wassily Kandinsky zu imitieren und zu Hause deren Kunstwerke nachgemalt.

Instagram finden viele irgendwie oberflächlich. Ist deine Kunst auch oberflächlich?

Die Frage ist doch, was man unter "oberflächlich" versteht. Kunst muss nicht politisch sein, sondern darf einfach nur schön sein. Das bezeichnen manche wohl als "oberflächlich".

Wie hast du es geschafft, dass über 300.000 Menschen wissen wollen, was du mit Sand anstellst?

Die Idee hatte ich vor drei Jahren in München, als ich zum ersten Mal auf einer Kunstmesse ausgestellt habe. Ich konnte mir gerade so den billigsten Stand irgendwo in einer Ecke leisten. Natürlich sind die Leute einfach an meinen Bildern vorbeigelaufen, ohne darauf zu achten, dass sie aus Sand sind. Denn aus der Entfernung sehen sie ja wie gewöhnliche Schwarz-Weiß-Bilder aus. Ich habe überlegt: Wie kann ich den Leuten zeigen, welche besondere Technik hinter meinen Werken steckt? Und angefangen, mich bei der Arbeit zu filmen.

Stimmt es, dass du damit einen Weltrekorde aufgestellt hast?

Meine Videos wurden massenweise auf Facebook, Instagram und YouTube geteilt und repostet. Ich schätze mal, dass auf diese Weise zwischen 400 und 500 Millionen Leute meine Performance gesehen haben. Ich kenne kein anderes Video mit Kunst-Inhalt, das so viele Menschen auf der ganzen Welt in so kurzer Zeit gesehen haben.

Aus wie viel Sand besteht denn ein Bild von Tim Bengel?

Pro Bild brauche ich fünf bis sechs Kilo Sand.

(Bild: Tim Bengel)

Wo kommt der Sand her? Kaufst du den selbst im Baumarkt? Oder wird er mit einem Baustellenkipper angeliefert?

Den bestelle ich in Online-Shops, das sind so 200 Kilo im Jahr. Der Postbote ist schon ziemlich sauer auf mich, weil er so viel Sand schleppen muss.

Deine Bilder kosten inzwischen bis zu 60.000 Euro. Wie viel Geld verdienst du mittlerweile mit Kunst?

Mehr als der durchschnittliche Deutsche. Aber ein Profi-Fußballer verdient mehr. Es ist eine romantische Vorstellung, dass Kunst nichts mit Geld zu tun hat. 

Werbung für Waschpulver würde ich trotzdem nicht machen. Aber dass ich Barack Obama für die Netflix-Sendung von David Letterman portraitiert habe, sehe ich nicht als Verrat an der Kunst. Nur weil ich dafür Geld kriege und ins Fernsehen komme.

Denkst du, du wärst auch ohne Instagram ein erfolgreicher Künstler geworden?

Ohne Instagram und Facebook wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin. Aber jetzt sind die Plattformen nicht mehr wichtig. Der Verkauf meine Bilder kommt nie direkt über Facebook oder Instagram zu Stande, sondern man muss in den richtigen Kreisen unterwegs sein.

Was ist schlimmer? Wenn man dich "Instagram-Künstler" nennt oder "Sand-Künstler"?

Beides ist schlimm. Ich will nicht in eine Schublade gesteckt werden.

Du lebst seit zwei Jahren als Künstler. Was hast du eigentlich vorher gemacht?

Ich habe nach dem Abitur eine Ausbildung als Modeschneider bei einer großen Modemarke angefangen, aber nach einem Jahr abgebrochen. Dann habe ich zwei Jahre ein duales Studium im Bereich Gesundheitsmanagment gemacht und dafür im Fitnessstudio gearbeitet. Aber das war richtig mies bezahlt. 

Danach habe ich in Tübingen Philosophie und Kunstgeschichte studiert. Aber nach einem Semester hat mich mein künstlerischer Erfolg eingeholt und ich stand vor der Entscheidung: Künstler werden, oder weiter studieren? Ich habe mich für die Kunst entschieden und für das Angebot, eine Solo-Show in New York zu machen. Ich glaube das war die richtige Entscheidung.

Wie funktioniert das Malen mit Sand?

Für seine Bilder bestreicht Tim Bengel die Leinwände mit superhaftendem Industriekleber und trägt dann den Sand auf. Die Feinjustierung nimmt er mit einer Pinzette vor. Akzente setzt er mit Blattgold. Zwei bis drei Wochen braucht er für ein Bild, für das er fünf Kilo Sand verarbeitet. Am längsten hat er bisher an einem Gemälde gearbeitet, das das Schloss von Versailles zeigt: drei Monate. Den Sand bestellt er online und lässt ihn vom Paketboten direkt in sein Esslinger Atelier liefern. Obwohl er als Künstler, um die ganze Welt jettet, lebt und arbeitet er noch immer in seiner Heimatstadt. "Berlin lenkt zu sehr ab!", sagt er.



Gerechtigkeit

Mit diesen Bildern zeigen US-Ärzte der Waffenlobby, was Schusswaffen wirklich anrichten

Schon wieder hat es in den USA eine Schießerei gegeben, die mindestens 13 Menschen das Leben gekostet hat. In einer kalifornischen Bar schoss ein bewaffneter Mann erst auf Gäste, dann auf anrückende Polizisten. Der Schütze wurde später tot in der Bar gefunden. (USA Today)

Seit Jahren fordert eine Gruppe, die ganz besonders von den Schießereien betroffen ist, die Zahl der Schusswaffen endlich stark zu begrenzen: Ärztinnen und Ärzte, die Tag für Tag versuchen, den Opfern das Leben zu retten. Auch nach dem Anschlag in Kalifornien meldeten sich die Ärzte wie immer zu Wort. 

Die Waffenlobby NRA frotzelte währenddessen auf Twitter gegen die Ärzte und sagte, sie sollten "sich um ihren Kram kümmern" ("stay in their lane"):