Bild: Kate Allan

Wer nachts allein durch eine Gasse geht, vor großem Publikum eine Rede halten muss, nicht weiß, ob er oder sie nach der Uni einen Job findet – der verspürt vielleicht Angst. Sie gehört häufig zum Leben dazu. 

Doch bei bei einigen Menschen wird die Angst krankhaft, sie wird zum Normalzustand. Laut der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) sind in Deutschland etwa 15 Prozent der Bevölkerung von Angststörungen betroffen.

Auch bei Kate Allan wurde eine Generalisierte Angststörung und Depression diagnostiziert. 

Eigentlich unbegründete Angst bestimmte ihr Leben, sie verließ kaum noch das Haus. Erst durch eine Therapie lernte sie, mit ihren Gefühlen umzugehen und negative Gedanken zu verdrängen.

Inzwischen hat die 29-Jährige aus Kalifornien einen Weg gefunden, nicht nur sich selbst zu helfen, sondern auch anderen: mit Kunst

Im Internet veröffentlicht sie seit einiger Zeit Zeichnungen. Meist sind es Bilder von Tieren mit positiven Botschaften:

"Ich will, dass die Leute wissen, dass ich das mit ihnen gemeinsam durchstehe", sagt sie zu bento. "Offen damit umzugehen, schwächt das Stigma etwas." 

In einem aktuellen Comic lässt Kate einen Hasen erklären, wie wichtig Achtsamkeit für die geistige Gesundheit ist. "Einer der effektivsten Wege, den ich gefunden habe, um aus einer negativen oder hoffnungslosen Denkweise herauszubrechen, ist, anderen zu helfen", sagt Kate. 

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In dem zehnteiligen Achtsamkeits-Comic verarbeitet sie, was sie bei ihrer Therapie vor sechs Jahren gelernt hat. Das will sie nun weitergeben. Zum einen, weil die visuelle Darstellung anderen Menschen helfen könne, die Ansätze besser zu verstehen. Aber auch, weil nicht alle Menschen Zugang zu einer Therapie hätten. 

Wenn eine Übung von einem Häschen kommt, ist sie möglicherweise einfacher umzusetzen.

Deshalb stellt ein Hase in dem Comic Fragen, er führt durch die Aufgabe: Was ist dieses Gefühl? Wie kann man es benennen? Gelangweilt? Traurig? Wo findet dieses Gefühl statt? Der nächste Schritt: Akzeptiere dieses Gefühl. Bewerte es nicht. Identifiziere dich nicht mit dem Gefühl – es ist ein Gefühl, das bist nicht du. Denke als nächstes darüber nach: Was ist die Geschichte hinter dem Gefühl? Was löst es aus? Ist es schon einmal aufgetreten? Wiederhole diese Übung – je häufiger, desto weniger werden diese Gefühle dich kontrollieren

In den Kommentaren erzählen andere Menschen mit psychischen Erkrankungen, wie sehr ihnen Kates Comics helfen. "Das ist wirklich tiefgreifend, leicht verständlich und stimmt absolut", schreibt eine Nutzerin. Eine andere sagt: "Danke, dass du ausdrückst, womit ich gekämpft habe – und dass du Antworten gibst mit einfach zu verstehenden Übungen."

Als Kate mit ihrem Kunst-Blog anfing, zeichnete sie hauptsächlich Comics, die ihre Depression dokumentierten. "Dann habe ich gemerkt, dass es mir beim Gesundwerden half, die Negativität zu bekämpfen. Ich dachte mir, wenn ich einen Weg finden kann, das Schlimmste zu überstehen, dann werde ich versuchen, auch anderen diesen Weg zu zeigen."

Neue Werke veröffentlicht Kate unter anderem auf Instagram und Facebook. Drucke des Achtsamkeit-Comics gibt es in ihrem Shop.


Tech

Das Internet wird 30: Nimm's nicht so schwer!
Wird schon wieder.

Dreißig werden kann hart sein. Die Jugend ist jetzt wirklich mal vorbei, das Erwachsenenleben endgültig eingeleitet. Man spürt erste Altersgebrechen und den Druck vom Umfeld, dass die Zukunft mal endlich durchgeplant sein müsste. Manche schlittern gar in eine Midlife-Crisis, obwohl die Hälfte des Lebens (hoffentlich) noch gar nicht absolviert ist. 

Wenn jemand im Freundeskreis dreißig wird, muss man damit vorsichtig umgehen und erstmal herausfinden, wie er oder sie darauf zu sprechen ist. 

Heute ist es soweit, unser aller bester Freund wird dreißig: das World Wide Web. 

Und – wie passend – auch das Internet steckt mitten in einer Krise. Trolle, Shitstorms, Fake News, Uploadfilter, Zensur, mächtige Großkonzerne, all das macht ihm zu schaffen. Klingt alles nicht so richtig nach Feierlaune. 

Wir versuchen, dem Internet mit einem vorsichtigen Brief trotzdem zu gratulieren – und Mut zu machen für die Zukunft. 

Liebes Internet,

ja, du hast es gerade nicht so leicht. Du bist im Ernst des Lebens angekommen. 

Als Kind war dein Leben noch sorgenfrei. Du dachtest, dass du die Welt verändern und verbessern kannst. Du hast davon geträumt, allen Menschen freien Zugang zu Informationen und Unterhaltung zu verschaffen, ihnen mit Tierbabys und Memes ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Damit wolltest du kein Geld verdienen. 

Du warst frei von Regeln und Beschränkungen, deine Eltern haben dich erst mal machen lassen. 

Da war es okay, Leute ein bisschen Musik oder Filme runterladen zu lassen, obwohl alle wussten, dass das rein rechtlich so 'ne Sache ist. Aber das hat man dir durchgehen lassen, du warst ja kaum strafmündig

Als Kind hast du an das Gute im Menschen geglaubt, warst überzeugt davon, dass Erwachsene rationale Entscheidungen treffen können. Doch sie haben dir das Gegenteil bewiesen. Viele können nicht mit dir umgehen, schreiben Hass und Lügen in dich hinein, anstatt sinnvoll zu diskutieren. Andere wollen dich missbrauchen, um Menschen zu überwachen und Propaganda zu verbreiten. Manche machen dich sogar dafür verantwortlich, dass ein rassistischer Reality-TV-Star zum US-Präsidenten gewählt wurde. 

Und auch auf die Regierungen dieser Welt ist kein Verlass. 

In manchen Ländern wirst du zensiert oder abgestellt, dein ursprünglicher Traum von der Freiheit ist in Gefahr. In Europa wollen sie dich stärker regulieren, dir Uploadfilter einbauen. 

Und wenn man in Deutschland unterwegs ist und in dir stöbern will, könnte man fast meinen, du wärst altersschwach, so tatterig und langsam kommst du daher. 

Jetzt stellst du dir die Sinnfrage: Wozu bin ich eigentlich da? Mache ich das Leben der Menschen wirklich besser? 

Aber schau doch mal, wie weit du es gebracht hast. Obwohl so viele an dir gezweifelt haben.