So wäre das Leben, wenn es niemand beeinflusst.
(Bild: Dennis Busch)

Wie wäre das Leben, wenn niemand es beeinflussen könnte? Ein Leben aus Erinnerungen, Gegenwart und Zukunft, das nur in den eigenen Händen entsteht und immer wieder neu zusammengebastelt werden könnte?

Der Künstler Dennis Busch gibt Antwort auf diese Fragen, in dem er schneidet und schnipselt: Er fertigt Collagen einer ganz eigenen Realität. Bilder, die Zeitgenössisches repräsentieren und zugleich zeigen, wie vergänglich alles ist. Bilder, die die Vielschichtigkeit unserer Gesellschaft zeigen – und gleichzeitig, wie schlicht sie sein kann.

(Bild: Dennis Busch)
(Bild: Dennis Busch)
Wir haben Dennis Busch gebeten, uns von seiner Kunst und seinen Gedanken zu erzählen.

Die Ideen für meine Arbeiten entstehen oft von selbst. Ich habe oft keinen Einfluss auf das, was am Ende dabei herauskommt. Da ist dieser magische Moment, in dem sich alles fügt und zu einem Ganzen wird. Das zu erkennen und in diesem Moment eine Arbeit zu beenden, das ist das ausschlaggebende Moment, in dem etwas Neues entsteht, eine neue Welt aufgeht, um den Montagepunkt aller Gesetzlichkeit zu verschieben. Es fühlt sich an, als ob ich versuche, etwas zu manifestieren, was ich niemals festhalten könnte – wie Treibsand, der durch meine flüchtigen Hände der Zeit rinnt.

(Bild: Dennis Busch)

Ich versuche, ein „un-zeitgeschehendes“ Moment entstehen zu lassen, in dem sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einen komplett neuen Anstrich verpassen. Ich kreiere mir eine eigene Realität, eine komplett komplexe und gleichzeitig hochgradig naive neue Sichtweise auf Zusammenhänge und Gesetztmäßigkeiten, um diese auf charmante Art und Weise aus den Angeln zu heben.

Nachrichten, Film, Funk und Fernsehen existieren für mich nicht. Sie sind Türsteher und Rausschmeißer einer Zwangsgesellschaft, deren Grenzen ich mit meiner Sichtweise und meinen skalpellscharfen Arbeiten zu torpedieren versuche.

(Bild: Dennis Busch)

Ich bin ein Collagen-Maniac. Das Prinzip des Collagierens und Samplens zieht sich wie ein roter Faden durch meinen künstlerischen Output. Cutten und Pasten war schon immer ein tolles Medium, um meine Sicht der Dinge in ein korrektes Licht zu rücken. Du schüttelst das Kaleidoskop und weißt nicht wirklich, was dabei herauskommt. Wenn es dir nicht gefällt, schüttelst du so lange weiter, bis etwas “sinnig Unsinniges” dabei herauskommt. an. Manchmal fühle ich mich beim Arbeiten wie ein Chefarzt bei einer Schönheits-OP, der im offenen Bauch einer gefühlsduseligen Gesellschaft rumrührt.

(Bild: Dennis Busch)
(Bild: Dennis Busch)

Die Vergangenheit spielt für mich eine große Rolle, da sie in sich den Kern der Zukunft hütet. Nur über die Vergangenheit gelingt der Weg über die Zukunft ins Jetzt. Nazideutschland existiert für mich nicht – Symbole, Elemente und Zeitzeichen sind allerdings sehr wichtig für mich in meiner Arbeit. Ich versuche, verschiedene Religionen in einen dicken Sack zu stecken, um ihn wie ein gigantisches Kaleidoskop zu schütteln. Voilà: Erdanziehungskraft gepaart mit bedingsloser Extase. Ein perfekter Cocktail für jegliche Sinne.

(Bild: Dennis Busch)

Die Collage ist das perfekte Tool im Repertoir eines Künstlers, um eine traumwandlerische Zeitverschiebung einzuleiten. An Stelle der ausgeschalteten Zeit tritt Transformation und Wandlung. Die Collage erlaubt es Künstler und Betrachter, einen Zeitsprung durch verschiedene Dimensionen zu machen.

In einer Form von großzügig psychedlisch unvollendeter Körperlichkeit sind die modernen Collagenkünstler Astronauten auf einer niemals enden wollenden Reise in das innerstellare Reich uferloser Fantasie, ausgerüstet mit Schere, Skalpell und Klebe. Im Kern geht es mir um die Manifestation der Unmanifestierbarkeit.

(Bild: Dennis Busch)
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