Bild: Ren Hang
Ren Hang aus Peking kritisiert das Regime.

Die Kunst von Ren Hang aus Peking ist nicht einfach Provokation: Zu sehen ist, zwischen den Pixeln, ein Kampf um die künstlerische Freiheit, um die Freiheit, der sein zu dürfen, der man ist. Ohne Scham halten die Menschen, die der 28-Jährige fotografiert hat, ihre Genitalien ins Bild, sie spreizen die Beine, spucken.

Das sind die Bilder von Ren Hang – viel mehr als nur Provokation:
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Fast immer ohne Mimik schneiden sie sich ihre Hose so auf, dass der Penis herausfällt, legen sich eine Tulpe so auf den Unterkörper, dass es aussieht, als würde sie der Vagina entwachsen. Ohne Lächeln und ohne Zweifel, regungslos ziehen sie sich aus und zeigen ihre Körper.

Dabei werden auch immer wieder Geschlechterrollen in Frage gestellt, nicht jeder ist hier traditionell Mann oder traditionell Frau. Ein Foto zeigt einen schmalen, weiblichen Körper – doch zwischen den Beinen lässt sich ein Penis erahnen.

(Bild: Ren Hang)

Auf anderen Fotos balancieren die Menschen am Abgrund der Seele, sie tauchen tief unter in Badewannen, beißen sich aneinander fest, rauchen viel, lassen den Blick schweifen über die Dächer der Stadt.

Ren Hang fotografiert seit neun Jahren, seit jeher ist er der Fotografieszene bekannt als ein depressiver, scheuer und der Öffentlichkeit fernbleibender Künstler. Er gibt kaum Interviews – und wenn er doch mal mit einem Journalisten spricht, lautet seine Antwort auf fast alle Fragen: "Ich weiß es nicht – und es ist mir egal."

Ich weiß es nicht – ist mir egal
Ren Hang

Trotzdem macht er was mit China, er verletzt moralische und soziale Tabus. Zeigt, dass er nicht einverstanden ist mit einem politischen System, in dem Künstler und Andersdenkende unterdrückt und gejagt werden. Wer in China auf Menschenrechtler und Freiheitskämpfer macht, der wird vom autoritären Regime verfolgt.

Spätestens, seit der chinesische Konzeptkünstler Ai Weiwei im Jahr 2011 für kurze Zeit inhaftiert wurde, machen sich Kreative in dem Land immer wieder dafür stark, sich individuell entfalten zu können und den Staat kritisieren zu dürfen.

(Bild: Ren Hang)

Ren Hangs Fotos sind brutal direkt. Nicht, weil sie Körperstellen zeigen, die sonst von Kleidung bedeckt sind. Sondern, weil sie auf kompromisslose Weise die bestehende Ordnung stören. Sie wirken, als wolle der Künstler schreien: So sind wir halt, wir Menschen – verschieden, übermütig, immer in Versuchung! Und, übrigens: Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass wir verkehrt sind.


Mit "Ren Hang" zeigt der Taschen-Verlag den ersten internationalen Bildband, der eine Sammlung von Ren Hangs Fotos präsentiert. Das Buch ist ab Anfang Februar erhältlich.


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Diese deutschen Filme waren für einen Oscar nominiert

Was haben Werner Herzogs "Fitzcarraldo", Wim Wenders "Der Himmel über Berlin" und "Lola rennt" von Tom Tywker gemeinsam? Es sind drei Filme, die von Deutschland ins Rennen um den Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film eingereicht wurden – keiner der drei wurde jedoch am Ende von der Academy nominiert.

Blickt man in die Nominierungsliste, so lässt sich erahnen, warum: Dort befinden sich vor allem Filme, die sich mit der deutschen Geschichte beschäftigen. 18 Filmen gelang seit 1957 eine Oscar-Nominierung, fast alle drehen sich um Nazi-Deutschland, den Ersten oder Zweiten Weltkrieg oder Adolf Hitler.

Doch seit dieser Woche hat sich das geändert. Denn Maren Ades "Toni Erdmann" wurde am Dienstag als 19. deutscher Film in der Kategorie "Bester nicht-englischsprachiger Film" nominiert.

Hier stellen wir euch die besten deutschen Oscar-Nominierten und -Gewinner vor.