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Buchempfehlungen von Kofi Shakur, Aylin Karabulut und Malcolm Ohanwe

Schwarze und People of Color kämpfen schon lange gegen die Ungerechtigkeit, die vielen von ihnen tagtäglich in Form von Alltagsrassismus, Gewalt oder Benachteiligung widerfährt. Doch seit das Video vom brutalen Tod von George Floyd viral ging, wollen sich viele Menschen solidarisch zeigen – auch, wenn sie nicht direkt von Rassismus betroffen sind. 

Am Dienstag trendete der Hashtag "blackouttuesday" auf Instagram. Durch schwarze Quadrate in ihrem Feed wollten Nutzerinnen und Nutzer gemeinsam ein Statement gegen Rassismus setzen. An der Aktion gab es aber auch Kritik: Ein einzelnes Bild in den Sozialen Medien reiche nicht aus, wenn das die einzige Form des Engagements bleibt. (bento)

Wenn man sich wirklich solidarisch zeigen möchte, ist es wichtig, Interesse zu zeigen und sich zu informieren, zuzuhören und aufzupassen, was People of Color berichten. 

Kofi Shakur, Aylin Karabulut und Malcolm Ohanwe engagieren sich gegen Rassismus und sind starke Stimmen in der Debatte.

bento hat die drei gebeten, jeweils ein Buch zu empfehlen, das über Rassismus informiert – auch für Menschen, die sie sich bislang noch nicht viel mit dem Thema beschäftigt haben. 

Aylins Empfehlung: "Exit Racism" von Tupoka Ogette

Aylin Karabulut, 27, ist Wissenschaftlerin und Expertin für "Diversity & Inclusion". An der Universität Duisburg-Essen forscht sie zum Thema Rassismus in der Schule.

(Bild: Roman Achmatow/Cover: Unrast Verlag/bento-Montage)

Es ist ein Privileg, entscheiden zu können, ob man sich mit Rassismus beschäftigen möchte oder nicht. Betroffene können das nicht. Daher ist es besonders für weiße Menschen wichtig, sich rassismuskritisch zu bilden und Rassismus als gesamtgesellschaftliche Ungleichheitsstruktur zu verstehen, von der sie aufgrund ihrer Privilegien profitieren. 

Mit Privilegien geht die Verantwortung einher, sich für Gerechtigkeit einzusetzen. Strukturelle und eigene Rassismen kritisch zu reflektieren sind wichtige Prozesse für weiße Personen, um die eigene Involviertheit in ungleiche Macht- und Privilegienverhältnisse zu verstehen und Teil der Lösung zu werden – statt Teil des Problems. 

Das Buch "Exit Racism" von Tupoka Ogette bietet wichtige Möglichkeiten der Selbstreflexion und begleitet Leserinnen und Leser emphatisch auf ihrer rassismuskritischen Reise. Tipp: Das Buch gibt es auch als Hörbuch!

Kofi wünscht sich, dass mehr Menschen "Women, Race & Class" von Angela Davis lesen

Kofi Shakur, 25, studiert Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität in Berlin. Er ist unter anderem in der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland Bund e.V. (ISD) aktiv und kämpft gegen jede Form von Ausbeutung und Unterdrückung.

(Bild: Klassegegenklasse/Cover: Penguin Verlag/bento-Montage)

Menschen, die sich mit Rassismus auseinandersetzen wollen, kann ich vor allem "Women, Race & Class" von Angela Davis empfehlen. Dort bildet sie übersichtlich die Dynamiken einer rassistischen und patriarchalen Klassengesellschaft ab. 

Im Fokus steht, wie Schwarze Frauen sich in den Kämpfen gegen Sklaverei, für Wahlrecht, für bessere Arbeitsbedingungen und gegen rassistische Politik zwar immer wieder gegen Männer durchsetzen mussten, aber oft auch gegen weiße Frauen aus verschiedenen Strömungen des bürgerlichen Feminismus. 

Dagegen entwirft Angela Davis die Konturen eines Feminismus, der durch und durch antirassistisch und internationalistisch ist und sich für die Belange von arbeitenden Frauen in der ganzen Welt stark macht. Diese Verbindung von Feminismus mit Antirassismus und Klassenkampf beschreibt nicht nur die existierenden Formen von Unterdrückung und Ausbeutung, sondern liefert auch eine Perspektive zu deren Überwindung.

Malcolm empfielt "Yalla, Feminismus" von Reyhan Şahin

Malcolm Ohanwe, 26, ist Journalist und setzt sich für differenzierte, gut recherchierte und präzise Berichterstattung ein. 

In "Yalla, Feminismus" geht es um Rassismus und Sexismus im Popkultur- und Wissenschaftsbetrieb. Geschrieben hat es Reyhan Şahin, die auch als Lady Bitch Ray bekannt ist. 

(Bild: Özgün Turgut/Cover: Klett-Cotta/bento-Montage)

Als Journalist beschäftige ich mich oft mit popkulturellen Diskursen, etwa mit Rap-Songs, Kinofilmen oder Fernsehserien. Die Musik, mit der ich aufgewachsen bin, also R&B und Hip-Hop, war für viele meiner weißen deutschen Freunde und Freundinnen damals nur eine Phase, eine Zeit, in der es trendy war, sogenannte "Black Music" zu hören. Viele dieser Leute mit bildungsbürgerlichem weißen Background sind heute auch Musik-Journalistinnen und -Journalisten. Oft schwingt im redaktionellen Alltag mit, dass diese Musikrichtungen "kitschig" seien, eher geschmacklose und kulturell wertlose Unterschichtsmusik für Großraum-Discos und Fitnessstudios. 

Die Leute wissen nicht, wie rassistisch Denkstrukturen im Kulturbetrieb oft sind, und wie sehr gewisse Musikrichtungen auch im Deutschen ein Code sind für ethnische aber auch finanzielle Herkunft. Ich als Journalist musste mich so oft mit Kollegen und Kolleginnen darüber streiten, ob migrantisch markierte Popmusik aus der Unterschicht es verdient hat, größer besprochen zu werden oder im Programm abgebildet zu werden. 

Dieses Phänomen von – ich nenne es mal Popmusik-Rassismus – hat Lady Bitch Ray sehr eindrucksvoll erörtert in ihrem Buch. Sie geht auch sehr gut den Fragen nach, warum Xavier Naidoo und seine Aussagen zwar komplett Banane und menschenverachtend sind, viele weiße Personen ihn aber besonders arg zerfleischt haben, weil er Schwarz ist und sie seine Musik und seine Klientel ohnehin nie ernst genommen haben.


Streaming

Streaming-T(r)ipp: In dieser Doku berichten Weltstars von ihren heftigsten Drogentrips
Neu auf Netflix: "Have a good Trip"

LSD wurde jahrzehntelang in einem Atemzug mit Kokain und Heroin genannt, obwohl es sich in Suchtpotenzial und Konsumart deutlich von diesen "harten" Drogen unterscheidet. Inzwischen scheint ein Umdenken stattzufinden, im Drogenbericht 2019 der deutschen Bundesdrogenbeauftragten wird der Stoff nicht einmal mehr in der Tabelle mit aufgeführt. Studien halten die Droge seit Jahren für deutlich weniger gefährlich und suchterregend als etwa Alkohol.* 

Im Silicon Valley, dem Herz der US-amerikanischen Tech-Revolution, sind LSD und ähnliche Drogen trotz Illegalität seit Jahren gefragt, selbst Apple-Gründer Steve Jobs schwor darauf. Das bei den Tech-Gurus beliebte Microdosing, also die Einnahme geringster Mengen, dient im Sinne der neoliberalen Verwertungslogik allerdings eher dem Leistungs-Doping, nicht der Freizeitgestaltung (SPIEGEL+, €)