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(Bild: (c) Olivier Hess)
Von ihrer Mutter war sie mit keinem Wort auf den Verlauf der Hochzeitsnacht vorbereitet worden, aber eine mitfĂĽhlende Tante hatte ihr eine Tablette gegeben, die sie sich unter die Zunge legen sollte.
Aus: "Unerhörte Stimmen" / Kein & Aber

Elif Shadak gehört zu den meistgelesenen Schriftstellerinnen in der Türkei. Aufgrund der politischen Lage in ihrem Heimatland, lebt sie zur Zeit in London. Ihr neuester Roman spielt dennoch in Istanbul: Die Protagonistin Leila liegt neben einer Abfalltonne auf einem Hinterhof im Sterben und lässt ihr Leben Revue passieren. Ein Leben voller Verletzungen, Verlust und Gewalt, aber auch tiefer Freundschaft und Verbindungen jenseits von Religion, Ethnie oder Familie. 

(Bild: (c) Willy Somma)
Ein paarmal war ich kurz davor zu beten, aber alles schien schon unbeantwortet genug, da brauchte ich nicht noch einen Rahmen fĂĽr das Schweigen.
Aus: "Das Girlfriend-Experiment" / Aufbau Verlag

Titel können täuschen: Der Roman der amerikanischen Autorin ist keine romantische Komödie im Stil von "Freunde mit gewissen Vorzügen" oder "Wie werde ich ihn los – in 10 Tagen". Im Mittelpunkt der Handlung steht vielmehr ein bizarres soziales Experiment, an dem die Protagonistin Mary aus Geldnot teilnimmt. Sie ist eine von mehreren Frauen, die mit einem einzelnen Mann – dem Schauspieler Kurt – in eine Art künstliche Beziehung gesteckt werden. Als "emotionale Partnerin" soll Mary streng überwachte und nach Drehbuch vorgeschriebene "Beziehungsexperimente" ausführen, damit die Forscher an ihrem Beispiel "die innere Wirkungsweise von Liebe und Gemeinschaft beleuchten können". 

(Bild: (c) Jörg Steinmetz)
Die Raubüberfälle auf die Wassertanklaster sind ja seit der Einführung neuer Sicherheitsmaßnahmen, Gott sei Dank, deutlich zurückgegangen.
Aus: "Miami Punk" / S. FISCHER

Weltuntergangsszenario in Miami: Der Atlantik hat sich 500 Kilometer zurückgezogen. Dort, wo mal Wasser war, ist jetzt nur noch Wüste. Dank fehlender Existenzgrundlage und einer beunruhigend großen Anzahl an offenen Fragen zum Alltag, kommt es zu massenhafter Realitätsverweigerung. Die Protagonistinnen in Guses Roman zieht es in die "virtuelle Realität" und sie versinken in ihren Computerspielen. 

4. 🛒"Miroloi" von Karen Köhler

(Bild: (c) Christian Rothe)
Die Frau bringt den älteren Mädchen die Sachen bei, die man können muss, um eine gute Frau zu werden.
Aus: "Miroloi" / Carl Hanser Verlag

Die Protagonistin wächst in einer streng abgeschottenen und von Männern angeführten Inselgemeinschaft auf. Gewalt steht an der Tagesordnung und Frauen sind systematisch von jeglicher Bildung ausgeschlossen. Eine Dystopie wie "Der Report der Magd", die nicht gerade an unsere eigenen Alltagserfahrungen anknüpft, aber deshalb doch lesenswert bleibt.

(Bild: (c) Amanda Kallis)
Sie schlĂĽpfte in ihre High Heels und ging aus der TĂĽr, um zum ersten Mal der Sonne in Frauenkleidern zu begegnen.
Aus: "Das Haus der unfassbar Schönen" / Kiepenheuer&Witsch

Der junge US-Amerikaner Cassara porträtiert in seinem Debütroman die schillernde Künstlerszene im New York der 80er. Die queere Subkultur der Ballroom-Szene wird aus der Perspektive von mehrereren Protagonistinnen und Protagonisten  geschildert – unter anderem von der puertoricanischen Transfrau Angel. Der Roman zeigt Menschen am Rande der Gesellschaft – irgendwo zwischen Glamour, Angst vor dem gerade entdeckten HIV, non-konformer Sexualität, gesellschaftlicher Ablehnung und Selbstbestimmung.

6. đź›’"All das zu verlieren" von Leila Slimani

(Bild: (c) Catherine HĂ©lie / Editions Gallimard)
Wozu, ich bin verheiratet und du auch. Wir wĂĽrden einander nur wehtun, meinst du nicht?
Aus: „All das zu verlieren“ / Luchterhand Literaturverlag

Bereits 2014 im französischen Original erschienen, ist der Roman von Slimani nun endlich auf Deutsch erschienen. Die Protagonistin Adèle scheint von außen ein Bilderbuchleben zu führen – sie ist unabhängig im Job, glücklich mit einem Herrn Doktor liiert und Mutter eines kleinen Sohnes. Was man von außen nicht sieht: Adèle ist todunglücklich und nur der ständige Sex mit Fremden lässt sie die Langeweile und Ödnis ihres Alltags für Momente vergessen. 

Im Gegensatz zu den Madame Bovarys der Literaturgeschichte ist Adèles Doppelleben allerdings kein Ausdruck von Selbstbestimmung und Freiheit. Hier geht es um das Suchen nach sich selbst, Sucht, und Kontrollverlust.

7. đź›’"Die Nickel Boys" von Colson Whitehead

(Bild: (c) Peter-Andreas Hassiepen)
Er hatte Verwandte, die in der Innenstadt florierende Läden betrieben, aber ein Weißer, der sich auf die Ökonomie der Rassentrennung verstand, konnte richtig Geld scheffeln.
Aus: "Die Nickel Boys" / Carl Hanser Verlag

Der junge Afro-Amerikaner Elwood lebt Mitte der Sechzigerjahre im Süden Amerikas. Er ist gut in der Schule, verehrt Martin Luther King und hat sein Leben bestens im Griff. Dann wird der Junge aufgrund einer Polizeikontrolle in die "Besserungsanstalt" Nickel Academy verfrachtet. 

Die Brutalität, der Missbrauch und der Rassismus die folgen, sind leider alles andere als Fiktion – Autor Colson Whitehead stützt seinen Roman auf Ermittlungen rund um die mittlerweile geschlossene Anstalt. Auf deren Grund und Boden wurden 2014 die Leichen von 43 zu Tode gefolterten oder erschossenen Menschen gefunden. Nicht nur ein emotionaler Roman, sondern auch ein wichtiges Zeit-Dokument, das den tief verwurzelten Rassismus in Amerika aufzeigt.

(Bild: (c) Julien Menand)
Wir sind hier sicher. Kein Eintrag auf Google Maps, keine Sterne, keine einzige verfickte Rezension auf Tripadvisor.
Aus: "M" / Matthes & Seitz

Ein Roman ĂĽber das verrĂĽckte Leben der Kunststudentin und DJane "M": Es geht um Gruppensex, Drogen, Kunstsperma und die Berliner Kunst-Szene. Als ernstzunehmende Milieustudie ist das Buch vielleicht etwas zu provokativ und zu zynisch geraten. Fans von sehr expliziter Sprache werden allerdings viel SpaĂź haben.

9. "Die Geständnisse des Fleisches" von Michel Foucault

(Bild: (c) Jerry Bauer/Suhrkamp Verlag)
Die Errichtung eines Sexualkodexes, der auf die Ehe und Zeugung ausgerichtet ist, hat lange vor dem Christentum begonnen, auĂźerhalb von ihm, neben ihm.
Aus: "Die Geständnisse des Fleisches" / Suhrkamp Verlag

Dreieinhalb Jahrzehnte nach dem Tod des legendären Philosophen ist nun der vierte und letzte Band von "Sexualität und Wahrheit" erschienen – eine kleine Sensation. Es ist der Abschluss der historischen Studie Foucaults über die Geschichte der Sexualität: Es geht um die wissenschaftliche Untersuchung zur Entstehung der christlichen Sexualmoral anhand von unzähligen historischen Texten.


Future

Online-Krankschreibungen bei Regelschmerzen: Brauchen wir das?
Entlastung fĂĽr Ă„rzte und Gefahr fĂĽr Patientinnen?

Die Hälfte der Bevölkerung weiß: Bei Regelschmerzen und Symptomen wie Krämpfen, Durchfall oder Kopfschmerzen ist es nicht mehr möglich, sich zu konzentrieren. Sich morgens aus dem Bett zu quälen, fühlt sich an wie ein Dauerlauf ohne vorheriges Training.

Laut Techniker Krankenkasse können zehn von 100 Frauen bei Menstruationsbeschwerden ihren Alltag nicht mehr bewältigen (TK). Dann helfen nur noch Wärmflasche, Schmerztabletten – und im Notfall eine Krankschreibung. Ein Hamburger Telemedizin-Start-up will den Frauen den Gang zum Arzt ersparen und bietet seit Anfang September Online-Krankschreibungen bei starken Regelschmerzen an.

Die Geschäftsidee passt in eine Zeit, in der das Gesundheitssystem vor großen Umbrüchen steht.

Patienten und Patientinnen googlen ihre Krankheitssymptome und begrüßen die Ärztin mit Eigendiagnosen – wenn sie überhaupt einen Termin bekommen. In Großstädten quillen die Wartezimmer über, auf dem Land verschwinden sie ganz. Die Telemedizin könnte Engpässe lösen und ebenso birgt sie Gefahren: Dringend nötige Untersuchungen bleiben vielleicht aus. Ursachen werden nicht erkannt. Macht die Telemedizin kränker statt gesünder? Und sind Online-Krankschreibungen rechtlich wasserdicht? Was müssen Studierende beachten?

Der GrĂĽnder der Webseite au-schein.de sieht zahlreiche Vorteile. "Unsere Vision ist es, dass wir Kurzzeit-Krankschreibungen aus den Arztpraxen verbannen, damit endlich auch in Deutschland die Zahl der unnötigen Arztbesuche pro Kopf runtergeht", sagt Can Ansay. So hätten Ă„rztinnen und Ă„rzte endlich mehr Zeit fĂĽr ernsthafte Erkrankungen. 

Tatsächlich ist Deutschland nach Frankreich und der Schweiz auf Platz drei der häufigsten Arztbesuche pro Kopf im Europa-Vergleich. 11,3 Mal ging der Deutsche 2016 im Schnitt zum Arzt (Statista). Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, deutete vor Kurzem in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sogar "Strafzahlungen" für Patienten bei unnötigen Arztbesuchen an (SPIEGEL).

Wie laufen die Online-Krankschreibungen ab?

Frauen mit akuten, starken Regelschmerzen fĂĽllen auf der Webseite einen digitalen Fragebogen aus. Sie werden zu Symptomen befragt, Risikofaktoren sollen dabei ebenso ausgeschlossen werden. Zum Beispiel sollen sie beantworten, ob man von einer Endometriose, einer Wucherung der Gebärmutterschleimhaut, wisse? Ob man seine Tage regelmäßig bekomme? Ob man Fieber habe oder Medikamente nehme? 

Die Patientin fĂĽhrt also eine Eigendiagnose durch. Bei der Auskunft zu Fieber ist das noch einfach möglich, eine Endometriose lässt sich hingegen nicht so einfach ohne Ultraschall ausschlieĂźen. 

Die Antworten gehen danach an einen "Tele-Arzt", der die Symptome prüft und dann gegebenenfalls eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) ausstellt. Die "Bestellung", wie es auf der Webseite heißt, kostet neun Euro. Die Patientin bekommt die Bescheinigung als PDF, für fünf Euro extra auch zusätzlich per Post.

In einer Pressemitteilung erklärt das Unternehmen, dass die Gynäkologin und Mutter des GrĂĽnders Eva-Maria Ansay zusammen mit einem Expertenteam aus Gynäkologen an der Entwicklung des Fragebogens beteiligt war. Es mĂĽsse endlich Schluss damit sein, dass Frauen sich bei Menstruationsbeschwerden zur Arbeit schleppten, "nur weil sie keine schiefen Blicke oder Karriere-Nachteile riskieren wollen."