Der Herbst war herrlich, ja. Doch mit dem November endet auch die Zeit, in der wir uns länger als nötig im Freien aufhalten möchten.

Also ab an den Kamin (oder die Heizung). Und ran an die Bücher, die wir schon das ganze Jahr über lesen wollten.

Zum Selberlesen oder Verschenken: Diese 8 Bücher können wir besonders empfehlen.

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1 "Farbenblind" von Trevor Noah

(Bild: Blessing/Getty Images)
Ich war neun, als meine Mutter mich aus einem fahrenden Wagen stieß. Es war an einem Sonntag.

Trevor Noah kennen viele aus der US-amerikanischen "Daily Show" und als Comedy-Spezialisten auf Netflix. Weil er offenbar kreativ nicht ausgelastet ist, hat er ein Buch über sein Leben in Südafrika geschrieben. Der Originaltitel "Born a Crime" ("Als Verbrechen geboren") ist hier Programm, denn Noah ist Kind einer schwarzen Frau und eines weißen Mannes im Apartheids-Südafrika. Es hätte ihn nie geben dürfen, denn Schwarze und Weiße durften sich nicht mischen, geschweige denn Kinder zeugen. 

Das könnte der Ausgangspunkt einer traurigen Lebensgeschichte sein. Aber Trevor Noah wäre nicht er selbst, wenn er nicht aus den widrigsten Umständen eine Geschichte machen könnte, die einen vor Lachen zum Heulen bringt – und ganz nebenbei Rassismus, Armut und schlagende Eltern verhandelt. Mit seinem Blick fürs Komische und einem Leben voller absurder Wendungen liest sich diese Biografie fast wie ein Roman.

2 "Mit der Faust in die Welt schlagen" von Lukas Rietzschel

(Bild: Ullstein/Gerald von Foris)
'Jude', das klang weich und melodisch, wenn er es selbst aussprach. Aber die Zehntklässler hatten es einem Jungen hinterhergerufen, hatten es geschrien.

Es läuft gerade viel schief, drüben im Osten. Und viele wollen das deuten, drüben im Westen. Nun hat Lukas Rietzschel, 23 Jahre alt und Sachse, den Roman geschrieben, der helfen könnte. In "Mit der Faust in die Welt schlagen" mit geht es um um die Brüder Philipp und Tobias, die in einem Dorf nahe Dresden aufwachsen. Die unweit des stillgelegten Kraftwerks Rad fahren, in der Laube ihr erstes Bier trinken, irgendwann die älteren Jungs mit den Glatzen kennenlernen.

Rietzschel entwirft eine ganz normale deutsche Jugend, die irgendwann falsch abbiegt – wie Herrndorfs "Tschick", nur ohne die Romantik. Die Familie zerfällt, die Region zerfällt, jegliche Struktur löst sich auf. Nur die Wut, die bleibt. Das Buch bietet keine Lösung und will auch nichts entschuldigen. Es will einfach nur erzählen. Von drüben.

3 "Was man von hier aus sehen kann" von Mariana Leky

(Bild: Dumont/Franziska Hauser)
"Erzähl es niemandem weiter", sagte sie leise, "aber ich fürchte, ich habe von einem Okapi geträumt."

In "Was man von hier aus sehen kann" geht es um ein Dorf im Westerwald und seine Bewohner. Und um Liebe. Nie gestandene, verpasste oder hindernisreiche Liebe. 

Im Mittelpunkt der Erzählung stehen Selma und ihre Enkelin Luise. Immer wenn Selma nachts von einem Okapi, einem giraffenähnlichen Dschungeltier, träumt, muss jemand im Dorf innerhalb der nächsten 29 Stunden sterben. Wen es trifft, weiß man vorher nie. Das ganze Dorf wird also unruhig – und viele Bewohner beginnen, noch schnell ihr Gewissen zu erleichtern, indem sie Dinge wagen, gestehen oder verschwinden lassen. 

Dieses Buch kommt unterhaltsam und angenehm harmlos daher. Aber lässt einen am Ende vielleicht doch das eigene Leben überdenken.

4 "All das hier" von Alexander Kamber

(Bild: Limmat/Ayşe Yavaş)
Finn sei gestorben. Ein Auto. Und es habe geregnet. Mehr wisse man nicht. Noch nicht.

Ein Anruf – ganz viele Erinnerungen. Der Tod eines Freundes bringt eine Gruppe von Unifreunden wieder zusammen. Noch vor einem Jahr haben sie gemeinsam ein Theaterstück inszeniert, waren verliebt und befreundet. Jetzt ist einer von ihnen tot. Einfach so. 

Der Leser trifft die Freunde bei der Beerdigung. Man zieht mit ihnen durch Kneipen, raucht, redet und schaut dabei zu, wie sie sich erinnern – an Zeiten die sich anfühlen, als lägen sie eine Ewigkeit zurück. Mit einfachen Sätzen beschreibt der 23-jährige Autor Alexander Kamber, wie es sich anfühlt, erwachsen zu werden. Schmerzhaft schön.

5 "Quiz" von Günter Hack

"Wetten, dass dieser Mann jeden beliebigen Soldatenfriedhof am Geschmack erkennen kann?"

Das ganze Leben ist ein Gewinnspiel, wir sind die Kandidaten und die Gewinner stehen schon vorher fest: Das ist die nicht allzu ferne Zukunft in Günter Hacks "Quiz". Er beschreibt unser digitales Zeitalter als Albtraum, bevölkert von abgehängten Gelegenheitsjobbern. So wie Kevin. Kevin ist das, was der digitale Wandel aussortiert: ein überflüssiger Cyber-Proletarier, ein sogenannter Non-Player-Character. Sein einziger Ausweg aus der Misere: die Teilnahme an einer Quizshow, als echter Player. Doof nur, dass er auf die Verlierer-Rolle gecastet ist. 

Währendessen stolpert TV-Journalistin Susanne auf irrer Mission durch Japan und Ludwig-Maximilian wird reicher und reicher. Alle drei versuchen, die neuen Spielregeln zu verstehen, nach denen die Welt nun plötzlich funktioniert. Das ist düster, und dass der Schriftsteller und Journalist Günter Hack die Verwerfungen des Plattform-Kapitalismus schon vor Jahren in klugen Essays beschrieben hat, macht die Sache auch nicht besser. Zum Glück ist es aber auch wahnsinnig komisch.

6 "Glorreiche Ketzereien" von Lisa McInerney

(Bild: Liebeskind/Bríd O'Donovan​)
So geht das in einer Stadt: Ein Mann nimmt den Platz eines anderen ein, der auf dem frisch gebohnerten Küchenboden verblutet.

Okay, weder mit dem Titel noch mit dem Cover hat man diesem Buch einen Gefallen getan. Was man denkt: Hier geht es um Kirche und Glauben und alte Menschen. Worum es wirklich geht: Um Kleinkriminelle, Dealer, Prostituierte und Alkoholiker in der irischen Stadt Cork, die versuchen, ihr Leben irgendwie vor dem Einsturz zu bewahren. Sie alle verbindet erst mal wenig. Bis eine alte Frau einen Einbrecher erschlägt. Und alle in einen Strudel geraten. 

Das klingt nach düsterem Krimi, ist aber eigentlich eine bitterbös-lustige Sozialstudie Irlands. Lisa McInerney vermischt grandios den Zauber von erster Liebe mit der Abgestumpftheit des Alkoholismus, die Abgeklärtheit einer einsamen alten Frau mit den Hoffnungen eines Gangsterbosses. Sie schafft es, für jede der gebrochenen Figuren Mitgefühl zu wecken – und trotzdem noch genug Material zum Lachen zu bieten.

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7 "Lovecraft Country" von Matt Ruff

(Bild: Harper/Michael Hilliard MHHM)
Egal, was sie dir antun, hinterher ist es, als wäre nichts geschehen. Du sollst einfach bloß dankbar sein, dass du überhaupt noch am Leben bist.

Wer um schwere und moralisierende Bücher über Rassismus einen Bogen machen will, aber nicht um das Thema an sich, für den ist "Lovecraft Country" genau das Richtige. Zwei schwarze Familien in den USA der 1960er werden in übernatürliche Ereignisse verwickelt. Die Kapitel ähneln Kurzgeschichten, erst am Ende führt alles zusammen. Das liest sich stellenweise genauso absurd, wie es klingt. 

Matt Ruff, der in den USA für abgedrehte Geschichten bekannt ist, hat sich für "Lovecraft Country" am Horrorpapst H. P. Lovecraft orientiert. In dessen Werken ging es um Hexer, Monster, Okkultes. Bei Ruff nun auch um Rassismus – denn der wahre Horror ist nicht, was die Familien mit dem Übernatürlichen erleben, sondern unter den Weißen. 

"Lovecraft Country" ist schon älter, aber 2018 erstmals auf Deutsch erschienen. Bald wird es dazu auch eine HBO-Serie vom "Get Out"-Regisseur geben.

8 "Nähe" von Giovanni Frazzetto

(Bild: Hanser/Esra Rotthoff)
Als menschliche Wesen haben wir einen Hang, uns zu (ver-)binden. Wir neigen dazu, uns zu anderen hingezogen zu fühlen, wie die Wellen, die immer wieder ans Ufer schlagen.

Die Liebe ist unbegreiflich – so scheint es. Wir treffen zufällig jemanden, mit dem wir später unser ganzes Leben teilen. Vielleicht sitzt er in der Schule neben uns, vielleicht nimmt ein Freund sie mit zu deiner Party. Aber gibt es nicht noch Tausende andere mögliche Partnerinnen und Partner? 

Autor Giovanni Frazzetto bringt in das Liebeschaos Ordnung. Er erklärt, wie unsere Gene unsere Gefühle beeinflussen, was unsere Eltern damit zu tun haben, wie viel Nähe wir zulassen oder wieso Untreue oft leichter ist als Treue. Dabei vermengt Frazzetto Liebesgeschichten aus unserem Alltag mit Erkenntnissen aus Biologie und Hirnforschung

Für Frischverliebte ist das Buch vielleicht nichts, über Beziehungsprobleme will man dann schließlich nichts wissen. Wenn du aber schon länger in einer Beziehung steckst, erklärt es dir, wieso du oder dein Partner manchmal aneinander geraten – und warum es oft nichts bringt, sich aufzuregen.


Today

Starbucks möchte Pornos im Filial-WLAN blockieren

Wer bei Starbucks regelmäßig statt Kaffee Pornos konsumiert, muss jetzt ganz stark sein: das Unternehmen kündigte an, 2019 Pornographie aus dem Laden-WLAN verbannen zu wollen. Das soll sich vorerst auf die USA beschränken, ob das in Deutschland der Fall sein wird, ist derzeit noch nicht bekannt.

Ein Content-Blockiersystem soll dabei helfen.

"Wir haben eine Lösung gefunden, die verhindert, dass pornographische Inhalte in unseren Filialen angezeigt werden. Wir werden sie ab 2019 an unseren Standorten in den USA vorstellen", sagte ein Vertreter des Unternehmens. (NBC News)

Gemeinsam mit McDonald's stand Starbucks jahrelang unter Druck von Anti-Pornographie-Organisationen. McDonald's hat bereits Anfang 2016 einen Filter eingeführt, der das Streamen von Pornos verhindern soll. (CNN Business)

Wie sind die Reaktionen auf Starbucks' Ankündigung?

Die Organisation "Enough ist Enough" zeigte sich zufrieden, bemängelte aber auch, dass die Entscheidung, einen Filter einzusetzen, erst so spät kam (Business Insider). Das pornographische Videoportal "YouPorn" möchte als Reaktion auf die Ankündigung Starbucks-Produkte aus seinen Räumlichkeiten verbannen (Forbes). 

In einer Mitteilung an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schrieb Vizepräsident Charlie Hughes:

"Im Hinblick auf die Nachricht, dass Starbucks Kunden daran hindert, Inhalte für Erwachsene in ihren Filialen zu suchen und anzuzeigen, werden die Starbucks-Produkte ab dem 1. Januar 2019 offiziell aus den YouPorn-Büros verbannt."