Bauch einziehen, frustriert in die Speckrollen greifen, neue Dehnungsstreifen entdecken, in Tränen ausbrechen: All das machen tausende von Frauen jeden Tag aufs Neue vor dem Spiegel; denn ihr Gegenüber sieht kein bisschen so aus wie die Frauen auf den Werbeplakaten und die Schönheiten in den Instagram-Posts von Kylie Jenner, Gigi Hadid und Cara Delevigne. 

Die Bilderflut von perfekten Models kann uns Frauen schon mal den Boden unter den Füßen wegreißen. Sie sind so allgegenwärtig, dass man immer wieder vergisst, wie normale Frauen so aussehen. 

Eine, die sich dagegen stemmt: Die angehende Kunststudentin Anna Emilia Keller (19) aus Berlin.

Sie selbst litt an Essstörungen, mal aß sie kaum, mal übergab sie sich. Heute malt sie Frauen mit all ihren Ecken und Kanten: Kräftige Oberschenkel, große Brüste, hängender Bauch, breite Hüfte und Doppelkinn. Frauen, die auf keinem Werbeplakat auftauchen würden. Ganz normale Frauen eben, wie ihre Freundinnen und sie selbst. 

Die Ergebnisse sind in ihrer ersten Ausstellung als Teil von Soft Within zu sehen – einem Kunstkollektiv, das sich mit Themen wie geistige Gesundheit, Vielfalt und Gleichberechtigung auseinandersetzt.

Und so sehen ihre Bilder aus: 
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Wir haben mit Anna über Kunst und Body Positivity gesprochen:
Warum malst du nackte Frauen?

Jede Frau ist anders – es gibt nicht nur einen weiblichen Typ, sondern ganz viele verschiedene Körperformen, Erscheinungsbilder und Facetten. Auch wenn ich noch ganz am Anfang stehe und bisher nur mich selbst und meine Freundinnen portraitiere, habe ich große Ziele. Ich will die Weiblichkeit in allen Variationen zeigen. Und die Aussage meiner Kunst gilt genauso für Männer – denn deren Gefühlswelt und Komplexe werden oft unterschätzt. 

Was gibt es Spannenderes, als den eigenen Körper zu erkunden?
Anna Emilia Keller
Du hattest nicht immer so ein gutes Verhältnis zu deinem Körper. Was war da los? 

Ich hatte schon lange ein Problem mit meinem Körper. Meine Pubertät verschlimmerte dann dieses Körpergefühl, denn ich bekam ganz früh weibliche Rundungen. Ich bin einfach eine kleine, kurvige Person, aber ich wollte immer wie meine schlanken Freundinnen sein.

Ein Teufelskreis aus Hungern und Essanfällen begann: Ich nahm in der ersten Zeit durch Diätshakes sehr viel ab, doch sobald ich auch nur ein bisschen mehr gegessen habe, nahm ich wieder schlagartig zu. Und so bin ich in die Bulimie gestolpert. Erst nach drei Jahren und mehreren Klinikaufenthalten verstand ich, dass ich etwas ändern muss – und auch wirklich will. 

Ich habe meine eigentlichen Probleme auf meinen Körper projiziert, den konnte ich im Gegensatz zu den anderen Themen ja ändern.
Anna Emilia Keller
Was hat dich an dir gestört?

Ich dachte immer: Ich bin falsch. Ich bin zu dick. Gerade durch den Vergleich mit meinen Freundinnen oder den Mädchen in den Zeitschriften bekam ich das Gefühl, etwas an mir ändern zu müssen. Dabei ist es genau anders herum: Ich bin genau so richtig, wie ich bin – jeder von uns ist richtig – und die Denkweise in der Gesellschaft muss sich ändern.

Wie hast du zur Malerei gefunden?

Durch eine Kunsttherapie in meinem letzten Klinikaufenthalt. Es hat mir wahnsinnig gut getan, mein Inneres durch Zeichnungen und später in Farbe auszudrücken. Das war wie ein Befreiungsschlag. Mittlerweile ist die Kunst aber nicht mehr nur Therapie, sondern ein viel größerer Teil meines Lebens. Ich will den Menschen zeigen, wie gut es tut, sich selbst zu lieben. 

Mehr Body Positivity? Hier entlang:

Kannst du dich jetzt mehr lieben? 

Früher habe ich mich selbst gehasst. Aber das wird jeden Tag ein Stück besser. Klar gibt es noch schlechte Tage, an denen ich mich klein mache. Aber dann sag ich mir immer: Ach, ich bin doch so viel mehr! 

Ich habe gelernt, mich selbst so zu akzeptieren und zu wertschätzen wie ich bin – vor allem durch die Body Positivity Bewegung. Seit dem habe ich eine viel liebevollere Sicht auf meinen Körper und sehe meine schönen Seiten. 

Deine Botschaft an alle Frauen dort draußen: 

Ihr seid nicht nur euer Körper oder das was ihr in eurem Leben leistet. Ihr seid eine Person, die schon ganz allein einen großen Wert besitzt. Versucht euch nicht nur auf euer Äußeres zu reduzieren und euch nicht an Influencern wie Kylie Jenner auf Instagram zu orientieren. 

Es ist ein Trugschluss zu denken: Wenn ich erst einmal zehn Kilogramm weniger wiege, dann bin ich glücklich und zufrieden. Das ist Quatsch, denn Glücklichsein hat nichts mit eurem Äußeren zu tun, sondern mit eurem inneren Gefühl – und das ändert ihr nicht durch eure Kleidergröße. Deswegen: Fangt an, euch jeden Tag ein bisschen mehr zu lieben – ihr seid es wert!


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