Bild: Luca Bogoni
Wer hat heute noch Stift und Papier griffbereit? Luca Bendandi hat einen ganzen Laden voll alter Büroutensilien und nun ein Buch über die Rückkehr der Schreibwaren geschrieben.
Luca Bendandi ist Grafikdesigner und Gründer von Vetro Editions, eines in Berlin ansässigen Verlags für Kunstbücher, Design und Lifestyle-Themen.(Bild: Anne Häming)
Welche Büromaterialien haben Sie immer dabei?

Einen Bleistift. Die Marke ist mir eigentlich egal, aber es ist ein Eberhart Faber Multigraph 666, ich bin kein Satanist, aber die Zahl mag ich. Und ein Notizbuch, ich packe immer das ein, das da gerade herumliegt. Ich schaffe es nie, eines vollzuschreiben. Die halbvollen sind dann eben Vergangenheit, finito. Ich habe da eine sehr nüchterne Herangehensweise.

Nüchtern? Sie haben ein ganzes Buch über Schreibwaren recherchiert, führen einen Laden mit alten Büroutensilien.

Bendandi: Da müssen die Objekte zu Fetischen werden, meinen Sie? Das geht anderen sicher so. Mich als Industrie- und Grafikdesigner fasziniert vor allem die Verpackung, die Machart, die Funktionalität. Je simpler und purer das Objekt ist, desto besser.

Welches Ding war denn der Beginn Ihrer Sammlung?
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Keine Ahnung.

Wie bitte?

Ich habe nie beschlossen, zu sammeln, das passierte einfach. Vor zwei Jahren merkte ich, dass auf einmal weltweit neue Läden auftauchten, die sich auf Büromaterialien spezialisierten. In New York gibt es etwa einen, der nur Bleistifte verkauft. Da ich immer auf Themensuche bin, beschloss ich, ein Buch über dieses Phänomen zu machen.

Schreibwarenläden sind ja aber nichts Neues.

Das stimmt – die Haltung den Produkten gegenüber allerdings schon: Die neuen Shops kuratierten die Gegenstände, es ging auf einmal um Wertschätzung des einzelnen Dings, zu jedem Radierer gab es eine Geschichte, es gibt sogar einen Podcast zum Thema. Weil ich im Zuge der Recherche all die Dinge kaufte, wurde ich zum Sammler - und habe dann in meinem Studio diesen kleinen Laden eingerichtet.

Woher bekommen Sie Nachschub?

Meist über Sammler, aber ich gehe auch häufig in alte Läden und frage: Was haben Sie in den letzten 30 Jahren nicht verkauft? Die Besitzer ziehen dann immer ihre magische Schublade auf, zeigen mir alte Radierer und anderes. Aber verkaufen wollen sie selten, sie hängen selbst dran. Viele meiner alten deutschen Bleistifte habe ich übrigens aus Mexiko. Dort ist es noch viel normaler, solche Schreibwaren zu benutzen, man findet sie daher leichter. Man könnte sagen, ich habe deutsche Bleistifte gerettet.

Gerade waren Sie in Iran. Was haben Sie von dort mitgebracht?

Ein paar Hefte für Kalligrafieübungen, aber vor allem Kalligrafiewerkzeuge aus einer Art Bambus, wie man sie hier nirgends finden kann. Diese Schreibkunst ist dort noch sehr stark im Alltag verankert, bei uns wird Kalligrafieren gerade wiederentdeckt. Ich war auf der Suche nach Material – es ist Thema des nächsten Buchs.

Stimmt, Instagram ist voll mit dieser Schriftkunst, viele neue Logos zitieren diesen Look. Woran liegt das?

Es ist eine Reaktion auf die Dematerialisierung unserer Welt. Der Computer kann uns fast alle Büroarbeit abnehmen. Aber es ist auf Dauer frustrierend, ein Icon zu benutzen, das einen Stift zeigt - ohne tatsächlich zu zeichnen. Oder ein Cutter-Messer, das ja nichts real schneidet, nur Pixel. In Kunst und Design entdeckt man derzeit alte Techniken wieder, sei es Siebdruck oder analoge Fotoabzüge. Viele wollen in ihrem Alltag wieder Dinge benutzen, mit denen alles langsamer geht.

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Also ein Design-Protest?

Einen Bleistift zu benutzen ist keine Revolution. Menschen wollen über Gesten mit der realen Welt verbunden sein. Aber bei Computern oder Smartphones passiert das alles im Digitalen. Klar kann man damit auch zeichnen – aber Papier muss man auch anfassen.

Es ist doch praktisch, dass nicht mehr so viel auf dem Schreibtisch rumliegt. Smartphone reicht.

Ich habe nicht mal eines. Ein Stift kann keinen leeren Akku haben. Das ist doch viel besser. Es ist toll zu wissen, dass die Evolution des Stifts beeinflusste, wie wir schreiben, nein: schrieben. Heute tippen wir ja fast nur noch. In einem Objekt stecken Design-, Wirtschafts-, Patent- und Unternehmensgeschichte. Ich habe etwa mein Leben lang Bleistifte benutzt, ohne über die Herstellung nachzudenken. Allein das Holz, der Grafit stammen aus verschiedenen Erdteilen, ganz zu schweigen vom Entstehungsmythos: Castell und Staedtler haben sich schon immer darüber gestritten, wer den Bleistift denn nun erfunden hat.

Sie sind Italiener, leben in Deutschland und recherchierten in der ganzen Welt. Wie unterscheiden sich all die Schreibwarenkulturen?

Heute ist das meiste Büromaterial made in China, aber es gibt historische Spezialisierungen. England etwa spielte für die Entwicklung von Metallfedern eine große Rolle. Aber Deutschland war als Produzent von Büroutensilien immer an der Spitze.

Woran liegt das?

Es gehört zur deutschen Kultur, dass man einen gewissen Ordnungssinn immer zu schätzen wusste. Die Deutschen finden es super, für jeden Zweck ein ganz spezifisches Werkzeug zu haben. Teilweise wusste ich selbst nicht, wozu manche Gegenstände ausgetüftelt wurden. Da habe ich viel von meinen älteren Kunden gelernt, Sie wissen noch, was man wie benutzt.

Zum Beispiel?

Etwa, wofür diese kleine Platte bei Tackern vorne ist. Je nachdem, wie man sie dreht, tackert man locker oder fest. So ließen sich im Büro Seiten leicht auseinandernehmen – ohne Klammerentferner. Außerdem weiß ich jetzt, wie man richtig spitzt. Ich passe nun immer den Winkel der Klinge an, je nachdem, wofür ich den Stift brauche. Es ist wirklich absurd zu denken, all das seien Dinge von gestern.

Schreibwaren: Die Rückkehr von Stift und Papier hat 208 Seiten und ist im Prestel-Verlag erschienen. (Wenn du über den Link bestellst, kriegen wir eine kleine Provision.)

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