Bild: Barbara; Montage: bento

Facebook und Instagram haben kurzzeitig mehrere Bilder von Barbara gelöscht, Deutschlands bekanntester Streetart-Künstlerin. Begründung: Die Bilder würden gegen die Gemeinschaftsstandards der sozialen Netzwerke verstoßen. Für denn Fall, dass Barbara weitere solche Bilder posten würde, habe Facebook gedroht, ihr Profil zu löschen.

Barbara wittert Zensur – und beklagt sich in einem Facebook-Post über den Eingriff in ihre künstlerische Freiheit. Inzwischen hat Facebook sich bei der Künstlerin entschuldigt und die Bilder wieder online gestellt.

Wer ist Barbara?

Barbara folgen auf Facebook und Instagram Hunderttausende Menschen. Mit ihren ironischen Zetteln kontert sie oft rechte Botschaften, ihr Motto: 

Hass ist krass. Liebe ist krasser.

Eine Kostprobe:

Wer hinter dem Künsternamen steckt, ist nicht bekannt, Barbara will anonym bleiben.

Um welche Bilder geht es?

Barbara hat SPIEGEL ONLINE einige der Bilder geschickt, die Facebook gelöscht hat. Sie sind harmlos:

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  • Barbara lädt zu Hitlers Geburtstag ein und unterschreibt den Brief mit "Bernd H." – man könnte dabei an Björn Höcke denken, den rechtsradikalen Thüringer Landesvorsitzenden der AfD. Insbesondere, weil im Bild ein AfD-Kugelschreiber zu sehen ist.
  • Außerdem hat Barbara ein Verkehrsschild mit einem Bikini verziert. Hügel, die vor unebener Fahrbahn warnen sollen, sehen nun aus wie Brüste. Das Bild von diesem Kunstwerk wurde laut FAZ gelöscht, bevor das umstrittene Netzwerkdurchsetzungsgeesetz in Kraft getreten ist.

Wie reagiert Barbara?

  • SPIEGEL ONLINE sagte Barbara, die Bilder seien harmlos, und würden sich zum Teil gegen rechtsradikale Schmierereien und diskriminierende Schilderbotschaften richten.
  • Sie empfindet die Löschung der Bilder als Zensur, die "Freiheit im Internet" werde "ruiniert", schreibt sie auf Facebook.
  • Es gebe keinen Grund, die Bilder zu löschen, sie würden gegen kein Gesetz der Welt verstoßen.
"Willkürliche Zensur meiner Arbeit durch Privatfirmen, die offensichtlich nicht die geringste Ahnung von Satire haben, empfinde ich als unwürdig und es erstickt meinen Schaffenswillen im Hinblick auf die sozialen Netzwerke."

Wegen der gelöschten Bilder überlegt sich Barbara nun, welche Bilder sie künftig noch auf Facebook und Instagram veröffentlichen möchte.

"Beuge ich mich der Zensur und poste nur noch völlig unverfängliche Love-Messages, die keinen möglicherweise verfänglichen Interpretationsspielraum offen lassen und sende damit ein verfälschtes Gesamtbild meiner Arbeit in die Welt, oder lasse ich es ganz und konzentriere mich auf die Straße, wo ich wirklich frei bin?"

Was sagt Facebook?

Eine Sprecherin sagte zu SPIEGEL ONLINE, die Bilder seien versehentlich gelöscht worden. Inzwischen seien sie wieder online. "Wir stehen mit Barbara in Kontakt und haben uns persönlich für den Fehler entschuldigt."

Warum ist das wichtig?

Derzeit wird über ein Gesetz diskutiert, mit dem seit Anfang Januar vor allem soziale Medien wie Facebook, Instagram und Twitter dazu angehalten werden sollen, strafbare Inhalte zu löschen. Durch das Netzwerkdurchsetzungsgesetz sind große Online-Netzwerke nun verpflichtet, Postings mit "offensichtlich rechtswidrigen Inhalten" binnen 24 Stunden zu löschen. Versagen die Unternehmen dabei "systematisch", drohen hohe Geldstrafen von bis zu 50 Millionen Euro.

Die Folgen sind kaum zu übersehen. Facebook und Twitter sind offensichtlich überfordert, löschen auch satirische Posts und solche, bei denen nicht völlig klar ist, ob sie einen strafbaren Inhalt haben. So wurden beispielsweise ein Tweet der AfD-Politikerin Beatrix von Storch gelöscht. Sie stilisierte sich anschließend zum Zensuropfer.

Gleichzeitig haben Trolle das Instrument entdeckt, um ihre Opfer zu ärgern. Sie können nun Posts massenhaft melden und zumindest bisher auf die Überforderung von Facebook und Twitter setzen.

Die Unternehmen selbst könnten sogar ein gewisses Interesse daran haben, überfordert zu wirken: Um die vielen gemeldeten Posts zu überprüfen, brauchen sie viele Mitarbeiter. Die verdienen Geld. Das Gesetz schmälert also ihren Gewinn. Weltweit sollen bald 7500 Mitarbeiter daran arbeiten, Facebook-Posts zu löschen, allein 1200 sollen in Deutschland arbeiten. Facebook hatte als Reaktion auf das neue Gesetz ein zweites Löschzentrum in Deutschland eröffnet (NZZ).

Erklärt: Wird in Deutschland zensiert?

Wie geht es jetzt weiter?

Ob Facebook die Bilder bei Barbara wegen des neuen Gesetzes gelöscht hat, ist unklar. Facebook hat schon immer Bilder gelöscht, die (vermeintlich) gegen die Gemeinschaftsstandards verstoßen haben. Auch in der Vergangenheit sind dabei Fehler passiert.

Barbara wolle nun mit Facebook Kontakt aufnehmen, und "versuchen, meine Ansichten zu dem Thema deutlich zu machen", sagte sie SPIEGEL ONLINE. "In der Hoffnung, dass etwas Konstruktives dabei heraus kommt."


Fühlen

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