Bild: Anshuman Ghosh
Die Instagram-Bilder von Anshuman Ghosh sprengen die Grenzen seines Smartphone-Displays.

Anshuman Ghoshs Bilder auf Instagram sind immer gleich aufgebaut: Sie zeigen meistens seine Hand und ein iPhone 5s vor verschiedenen einfarbigen Hintergründen. Langweilig sind die Posts von Ghosh, der unter dem Namen "moography" auf Instagram unterwegs ist, aber nie.

Das Smartphone wird zur Eismaschine

Denn Ghosh denkt sich alle möglichen Fantasie-Applikationen für sein Telefon aus und zeichnet sie mit ins Bild - als Erweiterung seines Displays sozusagen. Die Kanten des Geräts sind in vielen Posts nicht das Ende seiner Bilder. Ghosh verwandelt sein Smartphone durch genau platzierte Zeichnungen vielmehr mal in eine Eismaschine, mal in ein Whiskeyglas.

Auch ein Toaster oder ein Kühlschrank können aus einem iPhone entstehen, zeigt Ghosh. Manche Bilder sind auch etwas abstrakter. In einem Post zum Beispiel fallen die bunten Steine eines Zauberwürfels wie bei einem Tetris-Spiel von oben ins Handydisplay.

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In der Kindheit war Ghosh begeisterter Zeichner. Dann wurden andere Dinge wichtiger. "Unter dem Druck des Erwachsenwerdens und der beruflichen Karriere hörte ich auf zu zeichnen", sagt Ghosh. Mittlerweile ist er 29, von Indien nach Johannesburg in Südafrika gezogen und hat vor Kurzem seine Liebe zum Zeichnen wiederentdeckt.

Er ist eigentlich Manager, aber auch Instagrammer mit fast 35.000 Abonnenten. Im Internet wird aus dem kühlen Analytiker ein Künstler. Für seine Werke hat Ghosh sich eine Technik überlegt, die er "Phone Framing" nennt: Das Bild auf dem Handy entsteht zuerst. Meistens bastelt Ghosh ein Motiv aus buntem Papier. Er fotografiert es mit dem Handy oder legt das Papier auf das Display, damit es wie ein Foto aussieht

Mein Ziel ist es, dass jeder, der meine Bilder sieht, ein Lächeln im Gesicht trägt.
Anshuman Ghosh

Anschließend baut er dann um das Smartphone das zweite, äußere Bild. Diese Bild-im-Bild-Technik wirkt besonders plastisch, wenn er einzelne Motive über den Rahmen des Handy hinaus laufen lässt. Dann scheint es, als sei das Display durchlässig.

"Mein Ziel ist es", sagt er, "dass jeder, der meine Bilder sieht, ein Lächeln im Gesicht trägt." Es gebe einfach zu viel Negativität. Mit so viel Aufmerksamkeit hatte der Künstler nicht gerechnet, aber an seiner Arbeitsweise hat das nichts geändert, sagt Ghosh.

"Meine Bilder drehen sich meistens um Familie, Essen, Musik, Filme und Reisen." Das seien die fünf wichtigsten Dinge in seinem Leben. Die Ideen werden ihm so schnell nicht ausgehen, ist er sich sicher.

Dieser Text ist zuerst auf Spiegel Online erschienen.

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