Bild: Danny Quirk
Und zwar noch viel mehr als nur Anatomie

Es begann, weil Danny Quirks Ex-Freundin an ihrem Medizinstudium verzweifelte. Zu kompliziert schienen die vielen Muskeln und Sehnen, die Knochen, die Knorpel, alles, was sie lernen musste über die Anatomie des menschlichen Körpers.

Danny, 29 und Illustrator aus Portland (USA), konnte kaum mitansehen, wie die Frau mit dem Lernstoff nicht zurechtkam. Spaßeshalber zeichnete er mit Stiften oder Wasserfarbe auf die Haut ihrer Gliedmaßen, was sich darunter befindet. "Einfach gekritzelt", sagt Danny. "Um ihr zu helfen."

Das ist fünf Jahre her. Danny ist heute nicht mehr mit der Frau zusammen – dafür ist er Spezialist für anatomische Zeichnungen geworden. Aus den Kritzeleien wurden scharf umrandete Abbildungen von menschlichen Innereien, auf Haut und auf Papier. Manche der Zeichnungen könnten einem Anatomie-Atlas entstammen.

So sehen sie aus – zum Klicken:
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Viele sind originalgetreu, sagt Danny, so gut es geht. "Es gibt immer noch zu viele Menschen, die ihren Körper und den Gedanken an ihre Organe irgendwie ekelig finden. Dabei ist doch wunderschön, was in uns ist."

Zu oft gehe es ums Äußere. Wie wir gekleidet sind, wie groß unsere Brüste sind, wie die Frisur sitzt. Dabei vergessen wir, dass das, was uns am leben hält, viel tiefer sitzt, sagt Danny.

Wenn Danny malt.(Bild: Danny Quirk)

Wer den aufregendsten Kleidungsstil habe, darüber bestünde ständig Uneinigkeit. Ein Herz aber, eine Leber, eine Lunge – das haben wir gemein, sagt Danny.

Bei all den Streitereien um Schönheit, Geschmack und Lifestyle sollten wir uns öfter an eins erinnern: "Dass wir alle gleich entstanden sind."


Fühlen

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