75 nationale und internationale Galerien stellen dieses Wochenende bei der Affordable Art Fair in Hamburg aus. Mit dabei auch junge Künstler. Wir haben mit ihnen gesprochen.

Kann Kunst erschwinglich sein, oder handelt es sich beim Kauf lediglich um eine weitere prestigeträchtige Form der Selbstdarstellung? Schon beim Blick auf die Ticketpreise ist nicht klar ersichtlich, ob das Erlebnis auf der Hamburger Art Fair sonderlich „affordable“ wird. Zwischen 12 und 20 Euro zahlt der kunstinteressierte Mensch, um sich anschließend nicht entscheiden zu können: Fotografie oder doch lieber Mix auf Holz?

Kunstkauf beziehungsweise Kunsthandel sind Gebiete, in die man sich als junger Mensch selten vorwagt. Das wundert kaum, ist man doch gerade in diesem Lebensabschnitt finanziell meist alles andere als gut aufgestellt und hat auch privat Wichtigeres zu tun, als sich mit Acryl auf Leinwänden auseinanderzusetzen. Die Vorstellung eines brotlosen Künstler-Daseins schreckt nicht nur die Verwandtschaft ab. l’art pour l’art ist sicher nicht für jederman.
(Bild: Affenfaust Galerie / Bianca Xenia Mayer)

Auf der Affordable Art Fair hat man gutgemeinte Maßnahmen ergriffen, um Kunst jüngeren Menschen zugänglich zu machen, die nicht wie Lena Dunham das Privileg genossen haben, bereits mit fünf Jahren in den erkorenen Kreis der trendaffinen Bohème aufgenommen zu werden. „Wir haben ein Preislimit von 7.500 Euro, was dabei hilft, Barrieren und Hürden abzubauen“, erklärt Messedirektor Oliver Lähndorf. „Es sind sehr viele junge Galerien vertreten. Wir haben sowohl eine Hamburg als auch Emerging Artists Sektion, wo wir mit Künstlern von der Hochschule für Bildende Künste kooperieren.“ Siebdruck-Taschen gibt es für knapp 10 Euro, Fotodrucke unter 100 Euro. Schön sind sie, sehr schön.

Und doch fehlt vor allem eines: Junge Künstlerinnen und Künstler, die ihre Werke ausstellen und erklären. Fragt man nach geeigneten Interviewpartnerinnen und Interviewpartnern, werden hauptsächlich jene genannt, die vor 1970 geboren wurden. Renommiert sei man schließlich meist erst ab einer gewissen Zeit des künstlerischen Schaffens, klärt uns eine Galeristin auf, die selbst keine aufstrebenden Maler betreut. Wirklich kaufen tun hier die wenigsten. Und wenn doch, dann eher jene der Generation 50+.

(Bild: Bianca Xenia Mayer)

Sucht man nach Anfang bis Mitte Zwanzigjährigen, arbeiten diese am Empfang, als Assistenz oder an der Garderobe. Auch das gehört zum Art-Business dazu: Der Einstieg ist hart, mit Überstunden verbunden und meist schlecht bis gar nicht bezahlt. Dafür kommt man in den Genuss von schneeweißen Wänden in sterilen Räumen.

Wir haben mit sieben Menschen aus Malerei, Kuration, Kunstversicherung und Assistenz gesprochen und sie gefragt, was sie so fasziniert, am Art-Business.

Zsanett Papp, 33, Galeristin bei Polychrome Art
(Bild: Bianca Xenia Mayer)

Wie bist zu dazu gekommen, Galeristin zu werden?

Ich habe direkt nach dem Abschluss des Studiums 2014 meinen Sohn bekommen und dann die Galerie eröffnet. Galeristin zu sein war schon immer mein Traum, ich habe Kunstgeschichte studiert. Meine Galerie ist noch ganz neu, ich habe sie am 1. Mai eröffnet. Ich vertrete ungarische Künstler, da ich selbst Ungarin bin und freue mich, die Kunst aus meiner Heimat der Welt präsentieren zu können.

Sind deine Galerieräume dann auch in Ungarn?

Nein, ich habe keine Ausstellungsräume. Wir führen ein neues Modell einer Galerie: Kein fester Ort, die Bilder wandern von Ausstellung zu Ausstellung. Das muss natürlich gut organisiert sein. Die Werke sind immer unterwegs, kommen so viel herum und werden von vielen unterschiedlichen Menschen gesehen. Das ist großartig.

Karoline Stumpe, 28, Artima (Kunstversicherung)
(Bild: Bianca Xenia Mayer)

Hallo Karoline, warum bist du hier?

Ich komme von der Artima Kunstversicherung. Wir wollen Galeristen, Aussteller, Künstler, und Sammler darauf aufmerksam machen, dass man Kunst auch versichern kann.

Hier gibt es ja nur erschwingliche Kunst. Würdest du die auch versichern?

Nein. Die teuersten Werke hier kosten 7.500 Euro. Für uns lohnt sich eine Versicherung erst ab einem Wert von etwa 50.000 Euro. Wir versichern auch meist ganze Sammlungen und nicht nur einzelne Werke.

Das ist für junge Leute dann weniger interessant, oder?

Naja, bei jungen Menschen gibt es ja das Potential, dass das erste Bild, was sie hier kaufen, einmal zu einer großen Sammlung wird. Wenn jemand seine Werke bei uns versichern möchte, machen wir einen Termin aus. Ich komme dann zu ihm nach Hause und wir legen die Versicherungssumme fest. Diese kann sich vom Kaufpreis unterscheiden. Denn der Marktwert eines Künstlers verändert sich ja ständig.

Marc Einsiedel, 32, Künstler bei WeAreVisual
(Bild: Bianca Xenia Mayer)

Was macht ihr hier?

Zum einen haben wir unseren eigenen Siebdruck-Stand auf der Affordable Art Fair, wo wir Workshops anbieten. Ansonsten drucken wir aber auch den ganzen Tag, wenn zum Beispiel jemand kommt und etwas bedruckt haben möchte. Entweder man bringt sein eigenes Textil mit oder wir stellen Papier oder Beutel.

Wenn du nicht gerade auf der Affordable Art Fair arbeitest, was machst du dann?

Wir sind ja keine Galerie, wir sind ein Kollektiv, Felix Jung und Marc Einsiedler, das heißt We Are Visual. Wir sind Künstler, die im öffentlichen Raum arbeiten. Wir sind jedes Jahr hier eingeladen, um diesen Workshop zu machen. Zusätzlich zu dem Workshop haben wir noch eine Ausstellungsfläche, wo wir Kunst aus unserer vergangenen Ausstellung zeigen.

Sensor Sztuki, Olga Filanowska, 28, Galeristen bei Sensor Gallery
(Bild: Bianca Xenia Mayer)

Olga, wolltest du schon immer Galeristin zu werden?

Ja. Auf der einen Seite war es ein Traum von mir, auf der anderen Seite haben wir festgestellt, dass es diese Form der Kooperation zwischen Künstlern und professionellen Galerien in unserer Heimatstadt Lodz nicht gibt. Der Kunstmarkt in Lodz ist nicht besonders stark und bietet wenige Möglichkeiten, Künstler außerhalb Polens zu promoten. Viele unserer Künstler sind lokal sehr bekannt, benötigen aber Präsenz in anderen, größeren Städten Europas.

Was ist das Besondere an eurer Galerie?

Unsere Künstler sind interdisziplinär aufgestellt. Wir vertreten Maler, Fotografen, Performance-Künstler, Filmemacher. Sie alle haben eine starke Sensibilität gegenüber der Welt, in der sie leben. Diese Wahrnehmung wirkt sich natürlich auch auf ihre Arbeit aus, die teils kritisch, teils lustig ausfällt.

Könnt ihr von eurer Kunst leben?

Die Galerie ist ein Vollzeitjob, ja, aber alleine davon leben können wir derzeit noch nicht.

Olga mit einem Objekt von Dominika Sadowska (1977). Ihre Kunst ist geprägt von Minimalismus und höchster technischer Qualität.

(Bild: Bianca Xenia Mayer)
Elfi Carle, 23, Messeassistenz Affordable Art Fair
(Bild: Bianca Xenia Mayer)

Wie bist du zur Kunst gekommen?

Ich studiere aktuell Kunstgeschichte. Im nächsten Semester schreibe ich meine Bachelorarbeit.

Welche Aufgaben hast du hier?

Ich bin hier am Infopult. Mit meinen Kollegen erledige ich die Kunstkäufe. Beim Aufbau der Messe habe ich mich um die Kommunikation mit Galerien und Technik gekümmert, damit beim Aufbau alles glatt läuft. Während der Messe bin ich für die vielen Fragen der Besucher zuständig.

Rasmus Hirthe, 44, Maler
(Bild: Bianca Xenia Mayer)

Rasmus, kannst du uns etwas über dich erzählen?

Ich heiße ja Rasmus Hirthe. Rasmus, das ist der Gott der Segler. Ich bin der älteste Sohn aus einer Seglerfamilie, wir sind immer viel gesegelt, auf dem Meer. Bei meinen Bildern geht es natürlich viel um das Meer. Es geht um Fernweh, um Melancholie. Also in einem sehr positivem Sinne.

Was inspiriert dich?

Wenn man im Watt steht, fühlt man sich klein wie eine Ameise. Das Wattenmeer ist nicht Land und nicht Wasser, das ist ein spannender Bereich. Wenn ich im Wattenmeer stehe, dann geht mir das Herz auf. Dann sehe ich die Spiegelung, sehe die Weite. Das Wasser läuft ab, Leute spiegeln sich, alle Elemente scheinen vereint. Alles stimmt am Meer. Das versuche ich in meinen Bildern zu malen.

Kannst du von der Kunst leben?

Das muss ich Gott sei Dank nicht, ich bin auch Spezialeffekt-Künstler. Da darf ich Autos in die Luft sprengen, das macht Spaß.