31.05.2018, 06:30 · Aktualisiert: 30.05.2018, 17:46

15 alte Begriffe, die wir viel selten benutzen.

Obacht: Sprache verändert sich. Mit jeder neuen Generation entwickeln sich neue Wörter. Die finden dann ihren Weg in Kunst und Geschichte, werden eine Weile benutzt – und kommen irgendwann aus der Mode.

Stolpert man dann heute über "Hallodri", "Schuft" oder "groovy", fühlen die Begriffe sich irgendwie aus der Zeit gefallen und ungewöhnlich an. Aber gerade, weil sie so obskur klingen, kann man nicht leugnen: Ein bisschen funky, das sind sie ja schon.

Wir haben deshalb schnurstracks in den Almanach gelugt und mal ein paar Retro-Begriffe gesammelt. Und geklärt: Wo kommen sie eigentlich her? Und was haben sie ursprünglich mal bedeutet?

  • Töricht: Stammt vom "toren" Menschen ab, einem altdeutschen Wort für jemanden, der unklug handelt. Ein Beispiel: "Wenn du in acht Stunden arbeiten musst, wäre eine neue Serie anzufangen jetzt ziemlich töricht"
  • Fracksausen haben: Ein entfernter Verwandter des "Muffensausens", bedeutet so viel wie "Angst" oder "Bange". Bezieht sich auf das Gefühl von Anspannung in den eigenen Klamotten. Nur leider dominieren Fracks die Alltagskleidung nicht mehr besonders.
  • Hornochse: Tiernamen als Beleidigungen sind generell aus der Mode gefallen, genau wie "du Esel", "du Kamel" oder "du Rhinozeros". "Du Hornochse" ist aber selbst unter diesen ein besonders markanter Fluch. Als Schimpfwort wurde es benutzt, weil das Nutztier als besonders grobschlächtig und unsensibel gilt.
  • Verplappern: Etwas Vertrauliches erzählen. Der Begriff ist nah am Wort "ausplaudern", klingt aber durch das wundervoll poetische "plappern" noch einmal extra-frisch. Das ist übrigens ein Wort, das sich lautmalerisch von "Blabla" ableitet.
  • Verhohnepiepeln: Jemanden veralbern. Dieser Begriff hat eine seltsame Herkunft: Er stammt von niedersächsischen Waffelverkäufern – den sogenannten "holen Hippen" aus dem 16. Jahrhundert ab, denen nachgesagt wurde, während des Verkaufs von Haus zu Haus über ihre Kunden zu lästern.
  • Knilch: Eine abfällige Bezeichnung für einen unangenehmen Mann. Das Wort leitet sich vom ähnlich fantastischen Adjektiv "knollig" ab, das im 19. Jahrhundert benutzt wurde, um "bäuerlich" zu umschreiben.
  • Scharwenzeln: Ein altertümliches Wort dafür, sich einzuschmeicheln. Wer im Büro also immer etwas zu freundlich mit dem Chef redet, dem könnte man das Scharwenzeln vorwerfen. Das Wort leitet sich vom "schwänzeln" ab - und bedeutet in etwa, den Hintern zu heben - ein bisschen wie eine Ente.
  • Bumsen:
  • Mumpitz: Ist inzwischen einfach ein Synonym für "Blödsinn". Ursprünglich eine Fusion aus "Vermummen" und "Butzemann" diente der Mumpitz, auch als "Mummelputz" oder "Mombotz" bekannt, im 17. Jahrhundert als Vogelscheuche. In den Vierziger- und Fünfzigerjahren griffen Börsianer dann auf das Wort zurück, um es für unglaubwürdige Gerüchte zu verwenden.
  • Lulatsch: Ein großer Mann mit schlechter Körperhaltung. Eigentlich zuerst auf das Schlurfen bezogen, ist bis heute nicht ganz geklärt, woher das "Lu" kommt. Denn dass "Latsch" von "latschen" und damit vom Gehen stammt, kann man sich ja denken.
  • Luftikus: Im 19. Jahrhundert muss Latein für die Studentensprache das gewesen sein, was die Anglizismen heute sind: "Luftikus" ist – genau wie es klingt – ein ganz einfacher Latinizismus des Wortes "luftig". Ein Luftikus ist ein besonders sorgloser und leichtsinniger Zeitgenosse.
  • Vermaledeit: Dieses recht bekannte Wort für "verflucht" oder "verdammt" hat einen langen Weg hinter sich: Als althochdeutsches Lehnwort stammt es vom Verb "maledeien" ab, das sich aus den lateinischen Bestandteilen "malus" (=schlecht) und "dicere" (=sprechen) zusammensetzt. Es bedeutet also wortwörtlich so etwas wie "übele Nachrede", hat sich aber zum Fluchen verselbstständigt.
  • Naseweis: Das Wort für besserwisserisch und spitzfindig klingt im ersten Moment so, als würde es jemandem eine weiße Nase unterstellen. Tatsächlich entstand der Begriff, der heute ironisch verwendet wird, bei der Jagd: Dort wurde Hunden im Mittelalter nämlich öfters eine "weise Nase" unterstellt - also Scharfsinn.
  • Hallodri: In Süddeutschland und Österreich bezeichnet man unbeständige, leichtfertige Menschen als "Hallodris". So bayuvarisch der Begriff auch klingen mag – er wurde im 17. Jahrhundert von Gelehrten aus dem Griechischen übernommen: "Allotria" ist dort nämlich ein Wort für Spaß und Unfug.
  • Papperlapapp: Dieses Wort hat keine Erklärung, kein Kontext und keine Herkunft. Aber es klingt wundervoll.

Wer also das nächste Mal in der Spelunke ein besonders feistes Wort zücken will, kann sich sicher sein: In Facebook-Gruppen und auf Websites wie kunst-worte.de sammeln Sprach-Enthusiasten noch viel mehr solcher Begriffe und Redewendungen.

Warum genau Begriffe aus der Zeit fallen, lässt sich leider gar nicht so leicht beantworten. Der Sprachwissenschaftler Ekkehard König nennt zwei Gründe: Zum einen seien manche Begriffe einfach vorbelastet, erinnern zum Beispiel an die Nazizeit ("völkisch", "entartet") oder klingen rassistisch oder sexistisch. "Die werden dann absolut zurecht vergessen", sagt er.

Zum anderen sei Mode auch in der Sprache einfach schwer zu durchschauen. Es entstünden ständig neue Schöpfungen. Worte entlehnten sich aus anderen Sprachen und mit größerem Angebot würden manche Wörter seltener.

Wenn Begriffe nicht mehr so häufig benutzt werden, wirken sie immer obskurer – und werden eher mit vergangenen Zeiten assoziiert.


Fühlen

Ob Stefanie Giesinger magersüchtig ist oder nicht, hat uns nicht zu interessieren!

30.05.2018, 21:41 · Aktualisiert: 30.05.2018, 21:56

Wir müssen reden. Über Bodyshaming bei dünnen Menschen.

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Das Model geht offen damit um, dass sie das Kartagener-Syndrom hat. Das bedeutet: Die inneren Organe liegen seitenverkehrt im Körper, das kann zeitweise zu Bauchschmerzen und Übelkeit führen. Wie es ihr mit ihrer Krankheit geht, teilt sie regelmäßig mit ihren Followern – und jetzt zeigte sie eben ihre Narbe am Bauch.