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Diese TKKG-Folgen zeigen, dass die vier ziemlich rechts waren

30.01.2017, 15:22 · Aktualisiert: 31.01.2017, 09:10

Tim, Karl, Klößchen und Gaby hätten vermutlich AfD gewählt

"TKKG, die Profis in spe": Es gibt kaum ein deutsches Kinderzimmer, in dem Tim, Karl, Klößchen und Gaby nicht ermittelten. Seit 1979 lösen die vier Freunde als TKKG Kriminalfälle. Mit Millionen verkauften Büchern und Hörspielen zählt das Detektiv-Quartett zu den einflussreichsten Jugendreihen Deutschlands. Der 2007 verstorbene TKKG-Erfinder Rolf Kalmuczak, der unter dem Pseudonym Stefan Wolf veröffentlichte, erfand rund 30 Jahre lang immer neue Abenteuer für die vier.

Wer sich an die Hobby-Polizisten nostalgisch-gut erinnert, der sollte in die alten Folgen allerdings noch einmal reinhören. Denn was uns als Kind früher nicht auffiel:

Das Weltbild, das die vier Freunde und ihre Umwelt vermitteln, ist erzkonservativ bis rechts.

Frauenhass, Fremdenfeindlichkeit und Mobbing stehen bei TKKG auf der Tagesordnung. Sieben Beispiele:

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1. Frauen müssen gehorchen – sonst werden sie bestraft.

Gaby ist hübsch, tierlieb, immer hilfsbereit und geht brav nach Hause, wenn Anführer Tim sagt, dass es für Mädchen jetzt zu gefährlich wird. Die volle Ladung weiblicher Klischees also. Angesprochen auf diese stereotype Zeichnung sagte TKKG-Autor Kalmuczak im Jahr 2005 im Interview: "Wie viele Möglichkeiten hat man denn, ein Mädchen zu schildern?" (Planet Interview)

Es gäbe ungefähr 3000 Alternativen, aber geschenkt – schließlich werden auch Tim, Klößchen und Karl als tougher Sportler, behäbiges Pummelchen und blasser Nerd ins Klischee-Korsett gezwängt.

Noch problematischer ist: Sobald Frauen sich nicht konform zu dem Rollenbild aus dem 18. Jahrhundert verhalten, sobald sie nur einmal ihren Willen gegen den des Vaters oder des Freundes durchsetzen, drohen ihnen in der TKKG-Welt drakonische Strafen. Dann werden sie in den Kriminal-Fällen umgehend zu Opfern. Selbstverschuldet, versteht sich.

Ein paar Beispiele:

(Bild: Europa)

  • Katja, die entgegen des Wunsches ihres Vaters einen Tätowierer heiratet, verbrennt kurz darauf fast bei einem Autounfall. Der Vater befindet an ihrem Krankenbett: "Das hast du nun davon." ("Mit heißer Nadel Jagd auf Kids“)
  • Und als die kleine Nina in der Folge "Mädchenraub im Ferienhaus" entführt wird, diskutieren die Eltern als Erstes über ihre Kleidung. "Sie hatte das T-Shirt an, das du nicht leiden kannst, das mit der Eistüte drauf, darunter steht 'Leck mich'“, sagt die Mutter. Obwohl die Entführer gar keine sexuellen Motive verfolgen, betreiben ausgerechnet Mama und Papa Victim Shaming.

(Bild: Europa)

So sehen die Synchronsprecher aus, die hinter den Hörspielen unserer Kindheit stehen:

dpa/Marc Hohner
dpa/Ursula Düren
Imago/Lindenthaler
Imago/Future Image
dpa/Ingo Wagner
dpa/Marcus Brandt
dpa/Marcus Brandt
Helen Krüger/Wikimedia
dpa/Nestor Bachmann
YouTube stimmenjaeger
Imago/Andre Poling
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2. Es war immer der Ausländer.

Die erfolgreichste "Ermittlungsmethode" der Bande ist Racial Profiling: Wo immer ein Ausländer in der Nähe ist, verdächtigen sie ihn ohne Indizien sofort als Täter – und liegen mit ihren rassistischen Vorurteilen fatalerweise fast immer richtig. Auch Antisemitismus und Ressentiments sind häufige Motive. Juden sind gerissene Juweliere, Zigeuner dreckige Diebe, Russen brutale Entführer, Italiener Mafiosi und Araber öläugige Betrüger. Punkt.

"Das haut den stärksten Neger aus der Weltraumkapsel!" – auch wenn aus Tims Mund mal eben das N-Wort eingestreut wird (in "Wer raubte das Millionenpferd?"), ist das für die anderen nichts weiter als ein flapsiger Spruch.

Rassistische Sprüche und fremdenfeindliche Witze blubbern in allzu vielen Folgen ganz beiläufig aus den Mündern der vier Schüler und wir als alltäglich betrachtet.

TKKG-Erfinder Rolf Kalmuczak alias Stefan Wolf

TKKG-Erfinder Rolf Kalmuczak alias Stefan Wolf (Bild: dpa/Peter Kneffel)

3. Die Polizei, dein einfältiger Freund und Helfer.

TKKG arbeiten eng mit der Polizei zusammen. Die Jugendlichen erhalten Informationen und oft sogar einen direkten Auftrag von Kommissar Glockner, Gabys Vater. Die Polizisten sind immer dankbar für die Unterstützung der Jugendlichen – und für ihre rassistisch motivierten Vermutungen. Interessiert lauscht Glockner in der Folge "Der blinde Hellseher" zum Beispiel Tims Spekulationen darüber, dass ein italienischer Restaurantbesitzer (Mafia!) hinter einer Kindesentführung steckt und lobt die haltlosen Unterstellungen als äußerst hilfreich.

"Das Strafbedürfnis bei TKKG ist eklatant und anti-aufklärerisch. In anderen Hörspielen und Büchern gibt es so was wie Aufdeckung, bei TKKG wird der Missetäter gleich zu Beginn per Stereotyp identifiziert", erklärte der Journalist und Kulturwissenschaftler Jean-Philipp Baeck (taz, 2008).

4. Verachtung gegenüber Obdachlosen.

Soziale Verantwortung? Mitgefühl mit Schwächeren? Das ist definitiv nicht der Auftrag von TKKG. Obdachlose werden verächtlich nur "Penner" oder "Hänger" genannt, die sich freiwillig "erniedrigen" und die man wie Zootiere begaffen darf ("Sieh mal, da liegt ja einer!").

"Hier gilt das Gesetz des Stärkeren", sagt Tim, als er und Klößchen in "Sklaven für Wutawia" für einen Tag als Obdachlose leben sollen. Als sie auf der Suche nach einem Schlafplatz wirklichen Obdachlosen in die Quere kommen, ist die Lösung deswegen klar: Karate-Meister Tim prügelt sie einfach mit blanker Gewalt aus der Waldhütte.

5. Gewalt schafft Gerechtigkeit.

Wirkliche Detektivarbeit ist bei TKKG nicht nötig, der Täter ist ja durch seine Herkunft, sozialen Stand oder sein zwielichtiges Äußeres von Anfang an entlarvt. Wie ein Mini-Swat-Team muss die Jugendbande ihn deswegen nur noch beobachten, auf frischer Tat erwischen und ihn ausschalten, bis die Polizei da ist.

Für den praktischen Teil der Selbstjustiz ist Tim zuständig, der sich über jede Prügelei freut. Erst droht er gebrochene Knochen und ausgeschlagene Zähne an, dann schreitet er so rabiat zur Tat, dass Gaby nur bewundern kann: "Die sind bestimmt ein paar Stunden bewusstlos." So lösen die vier Probleme.

6. Punks und Kiffer sind kriminelles Gesocks.

Wer ihrem konservativen Konformismus widerspricht, den verurteilt die Bande umgehend als asozial. Das können Punks und Kiffer sein, aber schon Tätowierungen, Piercings oder bunt gefärbte Haare genügen zur Verurteilung. Die harmlosen Cannabis-Konsumenten an ihrer Schule sind in den Augen von TKKG "dumm", "bescheuert", "Saukerle" und werden mit deftigen Moralpredigten bekehrt ("Rauschgift-Razzia im Internat").

Punks sind ein beliebtes linkes Feindbild der Bande. In der Folge "Im Wettbüro des Teufels" verübt eine Gruppe namens "Halbis" Sprengstoff-Anschläge auf Briefkästen, Telefonzellen und Spielplätze. Nebenbei verdienen sie in der Todes-Kampfsportarena eines diabolischen Wettmagnaten Geld. "Halbis" steht dabei für "halbgeschorene Dumpfbacken", wie Kommissar Glockner erklärt. Ihr Motiv? "Lust an Gewalt und Spaß an Zerstörung."

(Bild: Europa)

7. Wer anders ist, gehört gemobbt.

Klößchens Übergewicht ist der zentrale Running Gag in den TKKG-Folgen, auf den absurd viel Zeit verwendet wird. Klößchen hat immer Hunger, kann immer essen und bestellt immer drei Stück Kuchen auf einmal. Beim Fahrradfahren hält er deswegen nicht mit, schon beim Waten durch Schnee fängt er an zu keuchen. Von den anderen Bandenmitgliedern erntet er für seine schwache Kondition bloß genervtes Stöhnen und bissige Kommentare.

Vor allem der sportliche Tim ist im Bodyshaming unerbittlich. Er krittelt ständig an Klößchen herum und reißt verletzende Witze auf seine Kosten. Auffällig oft bleibt Klößchen darauf stumm und hilflos. Er wehrt sich nicht gegen den bewunderten Anführer, sondern steckt wortlos eine Beleidigung nach der anderen ein.

Das Mobbing-Opfer erhält in seiner Not kein Gesicht, es wird seiner Stimme beraubt. Es kann so weder Empathie beim Hörer wecken, noch zeigt es Betroffenen Alternativen zur eigenen Hilflosigkeit in ähnlichen Situationen. Tims Verhalten bleibt die einzige Identifikationsmöglichkeit: verurteilend und emotional grausam.

Und jetzt du: Was hältst du von TKKG?


Gerechtigkeit

Die Hotelkette von Trump muss nun dessen "Muslim Ban" ausbaden

30.01.2017, 14:21

Auf Twitter berichten Menschen von ihren "schönsten" Reiseerlebnissen.

Was war Ihr schönstes Ferienerlebnis? Schon 2011 stellte die Werbeabteilung der Hotelkette "Trump Hotels" die Frage bei Twitter – wohl in der Hoffnung, im Internet ein bisschen Aufmerksamkeit zu erlangen.

Nach dem Einreisebann gegen Flüchtlinge und Bürger aus sieben mehrheitlich muslimischen Länder (bento) durch den neuen US-Präsidenten Donald Trump sind die Reaktionen zahlreich und voll von Spott und Ironie gegen die Hotelkette – und gegen den Präsidenten.