Bild: dpa/ Axel Heimken

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Liebe Cornelia Funke, wie verwirkliche ich meine Träume?

21.09.2016, 15:31 · Aktualisiert: 21.09.2016, 17:10

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Cornelia Funke, 57, wartet in der Bibliothek eines Fünf-Sterne Hotels in Hamburg. Sie sitzt in einem Ledersessel, hinter ihr die vollen Bücherregale – standesgemäß für die Frau, die unser aller Kindheit mit Pathos erfüllt hat. Mit Geschichten, die wir ein Leben lang nicht vergessen.

"Herr der Diebe", "Tintenherz", "Die wilden Hühner" – jede Nacht haben wir darin gelesen. Eigentlich sollte das Licht längst aus sein. Schlafenszeit. Doch wir konnten die Seiten, die mit Phantasiewelten gefüllt waren, nicht zuklappen. Sie haben uns geprägt – und unsere Träume.

Wir haben Cornelia Funke gefragt: Wie verwirklicht man seine Träume?

1. Die Angst besiegen!

"Uns fehlt häufig der Mut, unsere Träume zu verwirklichen. Aber wir müssen unsere Angst vorm Scheitern besiegen, sie ignorieren. Das ist der Preis, den man bezahlen muss, wenn sich Träume erfüllen sollen.

Die größte Gefahr sind Bequemlichkeit, Gemütlichkeit und Sicherheit. Weil all diese Dinge uns ein scheinbares Gefühl geben, behütet zu sein. Wir merken gar nicht, wie es unser Leben lähmt."

2. Keine Zeit verschwenden!

"Ich hatte immer den Traum, in einem anderen Land zu leben. Es hat Jahre gedauert, bis ich diesen Schritt gewagt habe. Jetzt wohne ich schon seit mehr als zehn Jahren in Los Angeles.

Es dauert, bis wir auf unsere innere Stimme hören. Sie ist in uns allen und wispert uns zu, was wir eigentlich tun sollten. Es ist gefährlich, nicht drauf zu hören."

(Bild: dpa/ Angelika Warmuth)

"Mein jetziger Traum: eine Pilotenlizenz. Ein Freund hat mich schon mal fliegen lassen, eine halbe Stunde lang. Es ist eine tolle Mischung aus vollkommener Nervosität und Begeisterung. Nur um diesen Traum zu verwirklichen, brauche ich Zeit. Die habe ich gerade nicht, aber ich muss sie mir bald dringend nehmen."

3. Frei sein!

"Ich will nicht wieder Kind sein. Damit mir dann wieder jemand sagt, wann ich schlafen gehen muss? Die Eltern schicken einen zur Schule, sie sagen, ob man einen Hund haben darf oder nicht, wo man leben muss – man ist so abhängig und hilflos.

Ich wollte schon immer erwachsen sein, frei sein. Ich habe heute das Gefühl, dass ich jede Minute meines Tages genau das mache, was ich will. Das kann man eben als Kind nicht von sich sagen.

Ich bin privilegiert, das weiß ich. Denn mein Job gibt mir nicht vor, was ich zu tun habe. Ich bin als selbstständige Autorin sehr viel freier als als Angestellte, meine Träume zu leben. Auch wenn man ein größeres Risiko hat, mehr arbeiten muss als Andere, kein Wochenende hat – aus meiner Sicht ist es das wert."

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4. Talente nähren!

"Träume haben viel mit Talent zu tun. Talent erkennt man an der eigenen Lust und an der Geduld: Man macht etwas wieder und wieder, ist bereit, sich zu verbessern.

Ich glaube, wir alle werden mit mehreren Talenten geboren. Aber das reicht nicht: Man muss sich für welche entscheiden und sie nähren – mit Disziplin und Arbeit."

5. In der Natur sein!

"Um glücklich und kreativ zu sein, Träume zu verwirklichen, brauche ich Natur um mich. Sie inspiriert mich oft mehr als die Menschen. Die natürliche Welt gibt uns Kraft.

In meinem zweiten Teil von "Drachenreiter" geht es um das Verschwinden der Natur. Ich möchte Kindern damit sagen, dass sie alle etwas ändern und beschützen können. Beschützen ist besser als Plündern."

6. Scheitern als Chance verstehen!

"Wenn ein Traum nicht in Erfüllung geht, etwas nicht klappt, dann steckt darin schon die Saat für etwas Neues. Ich versuche solche Situationen zu nutzen, sie in etwas Positives zu verwandeln.

Mir hat jemand kürzlich von einem Film in Internet erzählt. Ich glaube, er ging so: Ein Vater, dessen Tochter über die Härten des Lebens klagt, stellt wortlos drei Töpfe mit kochendem Wasser hin. In den Ersten wirft er ein Ei, in den zweiten eine Kartoffel und in den dritten Kaffee.

Dann sagt er: 'Das Leben ist hart, das wird sich auch nicht ändern. Du entscheidest, ob es dich hart macht wie das Ei, weich wie die Kartoffel, oder sehr würzig wie den Kaffee. Aber in den Topf müssen wir alle.'"

(Bild: dpa/ Handout Dressler Verlag)

Funke veröffentlicht nach 19 Jahren die Fortsetzung von "Drachenreiter". Der Roman erscheint am 23. September.

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Gerechtigkeit

Wieder erschießen Polizisten in den USA einen Schwarzen – jetzt kommt es zu Ausschreitungen

21.09.2016, 15:17 · Aktualisiert: 21.09.2016, 17:57

Die Stimmung kippt in Charlotte, North Carolina. Wieder protestieren Hunderte gegen Polizeiwillkür – wieder geht den Demonstrationen die Tötung eines Schwarzen durch die Polizei voraus.

Beamte hatten am Dienstagabend den 43-jährigen Keith Lamont Scott erschossen. Bei den darauffolgenden Protesten war es zu schweren Ausschreitungen zwischen Polizei und Bevölkerung gekommen (Reuters). Augenzeugen berichten, die Polizei hätte Tränengas eingesetzt. Die Polizei meldete zwölf verletzte Beamte: