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Drei Erwachsene erzählen, warum sie noch immer Kinderhörspiele hören

10.10.2017, 10:03 · Aktualisiert: 10.10.2017, 17:27

Du entspannst in der Badewanne zu Bibi Blocksberg? Lässt dich liebend gern von Benjamin Blümchen in den Schlaf tröten? Willkommen im Club! Ewige Kinder, die Hörspiele lieben, gibt es mehr, als man vielleicht annehmen würde. Denn die vertrauten Stimmen unserer Kindheitshelden rufen auch mit Mitte 20 noch Gefühle hevor – und sind im Zeitalter von Streamingdiensten auch überall verfügbar.

Fragt man im Freundeskreis herum, bekennen sich erstaunlich viele, wenn auch leicht verschämt, zu Benjamin & Co. Nur: Reden möchte darüber fast keiner, aus Angst, als albern zu gelten.

Zu Unrecht, wie wir finden. Denn die Gründe zum Hören sind fast so vielfältig wie die Geschichten selbst. Wir haben drei Menschen nach ihren gefragt.

Sarah, 29, Sozialpädagogin

Als ich klein war, liebten meine Freunde Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg – ich fand die eher doof. Stattdessen hörte ich Astrid Lindgren, "Die unendliche Geschichte" und DDR-Hörspiele, zum Beispiel "Traumzauberbaum". Letzteres habe ich vor ein paar Jahren wiederentdeckt, als der Vater einer Freundin alte Kassetten digitalisierte.

Manche Kinderhörspiele habe ich erst als Erwachsene lieben gelernt, es gibt ja alles online und man kann sich einfach mal durchhören. Häufig höre ich "TKKG" oder "Die Drei ???".

Irgendwie schäme ich mich für diese Angewohnheit
Sarah

Das bringt mich runter und entspannt mich bei Dingen, die ich hasse, zum Beispiel beim Putzen. Vor allem aber brauche ich Kinderhörspiele zum Einschlafen. Zuhause ist es Routine, und wenn möglich, höre ich auch unterwegs: Neulich konnte ich dank WiFi und Kopfhörern im Schlafsaal eines Hostels zu "TKKG" einschlummern.

Irgendwie schäme ich mich aber ein bisschen für diese Angewohnheit und mache es nur, wenn es keiner mitbekommt. Meinem früheren langjährigen Freund habe ich davon erzählt, begeistert war er nicht.

Wenn ich jemanden date, wäre es mir unangenehm, damit anzukommen. Tatsächlich fehlen mir die Hörspiele aber auch nicht, wenn ich mit anderen Leuten zusammen schlafe. Perfekt ist natürlich, wenn sich jemand selbst als Kinderhörspiel-Fan outet. Das ist mir einmal passiert, als ich mit 22 bei einer alten Schulfreundin übernachtete.

Beim Gute-Nacht-Sagen fragte sie plötzlich verschämt: “Wäre es okay für dich, wenn ich Bibi und Tina anmache?” Und obwohl ich mit Pferdekram nichts anfangen kann, wurde es total schön. Wir kuschelten uns unter die Decke und fühlten uns wieder wie Kinder.

Wer bin ich, wer will ich sein? Unsere besten Texte über Identität:

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Kay, 24, Mathematik-Student

In der Schule haftete mir manchmal der Ruf eines Strebers an. Kein Wunder also, dass ich mich mit Justus Jonas von den "Drei ???" identifizieren konnte. Als derjenige mit den schlechten Sport- und den guten Restnoten, der noch dazu eher introvertiert ist, war Justus als Mastermind ohne körperliche Fitness für mich natürlich eine naheliegende Wahl.

Heute bin ich da flexibler: Ich konzentriere mich mehr auf das Zusammenspiel der Figuren, schließlich harmonieren die Protagonisten hervorragend miteinander. Doch egal, aus welchem Blickwinkel: Meine Vorliebe zu den "Drei ???" ist immer konstant geblieben. Peinlich war sie mir nie, auch nicht in der Pubertät. Ich hatte kein Bedürfnis, zum Kreis der Coolen zu gehören, abgesehen davon hat es ja auch keiner mitbekommen.

Peinlich war mir meine Vorliebe nie, auch nicht in der Pubertät
Kay

Die Wurzeln meiner Hörspielvorliebe sind ganz klassisch: Bei langen Autofahrten und zuhause beim Spielen hörten mein jüngerer Bruder und ich als kleine Kinder alle möglichen Kassetten, darunter Benjamin, Bibi und "Fünf Freunde", nur "TKKG" war noch nie mein Fall.

"Die Drei ???" haben sich vom damaligen Favoriten zum einzigen Hörspiel, das ich heute noch höre, durchgesetzt. Und das zwar nicht täglich, aber in diversen Alltagssituationen, beim Putzen, beim Bügeln - oder bewusst zum Genuss. Vor allem gefällt mir die unglaubliche Bandbreite an Storys und Settings.

Ich rede eigentlich nicht darüber, es gibt niemanden, mit dem ich die Episoden mal durchdiskutieren oder Lieblingsfolgen besprechen kann. Mein ehemaliger Mitbewohner war ebenfalls "???"-Fan, zu einer gemeinsamen Hörveranstaltung kam es aber nicht. Wir genießen "Die Drei ???" wohl lieber jeder für sich.

Nina, 28, Lehrerin

Benjamin Blümchen, Weihnachten und Geschwister – das gehört für mich untrennbar zusammen. Als Kind habe ich mir mit meinem zwei Jahre jüngeren Bruder ein Zimmer geteilt und Kassetten rauf und runter gehört: Benjamin Blümchen, Bibi Blocksberg, Pumuckl und diverse Märchenhörspiele.

Als ich zwölf war, gab es einen tragischen Schnitt in unserem Familienleben, unsere Mutter starb. Danach rückten wir Geschwister besonders eng zusammen, auch mit meiner acht Jahre jüngeren Schwester, mit der es vorher etwas turbulent gewesen war.

Die Kassetten waren und sind für uns etwas Verbindendes
Nina

Die Kassetten waren und sind für uns etwas Verbindendes. Als Teenies waren mein Bruder und ich zwar zeitweise nicht scharf darauf, aber in Vergessenheit gerieten sie nie, denn da war unsere kleine Schwester voll in der Hörspielphase.

Inzwischen sind wir erwachsen, wohnen in verschiedenen Städten und sehen uns nur noch alle ein bis zwei Monate. Gemeinsame Momente sind uns deshalb kostbar. Besonders in der Weihnachtszeit haben wir feste Traditionen.

Wir treffen uns jedes Jahr zum Plätzchenbacken und holen dann alte Kassetten hervor. Unser Favorit: “Pumuckl und der erste Schnee”. Benjamin Blümchen hingegen heben wir uns bis Heiligabend auf: Während wir gemeinsam das Essen herrichten, hören wir das Benjamin-Weihnachtsspezial. Auch unser Papa ist dann oft dabei.

Ich finde es einfach schön, sich durch die Kassetten an Kindheitsmomente zu erinnern und gleichzeitig eine neue Erinnerung zu schaffen. Außerdem bringen uns die Hörspiele immer zum Lachen: Wenn Pumuckl oder Karla Kolumna in Gelächter ausbricht, kann man schließlich nicht ernst bleiben.


Haha

Neuseeländisches Insekt heißt jetzt wie Harry Potter-Figur

10.10.2017, 08:20

Lusius malfoyi

Die Magie der Harry Potter-Welt lässt Fans nie los – egal, wie erwachsen sie sind. 

Tom Saunders, ein neuseeländischer Insektenforscher, hat jetzt sogar ein Insekt nach einer Harry Potter-Figur benannt.