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Wie ein Deutscher das Internet in China begeistert

26.05.2016, 09:18 · Aktualisiert: 26.05.2016, 09:18

"Magst du den dicklichen, süßen Deutschen Thomas?"

Er muss sich erst noch daran gewöhnen, dass sich Menschen auf der Straße nach ihm umdrehen. Sonst wirkt Thomas Derksen aber ziemlich entspannt. Dafür, dass er in den vergangenen Wochen zu einem chinesischen Internetstar geworden ist.

Der 27-Jährige aus Marienheide lebt seit knapp einem halben Jahr in Shanghai und mit seinen Videos über sein Leben in der chinesischen Großstadt hat er auf Plattformen wie Weibo und Meipai mittlerweile Hunderttausende Follower. Sein erfolgreichstes Video ist bisher bereits mehr als zehn Millionen Mal gesehen worden.

Derksens Erfolgsrezept: Er ist einfach er selbst. Und seine Fans lieben das. Ein wenig überdreht ist das natürlich schon, wenn er sich mit einer pinken Schleife im Haar über chinesischer Frauen lustig macht, die ihr Handtäschchen nicht tragen wollen. Und mit der gespielt niedlichen Hilfslosigkeit ihre Freunde in den Wahnsinn treiben. Oder Mütter, die ständig versuchen, ihre Töchter zu verheiraten.

In der Fotostrecke: So präsentiert sich Thomas Derksen in den Videos

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Das chinesische Internet feiert ihn aber für diese Parodien. "Wir haben den Menschen am Anfang einfach eine Weile genau zugehört", sagt Derksen. Seine Videos funktionieren aber auch so gut, weil er nicht nur über andere lacht, sondern auch gerne Scherze über sich selbst macht. So steht zum Beispiel unter einem Video: Magst du den dicklichen, süßen Deutschen Thomas? Dann klicke hier für mehr.

Die Chinesen lieben diese lockere ehrliche Art des Rheinländers. Afu Thomas, wie ihn seine Fans nennen, was so viel wie Glück oder Vermögen bedeutet, bekommt digitale Fanpost aus China, den USA und Singapur.

"Sie ist die Texterin, Regisseurin und Kamerafrau."
Thomas Derksen über seine Frau

Dass er auch kritische Kommentare im Netz kassiert, klar. Immerhin macht er sich als Ausländer über chinesische Stereotypen lustig. Die kämen aber vor allem von Nicht-Chinesen, sagt Derksen. Sie beschweren sich, dass er doch nicht so verallgemeinern solle. Aber Himmel, findet Derksen. "Man muss das Leben viel häufiger mit Humor nehmen."

Thomas Derksen im Video:

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Wer Derksen in Shanghai treffen will, muss erst ein wenig suchen. Zwischen einem ausländischen Sportgeschäft und einer großen Bank hindurch, ein kleines Gässchen entlang, durch Hinterhöfe und an Männern vorbei, die auf dem Fußboden hocken, spucken und rauchen. Dort sitzt Derksen mit seiner Frau Zhu Liping in einem Café. Derksen gefällt der Ort mitten in Shanghai. Es ist das alte China, das sich hier hinter den modernen Hochhäusern versteckt. Seine Frau stammt aus Shanghai und ist "absolut der Kopf hinter der ganzen Sache" gibt Derksen ohne Zögern zu. "Sie ist die Texterin, Regisseurin und Kamerafrau." Und: "Die Lustige von uns beiden."

Während der Schulzeit war Derksen das erste Mal mit einer Arbeitsgemeinschaft seines Gymnasiums in China. Nach dem Abi machte er wie seine zwei Geschwister erst eine Banklehre, das wurde ihm nach drei Jahren aber zu langweilig. Derksen ging an die Uni und studierte Wirtschaft und Politik Ostasiens. Bei einem Sprachkurs in Shanghai lernte er 2012 seine Frau kennen. "Dann bin ich noch einmal für ein Jahr zum Studium zurückgekommen."

Ganz so wie in seinen Videos ist es bei ihm dann nicht gewesen: Im Gegensatz zu vielen chinesischen Männern musste er weder Auto, Geld noch Wohnung in die Ehe mitbringen. "Hätte ich auch nicht gehabt als armer Student", sagt Derksen und lacht. Anders als in den meisten Familien, wo das Vermögen des zukünftigen Ehemanns noch entscheidend für die Heiratserlaubnis der Eltern ist, hatte er Glück mit seinem Schwiegervater: "Er sagte nur: Hauptsache, dass ihr euch mögt."

Danach wusste ich, dass ich nie wieder für jemand anderen arbeiten will
Thomas Derksen

In dieser Zeit hat er auch Chinesisch gelernt. Verdammt gutes Chinesisch. Selbst wenn er nur einen Saft bestellt, blicken viele Chinesen verblüfft in seine Richtung. Mit seinen dunkelblonden Haaren und großen blauen Augen sieht er nun wirklich nicht chinesisch aus. Aber wenn er spricht, klingt er wie ein Nudelverkäufer draußen auf der Straße. Er gibt sich zwar bescheiden. "Ich habe am Anfang auch viel gelernt", sagt er.

Aber im Prinzip ist das auch ein Grund für den Erfolg seiner Videos. Die dreht er ausschließlich auf Chinesisch und teilweise sogar im typischen Dialekt der Stadt. "Besser als mein Shanghainesisch", schreibt eine Chinesin unter einem Video.

Nach dem Studium lebte er mit seiner Frau in Deutschland, wo er bei einem kleinen Mittelständler in seiner Heimat arbeitete. "Danach wusste ich, dass ich nie wieder für jemand anderen arbeiten will", sagt er. "Wir wollten nach China zurück." Dort entstand dann die Idee für die Videos.

(Bild: Thomas Derksen)

Derksen ist während seiner Studienzeit häufiger in chinesischen Talkshows aufgetreten, wo er beispielsweise über das Leben als Ausländer in China erzählte. Durch sein gutes Chinesisch war er ein gern gesehener Gast. Gleichzeitig fühlt er sich aber auch wohl vor der Kamera und die Chance, mit seinen Videos so viele Menschen über die sozialen Netzwerke zu erreichen: Dieser Gedanke gefällt ihm.

Inzwischen verdient er mit seinen Videos, der dazugehören Werbung, den Kooperationen und Fernsehauftritten so viel Geld, dass er und seine Frau davon leben können. Mittlerweile produziert er mit besserer Kamera und festem Plan mindestens ein Video pro Woche. Dazu kommen immer mehr Fernsehauftritte. Jeder will den deutschen Schwiegersohn für sich. Deshalb denkt er nun auch schon weiter. Versucht sich an Sprachlernvideos und Kochclips mit Rezepten aus der deutschen Küche.

Seine Mutter in Marienheide verstehe zwar nicht genau, was er da eigentlich mache: also als Internetstar in China. Aber solange es ihn glücklich macht, ist sie es auch.


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