Bild: dpa / Sony Pictures

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Muss man sich bei "The Walk" wirklich übergeben? Und wenn ja, warum?!

22.10.2015, 12:59 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:21

Am 22. Oktober startet der Film "The Walk" im Kino. Glaubt man der New York Post und einigen Kommentaren bei Twitter, ist der 3D-Effekt in diesem Film so krass, dass man sich davon übergeben muss. Können 3D-Filme wirklich so realistisch wirken, dass Menschen davon übel wird?

Worum geht es in "The Walk"?

Der französische Artist Philippe Petit (Joseph Gordon-Levitt) liest während der späten 60er Jahre vom Bau des World Trade Centers. Als Akrobat fühlt er sich von den Türmen herausgefordert und beschließt, ein Drahtseil zwischen den Twin Towers zu spannen und darauf zu balancieren. Sechs Jahre lang trainiert er dafür, bis er am 07. August 1974 tatsächlich 45 Minuten (!) lang zwischen den Türmen hin und her balanciert.

(Bild: dpa/New York Film Festival)

Warum ist der Film so krass?

Während der Zuschauer in "Gravity" durch den 3D-Effekt die Schwerelosigkeit erleben konnte, spielt "The Walk" mit der blanken Angst abstürzen zu können - aus über 400 Metern Höhe. 

Wie funktioniert 3D-Kino?

Wir sehen den ganzen Tag dreidimensional, weil unsere Augen zwei verschiedene Bilder wahrnehmen - ein bisschen von links und ein bisschen von rechts. Dazwischen liegt ein Abstand. Das Gehirn fügt beide Bilder zusammen und lässt uns räumliche Tiefe erkennen. Wenn man sich einen 3D-Film ohne spezielle Brille ansieht, wirkt das Bild unscharf oder doppelt. Das liegt daran, dass ein 3D-Film mit zwei unterschiedlichen Kameraobjektiven aufgenommen wird. Diese Perspektiven werden übereinander gelegt, aber der Zuschauer kann die unterschiedlichen Perspektiven mit dem normalen Blick nicht auseinander halten. Eine 3D-Brille (die es mit verschiedenen Filterungsverfahren gibt) sorgt dafür, dass jedes Auge nur ein Bild sieht. Das Gehirn fügt die beiden Bilder zusammen - und der Film wirkt dreidimensional.

(Bild: dpa/Sony Pictures)

Kann einem von 3D-Filmen wie "The Walk" wirklich schlecht werden? So schlecht, dass man sich übergeben muss?

"Es kann zur sogenannten 'simulator sickness' kommen, wenn sich im Filmbild an der Leinwand die filmische Welt - oder die Kamera - bewegt, man selbst sich aber nicht, da man fest im Kinosessel sitzt", sagt Patrick Rupert-Kruse, Professor und Leiter des Instituts für immersive Medien an der FH Kiel. "Das ungewohnte Sehen kann ein weiterer Grund sein, da der Besucher bei 3D-Filmen Tiefe auf einer planen Oberfläche, also der Kinoleinwand, sieht." In “The Walk” kommt nun noch hinzu, dass sich der Protagonist auf einem Seil über einem 400 Meter tiefen Abgrund bewegt: "Wenn an diese illusionäre Tiefe zusätzlich Bewegungen der Figur gekoppelt werden, kann es zu einem 'quasi-realistischen' Erleben von Höhe und Tiefe und einem Miterleben der Bewegungen des Seiltänzers kommen", fügt Rupert-Kruse hinzu. Keine guten Voraussetzungen also für Menschen mit Höhenangst und flauem Magen.

2013 wurde bereits eine Studie veröffentlicht, in der mehr als die Hälfte aller Befragten (497 Teilnehmer) angeben, dass sie nach dem Ansehen eines 3D-Films körperliche Beschwerden haben (Plos One). Das Ergebnis der Wissenschaftler: Übelkeit, Gleichgewichtsstörungen und Desorientierung seien möglich, das Ganze sei mit dem Besuch einer Achterbahn vergleichbar. 

Fazit

Es scheint also durchaus möglich zu sein, dass man sich durch einen 3D-Film körperlich unwohl fühlt, dass einem sogar schlecht wird. Ob das allerdings zwangsweise dazu führt, dass man sich im Kinosessel tatsächlich übergeben muss, ist wohl abhängig vom subjektiven Empfinden eines jeden einzelnen Besuchers. 

Soll ich mir den Film trotzdem angucken?

Regisseur Robert Zemeckis (Zurück in die Zukunft II, Polarexpress) ist nicht beeindruckt. Laut einem Interview mit DigitalSpy seien die Gerüchte "bullshit“ - außer natürlich man hätte zuviel getrunken. Sicher ist er sich trotzdem nicht. Wir empfehlen: Ausgiebig Abendbrot essen und den Film anschauen. Viel Spaß.