Bild: Paramount Pictures

13.01.2016, 14:17 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:25

In ihrem neuen Film "The Big Short" erklären uns Ryan Gosling, Christian Bale und Steve Carell die Finanzkrise und bringen Licht in die Abgründe der Wall Street.

Das machen sie richtig unterhaltsam – und vor allem: überzeugend. Das zeigte sich in dem Gespräch zum Film, das wir mit ihnen geführt haben.

Was genau ist 2008 passiert, als plötzlich die halbe Welt finanziell in der Klemme steckte?

Gosling: Oh Mann, ich lese doch nicht einmal den Wirtschaftsteil meiner Zeitung. Ganz ehrlich: Finanzen interessieren mich eigentlich nicht die Bohne. Deswegen fand ich es ja so spannend, "The Big Short" zu drehen. Der Kerl, den ich darin spiele, hat mir sehr dabei geholfen, dass ich diese ganze Terminologie drauf habe und mit all diesen Banker-Vokabeln um mich werfen kann. Und mit einem Mal fand ich all diese Zusammenhänge auch echt faszinierend. Aber ich kann nicht gerade behaupten, dass ich mittlerweile mehr über die Sache weiß, als das, was ich im Film sage.

Mit einem Mal fand ich all die Zusammenhänge echt faszinierend.
Ryan Gosling

Bale: Vielleicht fragt ihr besser meine Frau? Die hat Wirtschaft studiert und kümmert sich auch bei uns zu Hause um die Finanzen. Ich verstehe davon wirklich nichts. Was nicht heißt, dass ich mich nicht mit dem Thema beschäftige. Bevor damals die Krise losging, habe ich unglaublich viel darüber gelesen. Aber viel verstanden habe ich nicht. All diese Abkürzungen, die es im Bankwesen gibt: CDS hier, CDO da, synthetisch oder nicht synthetisch. Es ist völlig klar, dass man an der Wall Street keinen Wert darauf legt, dass wir Normalos verstehen, worum es konkret geht. Die Verwirrung ist Masche. Und auch ich habe irgendwann einfach aufgegeben.

Carell: War die Hauptursache für die Krise Fahrlässigkeit der Banker? Oder war es doch eher Betrug? Keine Ahnung. Als Schauspieler verstehe ich bis heute zu wenig von den Mechanismen dieser Welt. Aber ich weiß, dass es genau das ist, was die Banken wollen – dass wir verwirrt sind und uns dumm fühlen. Damals wie heute. Sie haben diese komplizierte Sprache für ihre Geschäfte erfunden, damit möglichst wenig Leute folgen können und niemand mal nachfragt.

Für mich jedenfalls war das damals eine Fremdsprache. Und irgendwie hat die Presse damals nicht wirklich geholfen. Es wurde zwar über die Krise berichtet. Aber echte Analysen und Diskussionen gab es viel zu wenig. Man wusste, was gerade passiert, allerdings hatte man keine Ahnung von den Ausmaßen und der Komplexität dieser betrügerischen Katastrophe.

(Bild: Paramount Pictures)

Hat euch die Krise damals irgendwie persönlich betroffen?

Gosling: Nicht persönlich, zum Glück. Doch natürlich war das ganze Land auf eine Art und Weise betroffen, die man spüren konnte. Und die Nachwirkungen sind ja bis heute nicht zu übersehen, also liegt das Thema immer noch in der Luft. Nirgends war das offensichtlicher als in Detroit, wo ich "Lost River" gedreht habe. Kaum ein Ort wurde ja so hart von der Krise getroffen wie diese Industriestadt.

Carell: Ich habe damals drei Kreuze gemacht, dass ich mein Haus nicht auf Pump gekauft hatte und deswegen nicht direkt betroffen war. Aber jeder kannte doch irgendwen, der die Auswirkungen der Krise am eigenen Leib zu spüren bekam, oder? Schließlich wurde die ganze Welt in Mitleidenschaft gezogen.

Seid ihr wütend über die Machenschaften der Banken?

Bale: Und wie ich! In den USA geben manche Banken College-Kids Kredite mit bis zu 29 Prozent Zinsen. Das ist doch kriminell. Oder besser: Das sollte kriminell und damit verboten sein. Aber wenn ich ehrlich bin, habe ich tatsächlich fast noch mehr Angst als Wut. Denn wenn ich etwas durch "The Big Short" und all meine Recherchen gelernt habe, dann, dass sich erschreckenderweise auch nach der Krise eigentlich gar nichts geändert hat. Vermutlich ist die Lage sogar noch gefährlicher geworden, weil die Banken jetzt noch mehr aufpassen, ihre Machenschaften zu kaschieren. Ich will den Teufel nicht an die Wand malen, aber wenn ich Mike Burry, den ich im Film spiele, richtig verstehe, dann kann sich der Crash von 2008 ohne Frage jederzeit wiederholen.

Der Crash von 2008 kann sich ohne Frage jederzeit wiederholen.
Christian Bale

Carell: Nichts hat sich verändert nach dieser riesigen Krise. Das ganze Verhalten dieser Investment-Banker, ihre gesamte Attitüde ist der Knackpunkt in dieser Angelegenheit. Und was ich so mitbekomme, ist diesbezüglich im Großen und Ganzen alles noch immer so wie vor zehn Jahren. Echte Veränderungen sind damit natürlich unmöglich. Kein Wunder also, dass Leute wie Michael Lewis, der das Buch "The Big Short" geschrieben hat, es für gut möglich halten, dass sich alles wiederholen wird.

(Bild: Paramount Pictures)

Gibt es wenigstens eine Erkenntnis, die ihr aus dem Film gewonnen habt?

Gosling: Auf jeden Fall ist mir durch "The Big Short" heute mehr denn je bewusst, dass der Weltfinanzmarkt ein rasender Schnellzug ist, in dem wir Nicht-Banker nur Passagiere sind. Und dass diejenigen, die diesen Zug lenken, auch nur Menschen und damit fehlbar sind. Wenn man sich das genau überlegt, ist das ziemlich erschreckend. Es ist also vielleicht doch besser, man ist möglichst informiert, dann weiß man vielleicht zumindest wo es hingeht. "The Big Short" ist dazu schon mal ein guter erster Schritt. Aber vielleicht gucke ich jetzt doch auch mal öfter in die Zeitung.

Nichts hat sich verändert nach dieser riesigen Krise.
Steve Carell

Bale: Ich beende das jetzt einfach mal mit einer positiven Sache, die ich durch "The Big Short" gelernt habe: Die Aussage, dass in dieser Wall Street-Welt jeder korrupt ist, ist einfach falsch. Viele dieser Typen sind wirklich verdammt inkompetent. Und ekelerregend gierig. Aber es gibt da auch etliche wirklich brillante, vertrauensvolle Menschen. Mike Burry ist dafür das beste Beispiel. Er – und wir – haben nur leider das Pech, dass er in einem verseuchten Umfeld tätig ist.

(Bild: Paramount Pictures)

Carell: Wenn sich schon die Bank-Typen nicht ändern, dann müssen wir unser Verhalten ändern. Wir als Wähler müssen zum Beispiel bei unseren Politikern auf der Matte stehen und Erklärungen dafür verlangen, warum sie eigentlich auch etwas bekommen von diesen horrenden Zinsen. Warum macht ihr Geschäfte mit diesen Banken, die ihr doch eigentlich kontrollieren sollt? Das ist doch ein Interessenskonflikt. Da müssen wir alle als Bürger und Konsumenten viel wachsamer werden.

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