Bild: HBO

23.12.2017, 14:23 · Aktualisiert: 23.12.2017, 16:33

Als "Sex and the City" vor fast 20 Jahren zum ersten Mal lief, schlug es weltweit ein: Die Serie zeigte vier starke, unabhängige und beruflich sehr erfolgreiche New Yorker Frauen. Carrie, Miranda, Charlotte und Samantha suchten sich die Männer und die Welt aus, wie sie ihnen gefielen.

Damals war "Sex and the City" DIE Frauenpower-Serie und galt als extrem fortschrittlich. Endlich waren Frauen die neuen Bachelors! Single zu sein in den Dreißigern war nicht mehr stigmatisiert-bemitleidenswert, sondern glitzernd, schick und hoffnungsvoll.

Ein Leben voller Abenteuer, Partys und rasend attraktiver Bradley Coopers wartete auf die Mittdreißiger, statt der zuvor in Filmen und Serien öfter portraitierten Abschiebung aufs Ehefrauen-Abstellgleis, von wo aus man nur zusehen darf, wie der Ehemann die 20-jährige Sekretärin vögelt.

Auch heute noch gilt die Serie als ein Meilenstein unserer Popkultur. Frauen bezeichnen ihre besten Freundinnen noch immer als “meine Miranda” und rezitieren Passagen auswendig.

Viele Probleme, wie zum Beispiel ob Freundschaft mit dem Ex möglich ist oder wie man der Freundin sagt, dass ihr Freund ihr nicht gut tut, sind bis heute aktuell.

Was allerdings überhaupt nicht mehr aktuell ist und nicht mehr in die Zeiten passt, sind rassistische, ignorante, homo- und transphobe Dialoge. Aus heutiger Sicht wirken die ziemlich dumm und rückständig.

Kostprobe gefällig?

  • Slutshaming: Charlotte fragt Samantha, ob ihre Vagina in allen New Yorker Reiseführern steht, als heißester Punkt der Stadt und immer offen.
  • Rassismus: Samantha datet einen schwarzen Mann und fetischisiert seinen “großen schwarzen Schwanz”. Oder Carries Freund Alexander Petrovsky, den die vier immer wieder als "den Russen" bezeichnen, was meiner russischen Mutter schon damals immer wieder sauer aufstieß.
  • Ignoranz: Carrie bezeichnet Busfahren als "sozialen Abstieg", ihren Schmuck als "Ghetto Gold", und findet nichts dabei, über 40.000 Dollar für Schuhe ausgegeben zu haben. Ist sie sich ihrer Privilegien überhaupt nicht bewusst?

Die Liste lässt sich fortführen. Etliche Dialoge sind despektierlich – und nicht so harmlos-witzig, wie es sich bei den berühmten Brunch-Sessions von Carrie und Freundinnen anhört. Natürlich kann eine Serie herrlich politisch unkorrekt sein. Schwierig wird es, wenn man so gar nicht erkennen kann, dass dies den Serienmachern überhaupt klar ist.

Genau das ist auch Chelsea Fairless und Lauren Garroni aufgefallen, den Macherinnen des Accounts "Every Outfit on Sex and the City". Also überlegten sie sich, Abhilfe zu schaffen und riefen den fiktiven Charakter "Woke Charlotte" ins Leben, die aufgeklärte Charlotte: Immer wenn Carrie, Miranda, Samantha oder andere Charaktere etwas Diskriminierendes sagen über Hautfarbe, sexuelle Orientierung, Herkunft oder Geschlecht, kommt #WokeCharlotte ins Spiel und gibt eine politisch korrekte Antwort:

#WokeCharlotte verbreitete sich innerhalb kürzester Zeit durch die sozialen Netze und löste hunderte Posts auf Twitter und Instagram aus. Schnell fingen andere Nutzer an, Vorschläge zu machen, was die aufgeklärte Charlotte kommentieren könnte:

Selbst die Charlotte-Darstellerin Kristin Davis meldete sich zu Wort und lobte die Idee mit “Ich liebe #WokeCharlotte mehr als das Leben selbst”:

Warum ausgerechnet die naive Figur der Charlotte York als Kämpferin und Kompass für politische Korrektheit ausgesucht wurde, kann man nur mutmaßen. Immerhin war sie in der Serie alles andere als fortschrittlich – ihr größter Lebenstraum war es, endlich einen Mann zu heiraten. Kaum hatte sie das getan (in ihrer ersten Ehe mit dem reichen Trey MacDougal), gab sie ihren Job in der Galerie auf, um von seinem Geld zu leben und Töpferkurse zu machen.

Vielleicht liegt es daran, dass der Charlotte-Charakter als der prüdeste der Serie etabliert wurde – Charlotte war oft schockiert über Samanthas offene Sex-Geständnisse (sie lief sogar ein Mal aus einem Café, als Samantha von einem Typen erzählte, den sie gerade datete und "dessen Saft widerlich schmeckt"). Und eben diese schockierten Gesichtsausdrücke von Charlotte sind die passende Reaktion auf die Aussagen, die nun kommentiert werden.

Auch einige Fans der Serie geben zu, dass #WokeCharlotte “Sex and the City” nachträglich in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt. Das Meme zeigt, dass viele gemeine Spitzen und Verurteilungen völlig selbstverständlich rausgekloppt wurden, als sei es das Normalste der Welt, Menschen für eine zweifelhafte Pointe zu beleidigen.

Was wir auch brauchen: #WokeKlößchen


Fühlen

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