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13.07.2018, 11:58

Die Geschichte in 3 Schritten

Der Komiker Sacha Baron Cohen hat eine neue Show – und stellt noch vor deren Veröffentlichung jede Menge US-Politiker bloß.

Cohen bewirbt seit einigen Tagen die Show "Who Is America?". Das Projekt wird eine sogenannte Mockumentary, eine fiktionale Dokumentation mit viel Humor. Ab Sonntag wird sie im US-Sender "Showtime" laufen. Bisher gab es null Werbung oder Vorankündigungen – nur zwei Tweets mit kurzen Videoschnipseln.

Cohen verkleidet sich gerne, um so näher an Interviewpartner ranzukommen. Als kasachischer Reporter "Borat" wurde er so berühmt. Unter anderem den ehemaligen US-Vizepräsident Dick Cheney hat Cohen nun für seine neue Show reingelegt.

Nun wird klar, dass Cohen auch die US-Politikerin Sarah Palin hinters Licht geführt hat – und seither tobt der Streit zwischen beiden.

Palin ist Republikanerin und war Gouverneurin von Alaska. 2008 ging sie an der Seite von John McCain als Vizepräsidentin in den US-Wahlkampf, sie ist als konservative Hardlinerin bekannt.

Die Geschichte mit Sacha Baron Cohen in 3 Eskalationsstufen:

1

Cohen trifft Palin für seine Show zum Interview

In der neuen Serie spielt er die Rolle von Billy Wayne Ruddick Jr., einem angeblichen US-Veteranen im Rollstuhl. Wie genau das Interview lief, ist noch nicht bekannt – das wird erst in der Show gezeigt. Aber Palin dürfte es nicht gefallen haben. Denn:

2

Palin nennt Cohen "böse, ausbeuterisch, krank"

Auf Facebook schrieb sie am Dienstag, sie habe in einem langen "Interview" mit dem verkleideten Cohen gesessen. Es sei respektlos und sarkastisch gewesen. Er solle ruhig so viele Politiker verspotten, wie er wolle, "aber wie können Sie es wagen, diejenigen zu verspotten, die für unser Land gekämpft haben". Das sei "wirklich krank".

Außerdem schreibt Palin:

Ich reihe mich ein in eine lange Liste amerikanischer Persönlichkeiten, die dem bösen, ausbeuterischen, kranken Humor des britischen Komikers Sacha Baron Cohen zum Opfer gefallen sind.
3

Cohen antwortet mit einem öffentlichen Brief – im Namen seines Charakters

Über den Account des angeblichen Ruddick Jr. schickt Cohen einen Tweet mit dem Brief an Palin. Dazu die Hashtags #MAGA für "Make America Great Again", #buildthewall und in Selbstironie #boycottsashacohen.

Im Brief tut er so, als sei er nie Veteran gewesen – zumindest keiner der US-Armee. Und dreht den Spieß dann um: Er verlangt von Palin eine Entschuldigung für ihre Äußerungen über ihn.

Das ist das sehr derbe Schreiben:

"Liebe Vize-Präsidentin Palin,

Ich bin Dr. Billy Wayne Ruddick Jr., Gründer/Vorsitzender/Buchhalter von truthbrary.org und ich war es, der Sie interviewt hat. Ich habe NIE gesagt, ich sei Kriegsveteran. Ich war im Dienst – nicht im militärischen, sondern bei der Post, und ich habe nur einmal für mein Land gekämpft – als ich einen Mexikaner erschossen habe, der auf mein Grundstück kam. (Zufällig, wie unser Großer Präsident, wurde ich leider davon abgehalten, in die Armee zu gehen, wegen einer Knochenwucherung in meinen Eiern.)

Ich habe Sie immer bewundert, weil Sie DIE WAHRHEIT SAGEN über Obamas Geburtsurkunde und die Lage Russlands. Aber Ma'am, ich glaube, sie wurden von einer Bullshit-Granate getroffen und bluten jetzt voller FAKE NEWS.

Sie haben einst Jagd auf die gefährlichsten Tiere in unserem Land gemacht, wie Wölfe oder Menschen, die von Sozialhilfe leben. Also warum nun einen feinen Bürgerjournalisten jagen wie mich?

ICH VERLANGE eine ENTSCHULDIGUNG."

Was meint Cohen damit?

Palin wurde immer wieder für ihre konservativen Ansichten kritisiert. Sie verbreitete erfundene Gerüchte über Obamas Herkunft und gilt als Unterstützerin Trumps.

Im US-Wahlkampf hatte sie unter anderem dessen Klimapolitik so verteidigt: "Gott hat Öl, Gas und Mineralien auf die Erde fallen lassen, damit die Menschheit es nutzen kann." In ihrem eigenen Wahlkampf hatte sie sich mit der geografischen Lage Russlands vertan und war dafür verspottet worden. Das greift Cohen nun mit auf.

Aber wenn Palin dem Satiriker nun Manipulation und "Fake News" vorwirft, gibt er das einfach zurück – in der gleichen Wortwahl, die sie verwendet.


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