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Bild: ProSieben

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Palina bei der Bundeswehr: Was junge Soldaten über die Sendung sagen

23.02.2016, 17:40 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:27

Anders als sonst üblich, gibt es für Palina Rojinski bei diesem Auftritt wenig zu lachen. Für die ProSieben-Sendung "Palina In The Box" verbrachte die Moderatorin zwei Tage bei der Bundeswehr in Hammelburg. Ihre bunte Jacke mit Fransen wird gegen die Uniform in Flecktarn eingetauscht, statt Mikro gibt's ne Knarre in die Hand und schon ist aus Palina "Jäger Rojinski" geworden.

Dann wird im Gleichschritt marschiert, mit einem G36 geschossen und ein Gefecht nachgespielt – Bundeswehr-Klischee pur. Wir haben bei jungen Soldaten von der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg nachgefragt und Palinas vernichtende Zitate über die Streitkräfte rausgesucht. Wie viel ist dran an ihren Erlebnissen?

So lief die Sendung ab:

Palina wird von Hauptmann Marcus Dähn, Kompaniechef im Offizieranwärterbataillon, empfangen:

"Wir werden dich psychisch und physisch darauf vorbereiten in Extremsituationen bestehen zu können. Wir werden versuchen, dich in dieser Zeit charakterlich zu prägen."

Wahre Vorfreude kommt bei Palina auf.

"Ich find Militär, außer in Filmen, jetzt nicht so cool."

Eine der ersten Übungen ist das Schießen. Die Kollegen bleiben relaxt, Palina eher weniger. Geübt wird ausgerechnet mit dem umstrittenen Sturmgewehr G36.

"Ich würde nie auf jemanden schießen."

Der Finger ist am Abzug. Dann der Schuss. Es knallt.

"Weeeeehhh – Schnappatmung"

Jetzt bekommt Palina ihre eigene Waffe.

"Oh Gott, dieses Todesinstrument... ich will das nicht anfassen."

Der nächste Tag beginnt mit einem Basis-Fitness-Test. Schon da machen Palinas Muckis schlapp. Dann geht es wieder raus in die Wildnis zum nächsten Marsch. Palina steht kurz vor dem körperlichen Zusammenbruch.

"Kopf aus, Beine an."

So versucht ein Soldat, Palina zu motivieren. Ihre Reaktion:

"Ich weiß gar nicht, was schlimmer ist: Marschieren oder Ballern."

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Dem körperlichen folgt der emotionale Zusammenbruch. Palina muss wieder ans Gewehr. Diese Kugeln können töten – darüber wird sie sich immer bewusster. Das große Finale: Bei der sogenannten "Gefechtslage" wird Krieg gespielt. Jemand wird verwundet.

"Ich brauche ein paar Tage, um das ganze zu verarbeiten."

"Was ich komisch finde: Befehle ausüben, das könnte ich nicht."

Mit dem militärischen Apparat könne sie einfach nichts anfangen:

"Deswegen muss die Bundeswehr jetzt ohne mich auskommen."

Das sagen echte Soldaten zur Sendung:

Julian, 24

"Man hat jetzt nicht alles von der Bundeswehr gesehen, Palina dramatisiert die Situationen, sonst würde das ja niemand gucken. Ein Kamerad, der dabei war, hat uns erzählt, dass die bei diesem Marsch zum Beispiel eine große Strecke mit dem Bus gefahren sind. Das war eine Zusammenstellung fürs Fernsehen, das gibt es nicht jeden Tag. Sie relativiert ihre eigenen Aussagen auch, sagt, sie könne keine Befehle ausführen, obwohl sie das in der Sendung die ganze Zeit tut.

Dieses 'Kopf aus, Beine an' haben wir in der WhatsApp-Gruppe gefeiert, das ist halt so'n typischer Motivationsspruch, das checkt sie natürlich nicht.

Man muss auch nicht die ganze Zeit ungefragt Befehle hinnehmen, dafür gibt es ja die Soldatengesetze. Es gibt viele, die einfach unreflektiert sagen: Krieg ist scheiße, Bundeswehr ist scheiße, ohne sich damit auseinandergesetzt zu haben. Jetzt ist es Palinas gutes Recht zu sagen, dass Bundeswehr nichts für sie ist. Gut, dass sie mitgemacht hat, vorher konnte sie's nicht beurteilen."

Charlotte, 21

"Wir saßen gestern zu sechst davor und haben gelacht. Generell hat die Sendung sehr viele Klischees bedient, man hat geschaut, welche Szenen sich gut zeigen lassen, irgendwelche furchtbaren Sachen wie Marschieren und Schießen. Das ist normalerweise nicht so, besonders nicht zwei Tage hintereinander.

Sie geht ja mit einer pazifistischen Einstellung da rein, will nicht schießen, und das ist auch in Ordnung für eine Zivilperson. Ihre Reaktion auf den Simulator war aber maßlos übertrieben, das ist nichts anderes als Videospielen.

Bei manchen Formulierungen ist mir echt der Kragen geplatzt, sie war ja im Offiziersbataillon, die haben alle Abitur gemacht und sind bestimmt nicht hirnlos. Außerdem müssen später im Einsatz Frauen und Männer dasselbe leisten. Palina hätte sich echt mehr Mühe geben können, die Anforderungen waren nicht so hoch."

Oberfähnrich Michel

"Positiv und realistisch fand ich den Dialog auf der Schießbahn, in dem der Hauptfeldwebel ihr bewusst machte, was es für ihn persönlich und für seine Angehörigen bedeutet, in den Einsatz zu gehen. Solche Gespräche mit Vorgesetzten finden statt, auch wenn das Thema in der Nachwuchsgewinnung bewusst gemieden wird. Allerdings habe ich eine solche Sentimentalität auf der Schießbahn noch nicht erlebt."

Sven, 23

"Ich fand das alles ein bisschen überzogen, ich zum Beispiel musste noch nie durch so einen Fluss schwimmen. Bei manchen Dingen denkst du dir als Soldat aber echt 'Ok, die Übung ist jetzt irgendwie unzweckmäßig?' Man hätte auch kein Sanitätsfahrzeug für die Strecke geholt, da hätte man die Person einen Kilometer getragen und dann gesagt 'Jetzt ist aber auch wieder ok.' Normalerweise wird man an die Sachen aber auch langsam herangeführt, schießen, schwere Dinge tragen.

Die Behauptung, dass Frauen sowas nicht könnten, ist albern. Sie war die einzige Frau, die da rumgemurkst hat. Wir waren mal bei der französischen Armee in der Fremdenlegion im Dschungel, da wurde von den Frauen dasselbe abverlangt und die haben's auch locker geschafft. Ich glaube, die Unterschiede werden kleiner, wenn man über seinen eigenen Schatten springen muss und nicht immer eine Sonderrolle zugeschrieben bekommt."

Anonym

"Die ganze Sendung wirkt gestellt und wie ein schlechter Werbefilm. Man könnte vermuten, dass einige Szenen mehrmals gedreht wurden oder durch Presseoffiziere beaufsichtigt oder zensiert wurden. Palina nahm den Soldatenberuf nicht ernst und hat ständig gelacht. Die Musikunterlegung passte ebenso wenig. Es ist auch unrealistisch, dass jemand, der keine Ahnung von Waffen und Schießen hat, das Ziel in der Mitte trifft. So entsteht der Eindruck, dass jeder Idiot das kann."

Oskar

"Ich schätze, dass dieses 'Experiment' Palinas Meinung über die Bundeswehr verbessert hat und dies hoffentlich auch dem Zuschauer so vermittelt werden konnte. Das schaffen die Öffentlich-Rechtlichen, von denen ich dies eigentlich eher erwarte, leider nur selten."

Anonym

"Ich denke, dass die Bundeswehr in dieser Sendung realitätsnah dargestellt wurde. Da Palina nur eine Woche dort war, ist es natürlich schade, dass die Trockenausbildungen nicht dargestellt werden konnten. Denn die Trockenausbildungen sind ein wesentlicher Bestandteil, um mit der Waffe ordentlich umgehen zu können. Palina hat sich manchmal, vielleicht gespielt oder auch nicht, ziemlich tollpatschig angestellt, aber die Kameraden haben diese Situationen gut gemeistert."

Marco

"Also ich war selber 2011 im Offizieranwärter-Bataillon in Hammelburg und die dargestellten Inhalte, welche Palina mitmachen musste, entsprechen schon relativ gut den Ausbildungsinhalten. Klar wurde es etwas übertrieben und medienwirksam dargestellt. Nichtsdestotrotz hat mir die Sendung sehr gut gefallen, man hat gut gesehen das Palina das Prinzip der Kameradschaft schnell verstanden hat."

Anonym

"Ich bin 2008 direkt nach dem Abitur zur Bundeswehr gegangen und wurde in Munster ausgebildet. Natürlich erstreckte sich die Ausbildung auf insgesamt sechs Monate, aber die Übungen, die in der Sendung gezeigt wurden, sind sehr wahrheitsgetreu. Auch die 'abgestumpften' Ausbilder gab es bei uns. Insgesamt waren wir - glaube ich - neun Frauen in unserem Zug, von denen letztenendes nur fünf durchhielten, da nicht nur der physische sondern auch der psychische Druck sehr stark war. Ich kann auch aus eigener Erfahrung bestätigen, dass es immer noch Vorgesetzte gibt, die etwas gegen Frauen haben."

Anonym

"Ebenfalls gut zur Geltung gekommen ist die physische und psychische Belastung, die man erlebt. Immer wieder wird man an seine Grenzen gebracht. Auch hier wird man von seinen Kameraden unterstützt, wie man auch sehr gut am Beispiel von Palina gesehen hat. Immer gab es eine helfende Hand. Alles in allem finde ich die Bundeswehr eher unrealistisch dargestellt. Auf mich wirkt das Gezeigte eher wie ein Feriencamp oder Zeltlager und weniger wie Heeressoldaten der Bundesrepublik Deutschland."