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Warum wir "Sense8" jetzt schon vermissen

02.06.2017, 18:05 · Aktualisiert: 02.06.2017, 19:34

Netflix beendet unsere Lieblingsserie

Was hat sich Netflix dabei nur gedacht: Am 5. Mai erst ging die zweite Staffel von "Sense8" online. Und jetzt verkündet das Unternehmen überraschend: die Serie wird abgesetzt. (tvshowpatrol.com)

In "Sense8" finden acht Menschen aus verschiedenen Ländern und Schichten, mit unterschiedlichen Ethnien, sexuellen Identitäten und Orientierungen heraus, dass sie mental und emotional miteinander verbunden und sogenannte "Sensates" sind. Geschrieben wurde die Serie unter anderem von Lana und Lilly Wachowski, die mit "The Matrix" ihren Durchbruch hatten.

Cindy Holland, bei Netflix Vize-Chefin für die eigenen Produktionen, sagte: "Nach 23 Folgen, 16 Städten und 13 Ländern, kommt die Geschichte des Sense8-Clusters zum Ende." Mehr Begründung – Fehlanzeige. Sicherlich dürften aber die hohen Kosten eine Rolle bei der Entscheidung gespielt haben. (SPIEGEL ONLINE).

Wir finden das wirklich traurig. Warum wir Sense8 vermissen werden:

(Bild: Netflix)

Es gibt keine Serie, die so gut Ländergrenzen überwindet.

Man hätte die Serie genauso gut nur in den USA spielen lassen können – das Land ist groß genug, um Distanzen zur Herausforderung zu machen. Aber die Macher von "Sense8" haben sich dafür entschieden, der Geschichte Farbe zu verleihen. Die Charaktere kommen aus Ländern auf der ganzen Welt:

Will ist Polizist, lebt und arbeitet in Chicago, Capheus in einem Slum in der kenianischen Stadt Nairobi, Kala ist Inderin, Pharmazeutin und lebt in Mumbai, die Hacktivistin Nomi kommt aus San Francisco, die melancholische DJane Riley aus Island, Sun ist eine Karrierefrau und Kickboxerin aus Seoul in Südkorea, Wolfgang (gespielt vom Deutschen Max Riemelt) kommt aus Berlin und Lito ist Mexikaner

Ihre Leben könnten nicht unterschiedlich sein – und doch sind sie alle miteinander verbunden. 

Das macht die Serie auf mehreren Ebenen zu etwas Besonderem: 

  • Man bekommt Einblicke in sehr unterschiedliche Lebenswelten und Probleme. Während Capheus etwa gegen die Wucherpreise von Trinkwasser in seinem kenianischen Slum kämpft und sich um seine HIV-infizierte Mutter kümmert, muss Sun sich vor ihrem machthungrigen Bruder retten, der sie umbringen will.
  • Die Probleme könnten unterschiedlicher nicht sein, gerade deshalb steckt in der mentalen Verbindung der Personen auch eine starke Botschaft: Egal woher wir kommen und was wir tun: Wir sind uns näher – und ähnlicher – als wir denken. 

(Bild: Netflix)

Hier ist kein Platz für Klischees – weder in der Liebe noch in der Dramaturgie.

Eine Frau liegt mit einer anderen Person im Bett. Was wie eine klassische Sexszene beginnt, endet damit, dass die Frau einen klitschnassen Dildo wegwirft und lacht. Und ihre Liebe, eine Transgender-Frau, lacht mit ihr. 

In anderen Serien kommen oft nur heterosexuelle Paare vor. Nicht so in "Sense8": Nomi etwa ist Transgender und liebt eine Frau und Lito ist ein schwuler Schauspieler. Während Nomi um die Anerkennung ihrer Eltern ringt, versucht Lito, trotz Coming-Outs in südamerikanischen Schnulzenfilmen, die Herzen der Frauen zu gewinnen. 

Aber sie machen den Zuschauern auch in gefühlvollen Monologen deutlich, dass es vollkommen okay ist, wer sie sind und wen sie lieben. Das mag auch daran liegen, dass die Macher – die Geschwister Lena und Lilly Wachowski – beides Transgender-Frauen sind.

Aber "Sense8" bricht nicht nur mit gesellschaftlichen Klischees, sondern auch mit denen der Filmindustrie. Das kann mitunter verrückt werden: Ganze Folgen bestehen beispielsweise (fast eine Stunde!) aus Sexorgien oder Geburten. Das muss nicht jedem gefallen, aber es zeigt auch: Hier hat niemand Angst, auch dramaturgisch Neues auszuprobieren.

(Bild: Netflix)

Wie cool ist bitte die Vorstellung, telepathische Kräfte zu haben?!

Lito ist verzweifelt, weil die Filmindustrie nicht so auf sein Outcoming reagiert, wie er es sich gewünscht hat. Tagelang weint er und isst Schokolade. Immer wieder stolpert er in die Geschichten der anderen sieben Hauptcharaktere hinein.

Als letztes landet er bei Sun, die gerade in einem anonymen Stundenhotel wohnt, weil sie aus dem Gefängnis geflohen ist und ihr Bruder sie umbringen will. Mit einem Hello-Kitty Kissen schmeißt er sich auf ihr Bett. Sie ist genervt. "Hör' auf zu weinen. Ich weine nie." Dabei sieht sie so aus, als wären Tränen das Einzige, was ihr jetzt noch helfen können. Lito sagt: "Vielleicht bin ich genau deswegen hier." Dann zieht er sie zu sich aufs Bett und sie weinen gemeinsam.

Wie schön das wäre: Man ist nie wieder allein. Man kann sich vom Bürostuhl direkt in den Pool auf der Dachterrasse in Mumbai Beamten – zumindest geistig. Keine Fernbeziehungen mehrder Partner ist ja nur einen Gedankenstrich entfernt – und der Sex muss mindestens genauso gut wie in echt sein, sonst hätten sie ihn in der Serie nicht ständig. Die Vorstellung ist ungefähr so reizvoll, wie zaubern können – und gibt dem Begriff "Seelenverwandtschaft" eine neue Bedeutung. 

(Bild: Netflix)

Die letzte Folge ist einfach kein akzeptables Ende.

Der einfachste Grund aber, warum die Serie nach der zweiten Staffel nicht einfach vorbei sein kann, ist ihr Ende. Die letzte Folge beantwortet viele wichtige Fragen, sie wirkt aber viel zu hastig: Schnell müssen noch ein paar Handlungsstränge abgeschlossen werden, alles wendet sich dem Ende zu – oder dem Höhepunkt? Die letzten Szenen sind alles andere als ein Abschluss, sondern ein echter Cliffhanger. 

Eigentlich ist "Sense8" noch nicht zu Ende. Da geht doch noch etwas, oder Netflix?

Eine Petition an Netflix hat schon rund 250.000 Unterschriften gesammelt.


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