Bild: Parrish Lewis, Amazon Studio & Roadside Attractions

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10 wichtige Filme des afroamerikanischen Kinos

12.03.2017, 16:33 · Aktualisiert: 12.03.2017, 17:04

Gerade ist Barry Jenkins Drama "Moonlight" im Kino angelaufen. Der mit einem Oscar als "Bester Film" ausgezeichnete Film hat das afroamerikanische Kino um eine Stimme reicher gemacht. "Moonlight" ist ein authentisches und bewegendes Porträt eines jungen, schwarzen Homosexuellen, der in einem von Cracksüchtigen und Armut geprägten Viertel Miamis aufwächst.

Mit seiner visuell überzeugenden sowie sozialkritisch dichten Erzählung löste "Moonlight" weltweit eine Begeisterungswelle aus. Zum deutschen Kinostart diese Woche wollen wir genauer auf das (New) Black Cinema schauen und euch einige der einflussreichsten Filme des Genres vorstellen. Denn in einem von Weißen dominierten Hollywood fanden Filme von, mit und über Afroamerikaner lange Zeit einfach nicht statt. Bis heute liegt vieles im Argen. Erst vergangenes Jahr wurden bei den Oscars ("so white") ausschließlich Weiße in den wichtigen Kategorieren nominiert.

Hier sind starke Filme, die exemplarisch für das afroamerikanische Kino stehen:

Malcolm X (1992)

Spike Lee thematisiert in seiner langen Liste an Filmen vorrangig das Leben von Afroamerikanern, weshalb ihm als erfolgreicher Regisseur im Hinblick auf Schwarze in Hollywood eine wichtige Rolle zukommt. Für viele ist er der prägendste Vorreiter in dem Genre und die Liste der Filme, die wir hier in der Zusammenstellung von ihm aufnehmen wollten, ist lang.

Sein Biopic Malcolm X beispielsweise ist eine gelungene Inszenierung des Lebens einer umstrittenen und hochinteressanten Persönlichkeit der amerikanischen Geschichte. Denzel Washington legte als Hauptdarsteller eine herausragende Performance ab, ging bei den Oscars allerdings leer aus – ebenso wie der Film.

I am not your negro (2017)

Der Dokumentarfilm von Raoul Peck wird entlang des unvollendeten Manuskripts "Remember This House" vom berühmten Schriftsteller James Baldwin erzählt. Während Samuel L. Jackson den Text vorliest, der sich rund um die schmerzhaften Lebenserfahrung Baldwins als Schwarzer in den USA dreht, werden Medien-Ausschnitte und Archiv-Fotos gezeigt, die Rassismus, afroamerikanische Proteste und weiße Polizeigewalt zeigen. Zudem erzählt Baldwin von persönlichen Begegnungen mit seinen ermordeten Freunden Martin Luther King, Malcolm X und Medgar Evers.

Boyz N the Hood (1991)

John Singletons Regiedebüt gilt zu den bedeutendsten Zeitdokumenten der Neunzigerjahre: In "Boyz N the Hood" stellt er den gewaltgeprägten Alltag dunkelhäutiger Jugendlicher in South Central, einem Problemviertel in Los Angeles, dar. Der Ghettofilm als Genre war geboren. Das ehrliche und wirklichkeitsnahe Porträt von Zorn, Verzweiflung und Hoffnung junger Männer prägte die schwarze Filmlandschaft erheblich. Mit 24 Jahren war Singleton der jüngste und außerdem der erste afroamerikanische Regisseur, der für einen Oscar nominiert wurde.

Precious (2009)

Das Wort "ergreifend" reicht nicht aus, um die Wirkung dieses Films zu beschreiben. Er erzählt vom unvorstellbar schweren Leben der jungen Afroamerikanerin Precious, die nach Missbrauch, Demütigung und Hass nach dem Sinn ihrer Existenz am Rand der Gesellschaft fragt. Achtung: Die Geschichte ist so brutal und traurig, dass sie schon in der Rolle des Zuschauers schwer zu ertragen ist.

Ray (2004)

Jamie Foxx liefert eine atemberaubende Darbietung der Musikerlegende Ray Charles. Der Film erzählt von Charles' Kindheit, seiner Erblindung, der einzigartigen Karriere, seinen Frauen und der Drogensucht. Charles großartige Musik und die atmosphärischen Bilder machen den Film zu einem mitreißenden Erlebnis. Zudem kommt Foxxs Verkörperung des blinden Musikers dem Original dermaßen nahe, dass nur zu sagen bleibt: Sein Oscar war definitiv verdient!

Chi-Raq (2015)

Der Film spielt im von Gangs und durch Waffengewalt beherrschten Chicago South Side, welche auf Grund der hohen Mordrate von vielen nur noch "Chi-Raq" genannt wird. Regisseur Spike Lee inszeniert seinen Film in Form der antiken, griechischen Komödie "Lysistrata", die dem Zuschauer reimend von Samuel J. Jackson vorgetragen wird.

Lee macht so darauf aufmerksam, dass die USA – eine der reichsten Gesellschaften der Welt – die Verarmung und Ghettoisierung von ganzen Landstrichen nicht nur in Kauf nehmen, sondern sogar vorantreiben. Vor allem Afroamerikaner aus bestimmten Gegenden bekommen keine Chance. Sie werden unterdrückt und die weiße Wohlstandsgesellschaft sieht über die Nachrichten-Kanäle dabei zu, wie in den "Kriegsgebieten" der US-Städte täglich auf offener Straße gemordet wird. Spike Lee unterstützte mit Chi-Raq auch die Bewegung "Black lives matters".

12 Years A Slave (2014)

Die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte um den Afroamerikaner Solomon Northup, der durch eine Falle seines Lebens als freier und erfolgreicher Mann beraubt und in die Sklaverei verkauft wurde, zählt laut BBC zu einem der bisher wichtigsten Filme dieses noch frischen Jahrhunderts. Er wurde bei der Oscarverleihung 2012 in den Kategorien "Bester Film", "Bestes adaptiertes Drehbuch" und "Beste Nebendarstellerin" ausgezeichnet. Letztere Auszeichnung ging an Lupita Nyong'o, die als erste Schwarzafrikanerin einen Oscar erhielt.

Tongues Untied (1989)

Marlon Riggs war bekannt für seine einfühlsamen und – zu seiner Zeit – kontroversen Dokumentarfilme, die Rassismus und Homophobie thematisierten. In seinem zweiten Film "Tongues Untied" porträtierte der LGBT-Aktivist eine schwarze, homosexuelle Community, die aufgrund ihrer Sexualität und Hautfarbe diskriminiert wird. Neben der außergewöhnlichen Kombination von Performance-Elementen mit Lyrik, Interviews und dokumentarischen Szenen, erzählt Riggs auch von seinen eigenen Erfahrungen als schwuler Mann.

Aufgrund der offenen Darstellung der schwulen Sexualität war der Film zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung umstritten und löste die erste offene Diskussion über black gay culture im Fernsehen aus.

Monster's Ball (2001)

Dieser Film bildet einen Meilenstein der Filmgeschichte, weil Halle Berry für ihre Darstellung der jungen Mutter Leticia als erste (und bisher einzige!) Afroamerikanerin einen Oscar als beste Hauptdarstellerin bekam. Der Film selbst ist eher umstritten: Er zeigt den Lebenswandel eines rassistischen Gefängniswärters, der durch den Tod seines Sohnes und eine Affäre mit ebenjener Leticia ausgelöst wird. In weiteren Rollen sind Billy Bob Thornton and Heath Ledger zu sehen.

Die Farbe Lila (1985)

Die grandiose Whoopie Goldberg brilliert in diesem Film über das Leben schwarzer Frauen Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA. Er erzählt von Unterdrückung, Misshandlung und dem Mut zur Emanzipation. Man sollte die Academy um eine Erklärung bitten, wie dieser Film bei den Oscars 1985 leer ausgehen konnte...

Mediasteak x bento

MediasteakAnne und Laura von Mediasteak zeigen, was in den Mediatheken steckt. Jeden Freitag empfehlen sie die besten Spielfilme, Dokumentationen und Serien bei bento.


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Von wegen "Netflix and Chill": Menschen haben heute viel weniger Sex

12.03.2017, 15:43

Was denkst du: Hast du öfter oder seltener Sex als die Generationen vor dir?

Die Studie der Universität San Diego zeigt: Menschen haben heute viel weniger Sex als noch vor 20 Jahren.

Für die repräsentative Studie verwendeten die Forscher Daten von 26.000, hauptsächlich heterosexuellen, US-Amerikanern. Untersucht wurden zwischen 1989 und 2014 Menschen aller Altersgruppen, Geschlechter, Einkommensgruppen und Hautfarben, Singles und Paare, Menschen mit und ohne Kindern.