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Bild: © Navigator Film

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Flucht, Origami, Ulrich Seidl: Die Streamingtipps zum Wochenende

13.02.2016, 10:10 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:27

Die Mediasteak-Fundstücke der Woche

Ulrich Seidl und die Bösen Buben – Porträt

(Bild: © Navigator Film)

Ulrich Seidl ist einer der provozierendsten Regisseure unserer Zeit. Er fordert die Zuschauer heraus, zeigt schonungslose Bilder und reizt die Grenze des Ertragbaren oft so weit aus, dass man sich vor Fremdscham fast abwenden möchte. Der Regisseur erzählt von Tabus, die in solcher Radikalität sonst nicht in Filmen thematisiert werden. Den intensiv verstörenden Effekt erzielt Seidl vor allem mit seiner improvisierten und unvermittelten Inszenierung, zuweilen wirken seine Filme wie Dokumentationen. Der Zuschauer wird zum Voyeur, er beobachtet Sexpraktiken und sieht in die Abgründe des österreichischen Kleinbürgertums.

So auch in Seidls neuem Film "Im Keller" und seiner jüngsten Theaterinszenierung "Böse Buben/Fiese Männer" – bei den Proben und Dreharbeiten der beiden Werke lässt sich der Ausnahmekünstler erstmals über die Schulter schauen und wir erhalten Einblicke in die "Methode Seidl".

Das Porträt über den genialen Filmemacher mit ausführlichen Gesprächen und Ausschnitten aus früheren Filmen bietet eine tolle Gelegenheit, das Schaffen Ulrich Seidls zu ergründen und zu verstehen.

"Ulrich Seidl und die bösen Buben" bei Mediasteak anschauen
(52 Minuten | Verfügbar bis: 17. Februar 2016)

My Escape / Meine Flucht

(Bild: WDR/Berlin Producers)

In nur sechs Wochen wurde der eindrucksvolle Dokumentarfilm "My Escape / Meine Flucht" von WDR-Redakteuren konzipiert und fertig gestellt. Gedreht hingegen haben ihn Syrer, Iraker und Afghanen während ihrer Flucht nach Europa. Wir sehen endlose Märsche durch die Wüste; Schleuser, die gierig Geld zählen; Nachtaufnahmen; Ungewissheit und Angst. Kommentiert werden die sehr nahen, realen Aufnahmen von den Geflüchteten selbst. Sie gaben bereitwillig ihre Aufnahmen und Geschichten für die Montage aus Handy-Videos an das Filmteam und erhalten so eine persönliche Stimme, abseits der täglichen, nüchternen Nachrichten.

Es entsteht ein beängstigendes Bild der Flucht, auf der Menschen überfallen, misshandelt und eingesperrt werden. Der Zuschauer sieht das Leid und den gleichzeitigen Durchhaltewillen der Menschen, die ihr Land in die Ungewissheit verlassen.

"My Escape / Meine Flucht" in der ARD Mediathek anschauen
(90 Minuten | Verfügbar bis 30. Dezember 2099)

Der Origami-Code

(Bild: ZDF und Emmanuel Roy; fact+film, Jana Kay)

Knittern, krumpeln und falten – Origami-Faltkünstler benötigen neben besonderer Fingerfertigkeit vor allem viel Zeit. Ohne Schere und Kleber schaffen sie aus einem Stück Papier 3D-Objekte, die sich zu lebensechten Kunstwerken entfalten. Die japanische Handwerkskunst hat sich ihre Technik aber abgeguckt: Falten ist ein zentrales Prinzip der Natur. Denken wir nur an die Transformation des Schmetterlings, den menschlichen Darm oder an Berge und Blüten – wohin man schaut, überall finden sich Faltungen. Deshalb macht sich nun auch die Wissenschaft das Prinzip der Papierfaltkunst zunutze und versucht den Origami-Code zu knacken.

Die spannende Doku "Der Origami-Code" zeigt neben kunstvollen Falttechniken und den physikalischen Gesetzen der Naturfaltung, inwiefern eine mathematische "Weltformel" die Wissenschaft revolutionieren könnte. Jetzt schon werden die Faltungen der Natur in Forschung, Wissenschaft, Technik und Medizin übertragen. "Transformers" könnte also bald Realität werden.

"Der Origami-Code" auf 3sat anschauen
(44 Minuten | Verfügbar bis 15. Oktober 2020)

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