09.10.2017, 14:42 · Aktualisiert: 29.10.2017, 12:51

"So Leute. Jetzt was geiles: mit dem neuen #telekomyoung Tarif verbraucht ihr nicht mehr euer DatenVolumen beim Musik streamen !! Mega geil weil ich ohne Musik nicht kann und den ganzen Tag unterwegs hören kann #jetztmagenta #werbung"

Diese Sätze hat Lena-Meyer-Landrut am Sonntag auf Instagram geschrieben. Rund 75.000 ihrer knapp zwei Millionen Follower gefällt das, immerhin ein durchschnittlicher Wert für einen Lena-Post – obwohl der Text pure Werbung ist.

Viele Follower haben das bemerkt und beschweren sich darüber. Klar, die Sätze wirken, als ob Lena Meyer-Landrut sie direkt von der PR-Agentur der Telekom übernommen und nur schnell noch ein paar Rechtschreibfehler eingebaut hätte. Vor allem geht es aber um das Produkt, das Lena bewirbt.

Hier sind die Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Wofür genau macht Lena Werbung?

Für einige Telekom-Young-Tarife. Wer sich so einen Handyvertrag anschafft, kann bei der Telekom kostenlos eine der sogenannten StreamOn-Optionen buchen. Der Vorteil: Viele Video- und Musik-Angebote zählen dann nicht mehr zum eigenen Datenverbrauch hinzu.

Man kann also zum Beispiel unbegrenzt Musik auf Deezer oder Spotify hören, ohne sich Sorgen ums Datenvolumen zu machen. Auch SPIEGEL-ONLINE-Videos zählen dann nicht mehr zum verbrauchten Datenvolumen. Doch Vorsicht: Das Laden von Covern, abgespielte Werbung oder ähnliches zählt weiter zum Datenverbrauch. Und: Wer sein Datenvolumen aufbraucht, kann dann auch Spotify und andere Partnerdienste nur noch mit 64 kbit/s nutzen – das dürfte nicht funktionieren. (SPIEGEL ONLINE)

Ist doch ein gutes Angebot, oder?

Einige Kritiker von Lenas Post zweifeln daran. Sie befürchten, dass die Telekom damit geschickt das Prinzip der Netzneutralität, nach der alle Daten unterschiedslos durchs Netz geleitet werden müssen, missachtet.

Doch die Telekom bevorzuge nicht einzelne Dienste wie Spotify und Deezer. Die Telekom verweist immer wieder darauf, dass sich auch andere als die Startangebote einer StreamOn-Partnerschaft anschließen könnten. Es gebe keine Einschränkung, jeder Anbieter von legalen Audio- und Video-Inhalten könne Partner werden. (SPIEGEL ONLINE)

Darf die Telekom das überhaupt?

Die Bundesnetzagentur prüft derzeit, ob das Angebot gegen EU-Recht verstößt. Verbraucherschützer kritisieren seit dem Start von StreamOn, dass das Angebot gegen die Netzneutralität verstoße. Zuletzt hatte auch Vodafone ein ähnliches Angebot gestartet. Auch das prüft die Bundesnetzagentur. (Golem) Wie uneingeschränkt ist der Zugang wirklich?

Diese Frage stellen sich Instagram-Nutzer unter Lenas Post.

Warum für Musiker die Netzneutralität besonders wichtig ist

Künstler wie Lena verdienen nicht viel, wenn wir ihre Musik auf Spotify hören. Früher waren die Einnahmen aus den CD-Verkäufen viel höher. Wenn die großen Streaminganbieter keine Konkurrenz mehr fürchten müssen, würde ihre Marktmacht noch weiter gestärkt. Musiker wären auf die Streamingplattform angewiesen, um überhaupt gehört zu werden. Und Dienste wie Spotify könnten diktieren, wie viel sie den Künstlern zahlen.

Ist Lena jetzt eigentlich Influencer?

Das bislang letzte Musik-Album hat Lena im Mai 2015 veröffentlicht – das ist also schon ein bisschen her. Aber weil man Lena derzeit wohl am häufigsten durch L’Oréal-Werbung wahrnimmt, ist sie trotzdem keine klassische Influencerin. Die nämlich beschäftigen sich den ganzen Tag fast nur damit, ihre Followern mit immer wieder neue Produkten anzupreisen. Menschliche Werbeplattformen eben.

Lena hingegen tritt bei "Sing meinen Song auf", hat dort ihre Single "If I wasn’t your daugther" veröffentlicht, zuletzt ein Lied mit den Rappen von Genetik aufgenommen. (bento)

Eigentlich will sie auch bald ihr neues Album "Gemini" rausbringen. Auch wenn das Album noch nicht da ist, gab es zumindest schon mal Merchandise-Produkte. Die Pullover und Mützen sind dann auch einfach mit der Aufschrift “Merchandise” bedruckt. (Elle)

Lena hat einst gesagt, dass sie nicht für viele Sachen Werbung machen möchte, um sich nicht unglaubwürdig zu machen. Dem Vorwurf einer Facebook-Nutzerin, dass von dieser Aussage nur noch wenig übrig geblieben sei, widerspricht Lena deutlich. Von den vergangenen 75 Postings habe sie nur für L’Oréal bezahlte Werbung gemacht, sowie für ihre eigene Musik und das Merchandising.

Auch wenn man die beiden vielleicht mal verwechseln kann, eine klassische Influencerin wie ihre Freundin Stefanie Gesinger will Lena nicht sein.

Muss man Werbung auf Instagram nicht anders kennzeichnen?

Bei den meisten deutschen Influencern sieht man es jetzt immer wieder: Über den bezahlten Postings steht der Hinweis "Bezahlte Partnerschaft".

Warum?

Im Juni verurteilt die Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein den YouTuber Uwe Schüler zu einer Geldstrafe von 10.500 Euro – wegen Verstößen gegen die sogenannte Werbekennzeichnungspflicht. Die Szene ist seitdem verunsichert. Welche Kennzeichnung ist richtig? Welche nicht? Auch der Verband Sozialer Wettbewerb mahnt regelmäßig Influencer wegen fehlender Werbekennzeichnung ab.

Das Problem: Viele Instagram-Stars kennzeichnen ihre Beiträge nur mit #ad und #sponsored. Aus Verbandssicht ist das nicht ausreichend. Er riet zu der Kennzeichnung "Paid Partnership with…", die nun viele nutzen. Rechtlich bindend ist das aber nicht. Klare Regelungen dazu gibt es noch nicht. (Meedia / Gründerszene)

Korrektur: Im Text stand zunächst, dass Musikanbieter sich den Sonderzugang zu StreamOn erkaufen müssen, das ist falsch. Die Telekom biete nach eigenen Angaben jedem Musik- und Videostreaming-Dienst an, kostenlos Partner zu werden.


Gerechtigkeit

"Sexismus ist nicht verschwunden – nur subtiler geworden"

09.10.2017, 14:37 · Aktualisiert: 09.10.2017, 16:30

Wie wir uns dagegen wehren können

Wer denkt, Sexismus sei ein Ding der Vergangenheit und der Feminismus habe sich längst in Deutschland durchgesetzt, ist mit großer Wahrscheinlichkeit keine Frau.

Noch immer leben wir in einer Zeit, in der Start-Up-Gründerinnen einen männlichen Kollegen erfinden, um ernst genommen zu werden (bento) und in der Dozentinnen an der Uni von Studenten prinzipiell schlechter bewertet werden als ihre Kollegen mit Penis (bento).

Und in diesem Video zeigen wir, wie die Welt aussähe, wenn Männer wie Frauen behandelt würden: