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"La La Land" ist (leider) nur langweiliges Singen und Klatschen mit Ryan und Emma

11.01.2017, 14:09 · Aktualisiert: 11.01.2017, 18:37

Der Film "La La Land" ist der Rekordgewinner bei den Golden Globes: Sieben Trophäen holte das Musical – das erste Mal in der Geschichte der Preisverleihung (bento). Die internationalen Kritiker überschlagen sich in ihrem Urteil ("magisch" / "gefeiert"), und bei den Oscars wird der Film vom erst 31-jährigen Regiewunderkind Damien Chazelle bereits heiß gehandelt.

Aber warum? Der Film ist nämlich (leider) langweiliger und kitschiger Unsinn.

Dabei geht es mir gar nicht darum, dass der Film eine romantische Liebesgeschichte erzählt. Die gehören zum Kino natürlich dazu, genauso wie Action und Komödien. Außerdem gibt es genug Beispiele für wirklich tolle Liebesfilme. "La La Land" gehört aber leider nicht dazu.

Erfolglose Schauspielerin kämpft um Anerkennung? Es ist immer dieselbe Leier.

Die Geschichte um die erfolglose Schauspielerin und den ebenso erfolglosen Jazzpianisten erfüllt die klassischen Hollywood-Klischees: Das lange Warten auf die große Chance, das Träumen, das Hoffen. Das ist aber vor allem Nabelschau, denn die Schauspieler spielen uns vor, wie schwer es doch sei, im knallharten Hollywood Schauspieler zu sein.

Los Angeles ist eigentlich auch die heimliche Hauptdarstellerin des Films. Vor den bunten Kulissen der Stadt, den pompösen Villen, schäbigen Apartments und technicolorfarbenen Hügeln wirkt jede Szene wie eine Erinnerung an eine andere, bessere Zeit. Das kommt ein bisschen wie bei der Hollywood-Hommage "Hail, Caesar" rüber – wenn man dabei gewesen wäre, könnte man bestimmt darüber lachen.

Da aber keiner von uns in den 50ern die "goldene Ära" des Kinos wirklich miterlebt hat, fühlt man sich seltsam leer.

Der Film wirkt, als wäre er einfach nur für die Menschen im Filmbusiness gemacht. Als wäre er ein Beweis, dass man Filme "immer noch so wie früher" drehen könnte. Das ist okay, sollte aber dem normalen Kinogänger bewusst sein. Der dürfte in dem übertriebenen Kitsch nämlich schnell ertrinken.

1/12

Natürlich hat der Film tolle Momente: Das Lied "City of Stars", das Gosling und Stone immer wieder aufgreifen, ist ein bleibender Ohrwurm. Auch handwerklich ist der Film außerordentlich beeindruckend umgesetzt – mit sehr langen, ungeschnittenen Tanzszenen und imposanten Kamerafahrten über Dutzende von Tänzern.

Aber warum zur Hölle spielen in dem Film über Jazz zwei Weiße die Hauptrollen?

Immer wieder erzählt Ryan Goslings Character Sebastian, wie er das strauchelnde Musikgenre retten will, während im Hintergrund seiner Dialoge die Männer und Frauen spielen, die Jazz erfunden haben (Wired). Selbst Musikikone John Legend nimmt hier nur eine kleine Nebenrolle ein, als viel zu poppiger Kommerz-Musiker, der dem Jazz das letzte Mark aus den Knochen saugen will.

Nur Pianist "Seb" kann im Alleingang den Jazz retten (The New Yorker). Dieses "Der-Weiße-Wirds-Schon-Alleine-Richten"-Motiv ist ein Hohn für die vielen schwarzen Musiker, die diese Musikrichtung gemeinsam groß gemacht haben.

Schade, denn der Film hat durch seine guten Kritiken und zahlreichen Preise mit wirklich großen Erwartungen bei mir aufgefahren. Um dann alles mit einer beliebigen Liebesgeschichte, irgendwie rassistischem Casting und übertriebenem Kitsch (die Tanzszene im Planetarium, hallo?) zu begraben.


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Kann Russland wirklich Trump erpressen? Was an dem neuen Geheimdienstbericht dran ist

11.01.2017, 13:44 · Aktualisiert: 11.01.2017, 17:14

Ein ehemaliger Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes wirft dem künftigen US-Präsidenten vor, von Russland erpressbar zu sein. Es gebe eine explizite Szene aus einem Hotel in Moskau, die ihn angreifbar mache. Das geht aus einem Bericht hervor, der inzwischen veröffentlicht worden ist. Die US-Geheimdienste informierten sowohl Barack Obama als auch Donald Trump vorab über den Inhalt des Berichtes. Ob die Vorwürfe zutreffen, ist aber völlig unklar.

Donald Trump reagierte auf Twitter: Die Meldungen seien ein "Fake" und eine "politische Hexenjagd". Die Geheimdienste hätten es niemals zulassen dürfen, dass der Bericht geleakt werde, schrieb er – und fragte dann, ob wir "in Nazi-Deutschland leben" würden.