Bild: Facebook/Tribute von Panem

12.03.2018, 10:54 · Aktualisiert: 12.03.2018, 18:51

Sie sind immer im Hintergrund. Komparsen sind die Stillen an Serien- und Filmsets. Sie schwenken Plakate auf Demonstrationen, tanzen in Swingerclubs.

Peter, der eigentlich anders heißt, ist 27 und Komparse. Kein Nebenjob, Peter ist hauptberuflich unterwegs, war schon bei über 700 Drehtagen dabei und spielte unter anderem in "Kokowääh 2", "Monuments Men" oder "Die Tribute von Panem" mit. Meistens ist er in Filmen und Serien der öffentlich-rechtlichen Sender zu sehen.

Seine Karriere begann vor fünf Jahren. Peter meldete sich bei verschiedenen Komparsen-Agenturen an. Die sagen den Produktionsfirmen, wer zu welchem Film passen könnte.

Doch was bekommt der stille Mitläufer mit – vom ganz großen Geschäft? Was spielt sich hinter den Kulissen ab? Hier erzählt Peter von den Geheimnissen seines Jobs.

Filmset: Was passiert hinter den Kulissen?

Filmset: Was passiert hinter den Kulissen? (Bild: Unsplash)

1. Das Gehalt.

Für Komparsenrollen bekommt Peter meistens etwas mehr als den Mindestlohn, also neun Euro pro Stunde. "Mein Gehalt reicht mir, da ich einen bescheidenen Lebensstandard habe", sagt er. "Ich brauche kein Auto oder dreimal im Jahr Urlaub." Als Komparse werde er meist bei Produktionen in der Nähe eingesetzt, die er mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreiche.

2. Das Extra-Gehalt.

Zusätzlich zum Honorar gebe es Boni. Für jeden Kuss wird extra bezahlt, sagt Peter, etwa 20 Euro. Meistens würden dafür Menschen gesucht, die auch im echten Leben ein Paar sind – da könne die Produktionsfirma sichergehen, dass der Kuss authentisch aussieht.

Ich habe einen bescheidenen Lebensstandard
Peter

Dasselbe gelte für Sex-Szenen. Für die gebe es 150 bis 300 Euro mehr. Natürlich kommt es dabei nie wirklich zum Sex, sagt Peter.

"Ich spielte mal im Hintergrund einer Szene, bei der es so aussah, als ob eine Schauspielerin geleckt wird. Sie trug allerdings ein hauchdünnes Stoffteil über der Vagina, und der Schauspieler musste seinen Kopf einfach nur zwischen ihren Beinen bewegen."

3. Genau diese Szenen übernehmen immer öfter Laien.

Immer mehr Komparsen würden Erotik-Szenen spielen, da sie billiger für die Produktionen seien. Bisher hätten die Produktionen auf Erotik-Darsteller gesetzt, die Erfahrung mitbringen. Die bekämen allerdings einen hohen drei- oder vierstelligen Betrag für die Szenen, während der Komparse – nun ja, siehe oben.

4. Das ungeschriebene Gesetz: Setz dich nicht zu den Wichtigen.

Catering gibt es meist für alle, erzählt Peter – nicht nur für die Hauptdarsteller. Es gebe aber unterschiedliches Essen und die Schauspieler und Regisseure säßen oft getrennt von den Komparsen.

"Die Menschen, die hauptsächlich am Film beteiligt sind, sollen nicht gestört werden", sagt Peter. "Wenn wir aber wenige Komparsen am Set sind, durchmischt sich das. Dann dürfen wir auch bei dem Fünf-Sterne-Essen der Crew mitessen."

Und nach dem Dreh?

Und nach dem Dreh? (Bild: Unsplash)

5. Berühmt gleich bodenständig.

Gerade bei Hollywood-Schauspielern habe Peter die Erfahrung gemacht, dass sie die bodenständigsten und offenherzigsten Menschen am Set seien. "Vielleicht, weil sie niemandem mehr was beweisen müssen", sagt er.

Als er mit George Clooney drehte, sei der total locker gewesen: "Er nahm alles selbst in die Hand und sagte mir, wo ich wie stehen soll. Das macht eigentlich der Regieassistent. Dieser persönliche Kontakt hat Clooney sympathisch gemacht!"
Auch Matthias Schweighöfer sei lustig, wie in seinen Filmen. "Manchmal hört man nichts, außer seiner schrille Lache."

6. Auf einmal bist du Polizist.

Manchmal käme es vor, dass der Regisseur plötzlich eine Rolle kreiere, die nicht eingeplant war. "Von einer Sekunde auf die andere wirst du dann zum Beispiel als Polizist verkleidet und gehst in eine Szene rein, von der du keine Ahnung hast", sagt Peter.

Manchmal dürfen wir auch bei dem Fünf-Sterne-Essen der Crew mitessen
Peter

Von der Spontanität bekämen die Zuschauer später nichts mit: "Ich bin nur wenige Sekunden zu sehen, da kann man als Zuschauer nicht viel erkennen, vor allem keine Mimik."

Deswegen brauche Peter sich nicht in eine Rolle hineinzuversetzen. Im Gegensatz zu den Schauspielern im Vordergrund.

7. Wer Geld gibt, hat die Macht.

Die wahren Schlammschlachten beginnen nach den Drehs, sagt Peter: Die Filmproduktion wolle manchmal nicht das bezahlen, was den Komparsen zustünde, beispielsweise Zuschläge für Überstunden.

Als Komparse könne man da wenig machen: "Die Produktion ist der Geldgeber und wer das Geld gibt, hat die Macht", sagt Peter. Wenn sich ein Komparse beschwere, werde er für Folge-Drehs gesperrt.

"Manchmal ist das frustrierend", sagt Peter, "aber ich habe als Komparse zu wenig Einfluss und kann nichts dagegen tun. Wenn ich rechtliche Schritte einleiten würde, kämpfte ich als David gegen Goliath."

8. Stundenlanges Warten heißt: stundenlang beobachten.

"Die Drehtage können 16 Stunden dauern und ich komme erst am Ende dran."

Wie vertreibt Peter sich die Zeit? "Essen, dösen, quatschen", sagt er. Und beobachten: zum Beispiel, was nach einer Kuschel-Szene passiert.

Peter habe schon mal von Kollegen gehört, die erst eine Szene im Swinger-Club drehten und sich später beim echten Sex am Set erwischen ließen.

9. Das Furchtbarste!

Außensets im Winter. Die Hölle. "Manchmal soll eine Sommerszene gedreht werden und du stehst da bei Minusgraden im T-Shirt und mit nassen Füßen auf der Straße", sagt Peter.

Manchmal würden Komparsen in der Kälte vergessen. Einmal habe Peter mit Kollegen stundenlang vor einem Haus gestanden, weil die Produktion nicht durchgegeben hatte, dass sie keine Komparsen für die drinnen gedrehte Szene benötigt. "Du hast nichts zu essen oder zu trinken, du frierst und hoffst."


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