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  3. Klingonisch aus Star Trek: Warum Menschen die Sprache lernen

Bild: Getty Images

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"Andere sammeln Briefmarken, ich lerne eben Klingonisch"

18.11.2015, 20:29 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:22

Warum lernen Menschen eine Sprache, die kaum jemand spricht?

'IwlIj jachjaj! Möge dein Blut schreien, heißt die klingonische Redewendung übersetzt. Klingonisch ist eine Phantasiesprache, extra erfunden von einem Sprachwissenschaftler für "Star Trek". Wir haben Fans der Sprache getroffen:

Ines Blatter

Ines Blatter (Bild: Maike Hansen)

Irgendwann reichten ihr Italienisch, Latein und Französisch nicht mehr. Ines Blatter, 23 Jahre und Maschinenbaustudentin, wollte eine neue Sprache lernen. Klingonisch reizte sie, diese Kunstsprache aus dem "Star Trek"-Epos mit ihren fremdklingenden Lauten und ihrem überschaubaren Vokabular von 3000 Wörtern. Sie sagt, sie sei kein Hardcore Trekkie, die Sprache sei eben ein Hobby. "Andere Leute sammeln Briefmarken, ich lerne eben Klingonisch.“ 

Als sie 2013 das erste Mal an der qepHom in Saarbrücken teilnahm, teilte sich Ines mit Robyn Stewart ein Jugendherbergszimmer. Nach dem offiziellen Klingonisch-Treffen der qep’a‘ in den USA gilt die qepHom im Saarland als der größte Kurs der Kunstsprache weltweit. Jeden Herbst treffen sich hier um die sechzig Sprachschüler.

Robyn, 48, spricht fließend Klingonisch

Robyn, 48, spricht fließend Klingonisch (Bild: Maike Hansen)

Sie arbeitete auch ehrenamtlich am Bing-Translator für Klingonisch mit.

Die 48-jährige Robyn aus Kanada sprach bei ihrem ersten und bisher einzigen Besuch des Kurses 2013 allerdings schon fließend Klingonisch. Sie besteht darauf, die Sprache während der qepHom auch überwiegend anzuwenden. Das sei schließlich die perfekte Gelegenheit, sagt sie: Denn viele der Teilnehmer würden nicht so gut Englisch oder Französisch sprechen. Da musste auch Ines durch: "Robyn sagte mir etwas, ich versuchte dann auf Englisch wiederzugeben, was ich verstanden hatte.“

Aus dem Wochenende in Saarbrücken entwickelte sich eine Mailfreundschaft, die bis heute andauert. Klingonische Kurzgeschichten, knifflige Grammatikfragen, darüber schreiben beide je nach Zeit und Lust. Robyn sei allerdings immer noch weiter als sie, sagt Ines: Sie arbeitete auch ehrenamtlich am Bing-Translator für Klingonisch mit.

Durch den einfachen Wortschatz beschränkt sich die Sprache auf das Wesentliche.

Robyn hielt bereits 1988 das Klingon Dictionary in der Hand, das offizielle Wörterbuch der klingonischen Sprache. Im noch sehr jungen Internet traf sie in Foren auf Gleichgesinnte. Inzwischen fährt Robyn jedes Jahr zur qep’a‘ nach Philadephia. "Als ich bei meiner neuen Airline als Pilotin anfing, handelte ich die Bedingung aus, dafür Urlaub zu bekommen.“ Für Klingonisch-Treffen überquert Robyn einen Ozean, und für ein Mittagessen fährt sie schon mal mit anderen Sprachfans drei Stunden bis nach Seattle.

"Mich faszinierten schon immer die Strukturen von Sprachen“, sagt Robyn. Sie studierte schon die russische und deutsche Grammatik, nur die Zeit zum Vokabellernen fehlte: "Wer will schon wissen, wie jeder Baum, jede Vogelart heißt…“ Dieses Problem gäbe es bei Klingonisch nicht: "Durch den einfachen Wortschatz beschränkt sich die Sprache auf das Wesentliche.“ Weil es keine Muttersprachler gibt, wird auch niemand benachteiligt. "Wir haben uns alle irgendwann mal durch die Grammatik und den Wortschatz gekämpft. Das schweißt zusammen.“

Marc Okrand (rechts)

Marc Okrand (rechts) (Bild: Maike Hansen)

Vor mehr als zwanzig Jahren erfand Linguistik-Professor Mark Okrand die Sprache im Auftrag der Filmproduktionsfirma Paramount für die Klingonen in Star Trek II. Erst kamen die Kameraleute zu ihm, fragten nach Vokabeln, dann wollte Paramount ein Wörterbuch mit Okrand herausgeben. Der Erfinder besitzt als einziger das Recht, neue Vokabeln zu erfinden. Für die nötige Inspiration fliegt er auch schon mal von Washington D.C. zur qepHom nach Saarbrücken. Abgesehen von Okrands offiziellem Wörterbuch bleiben zum Schreiben und Sprechen üben Internet-Foren, Mailing-Listen oder die App, die David Yong-Mallo vor sieben Jahren programmiert hat.

David, 38, sagt: "Nicht jeder der Klingonisch lernt, verkleidet sich bei den Treffen.“

David, 38, sagt: "Nicht jeder der Klingonisch lernt, verkleidet sich bei den Treffen.“ (Bild: Maike Hansen)

David Yong-Mallo, 38 Jahre und Google-Ingenieur, stieß 2011 ebenfalls aus Kanada zum qepHom-Sprachkurs in Saarbrücken hinzu. Klingonisch sprach er bereits seit der Highschool: "Ab Star Trek VI entdeckten wir Klingonisch als Geheimsprache in unserem Freundeskreis. Für kleine Botschaften im Unterricht war es extrem praktisch.“ 

Die Freude am Lernen blieb, irgendwann programmierte er dann die App boQwl‘, rund 30.000-mal wurde sie inzwischen heruntergeladen, 8000 Nutzer würden aktiv mit der App lernen, sagt David.

Wer selbst Klingonisch lernen möchte, wird online fündig: Private Nachhilfe könnte Sheldon von "The Big Bang Theory" geben.

Auch in anderen Serien wie auf einer Halloweenparty bei Navi CSI oder in "How I met your mother“ finden sich kurze Klingonisch-Einflüsse. 

Drei Anfänger erzählen, warum sie Klingonisch lernen:

Anne Weis, 27, aus Luxemburg

(Bild: Maike Hansen)

Warum Klingonisch? Mein Papa war schon Star Trek Fan, ich bin’s auch. Da wollte ich mir den Sprachkurs mal anschauen.

Was bringt dir das? Mal sehen, ich spreche noch kein Klingonisch. Aber ein bisschen was kann ich hier schon mitnehmen.

Mit wem sprichst du? Inzwischen habe ich hier nette Leute kennengelernt. Wenn ich die Zeit finde, kann man sich dann bestimmt zum Skypen verabreden.

Jerry Lauth, 27, aus Luxemburg

(Bild: Maike Hansen)

Warum Klingonisch? Ich habe den Lehrer Lieven L. Litaer auf der LuxCon (ein Messe für Science Fiction) zweimal bei einem Vortrag gehört. Dann wollte ich selbst mal auf der qepHom vorbeischauen.

Was bringt dir das? Einen komplett neuen Zugang zu "Star Trek" und viele interessante Kontakte

Mit wem sprichst du? Je nachdem wie ich hier in die Sprache reinkomme, werde ich dann online weiterlernen.

Kevin, 14, aus Berlin

(Bild: Maike Hansen)

Warum Klingonisch? Ich bin bekennender Trekkie, und meine Mutter wollte auf die qepHom. Es bot sich an, dass ich mitkomme.

Was bringt dir das? Mit Klingonisch lerne ich etwas, was die meisten "Star Trek"-Fans nicht sprechen können.

Mit wem sprichst du? Zuhause kann ich dann mit meiner Mutter weiter lernen – hier schreib ich erst mal mit. Außerdem gibt es auch eine ganz nützliche App.

Klingonische Popmusik gibt es übrigens auch: