Bild: Screenshot Spiegel.TV

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Warum Models sich den Kiefer brechen lassen und Männer zum IS gehen – die Dokus der Woche

25.03.2016, 16:35 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:29

"Modelagenten: Nachwuchs für den Catwalk" | Spiegel.TV

(Bild: Screenshot Spiegel.TV)

Wenn Modelagenten ihr Urteil fällen, dann müssen selbst die schönsten Menschen einstecken: Hüfte zu dick, Mund zu breit, zu klein, zu alt, zu speziell.

Auf der Scouting-Tour mit Louisa von Minckwitz zeigt sich die ganze Bandbreite von inakzeptablen "Makeln" in der Modelwelt. Die Münchner Modelagentin reist in Begleitung ihrer Mitarbeiter und eines Reporterteams durch die Länder des Ostblocks, um hier möglichst blond und kaukasisch aussehende Mädchen und Jungen für den heimischen Markt zu scouten.

Dabei ist Minckwitz nicht auf der Suche nach außergewöhnlichen "Kampagnengesichtern", möglichst mainstreamig schön sollen die Models aussehen – denn in Deutschland geht es offenbar nicht um Haute Couture, sondern um Katalog-Mode von Otto.

Doch ins lukrative Geschäft zu kommen, das ist hart. "Sie muss sich den Kiefer brechen lassen, so ein fliehendes Kinn geht gar nicht", sagt Minckwitz in der Doku. Gegen solche Kommentare wirken Heidi Klums Abfertigungen weniger schlimm.

Es ist nichts Neues, und trotzdem ist es immer wieder bestürzend: So also läuft es in einer Branche, in der es nur um Äußerlichkeiten geht und in der der Mensch als "Produkt" verkauft wird. "Der Kunde sieht nur das fertige Produkt, aber wie kommen wir zu dem fertigen Produkt? Wir schicken sie zum Arzt, machen die Busen-OP's", sagt die Agentin in die laufende Kamera über ihre Modelkandidatinnen. "Da schießen wir also Geld voraus, bevor das Mädchen am Markt erfolgreich ist und sich das für uns gelohnt hat."

"Modelagenten: Nachwuchs für den Catwalk" (44 Minuten) – hier ansehen.

"Inside Rakka: IS-Deserteure packen aus" | Arte

(Bild: © Memento)

"Die 'religiöse Vorbereitung' ist die reinste Gehirnwäsche. Danach bist du bereit, dich in einen Panzer zu setzen und dich in die Luft zu jagen. Egal wo, ob gegen die Armee von Assad oder gegen die Freie Syrische Armee. Dabei sind sie alle Muslime wie wir."

Ehemalige IS-Kämpfer erzählen in "Inside Rakka" von den grauenhaften Taten, die täglich in dem als "Islamischer Staat" ausgerufenen Gebiet in Syrien verbrochen werden: Menschen werden wahllos auf offener Straße erschossen oder man schneidet ihnen mit einem absichtlich stumpfen Messer die Kehle durch, um sie besonders leiden zu lassen.

In der Doku ist zu sehen, wie Leichen mit abgetrennten Köpfen in den Straßen herumliegen. Doch nicht nur mit den "Ungläubigen" geht der "IS" grauenvoll um, auch ihre eigenen Kämpfer lassen die Kommandeure auf den Schlachtfeldern verbluten und verkümmern, das zeigen die Szenen.

Die Erlebnisse, die die "IS"-Deserteure schildern, sind unvorstellbar. Sie erzählen von Folter, Vergewaltigungen und Mord – und der Zuschauer fragt sich unaufhörlich, wie ein Mensch freiwillig durch diese Hölle gehen kann, um dem "IS" zu dienen.

"Inside Rakka: IS-Deserteure packen aus" (53 Minuten, verfügbar bis 14. April) hier ansehen.

"Schnee" | BR

(Bild: BR/Walker+Worm Film)

Hochsaison, Millionen Touristen – doch auf der Piste liegt kaum Schnee. Und jetzt?

Damit die Wintersportindustrie nicht unter den für sie schlechten Schneeverhältnissen leiden muss, wird die Piste eben künstlich beschneit. "Wir haben immer Schnee", verspricht die Hotelbesitzerin aus dem Pitztal den Zuschauern der Doku. "Und sonst beschnein' ma".

Mit röhrenden Schneekanonen, die Nacht für Nacht Kunstschnee auf die Hänge spucken – im Schnitt sind es zwei Millionen Liter. Es sei wichtig, "guten Schnee zu machen", für die vielen Besucher.

"Schnee" ist eine stille Reise in die Weiten und Welten der Wintersportindustrie. Ohne Sprecherkommentar und mit wirkungsvollem Sound beobachten die Zuschauer eine Freizeitindustrie, die nur auf Effizienzsteigerung ausgerichtet zu sein scheint. Eindrucksvolle Bilder lassen hinter die Kulissen der Industrie der bayrischen und Tiroler Alpen blicken und zeigen, wie sehr sie vom Schnee abhängig ist.

Dabei lässt sich immer ein Kontrast zwischen zwei Welten bestaunen: die hektische Massenabfertigung auf der einen Seite – und die schneeweiße Idylle auf der anderen.

"Schnee" (72 Minuten, verfügbar bis 14. Juni) hier ansehen.

Mediasteak x bento

MediasteakAnne und Laura von Mediasteak zeigen, was in den Mediatheken steckt. Jeden Freitag empfehlen sie die besten Spielfilme, Dokumentationen und Serien bei bento.