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Was wir von Harry Potter fürs Leben lernen

08.03.2016, 00:09 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:28

In den Büchern von J. K. Rowling steckt eine Botschaft

Wer sein Herz einmal an Harry Potter und die magische Welt von Autorin J. K. Rowling verloren hat, bleibt mit hoher Wahrscheinlichkeit lebenslang Fan. Auch nach Jahren lässt sich noch mit Freunden über die Geschichte philosophieren und streiten.

Das liegt nicht nur daran, dass sie unglaublich spannend ist. Sie hält auch jede Menge Weisheiten über das Leben bereit. Denn so fantastisch das Universum rund um Hogwarts, Quidditch-Weltmeisterschaften und Trimagische Turniere auch ist – in seinen Grundzügen ist es unserem ziemlich ähnlich.

Und es lädt an vielen Stellen zur Selbstreflektion ein: Welches Tier wäre unser Patronus? Was würden wir im Spiegel Nerhegeb sehen? In welches Haus würde der sprechende Hut uns schicken?

Fotostrecke: Was in "Harry Potter" steht

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Fast alle magischen Kreaturen und Phänomene, die Harry und seinen Freunden begegnen, sind Metaphern für Dinge, mit denen wir auch im echten Leben zu kämpfen haben:

  • Die sensiblen Hippogreife zeigen, wie wichtig es ist, respektvoll miteinander umzugehen.
  • Draco Malfoy schert sich nicht darum, dass man sich vor einem Hippogreif verbeugen muss, bevor man sich ihm nähert, und wird daraufhin von dem riesigen Vogeltier angegriffen. Die gefährlichen Nebenwirkungen und Sinnesverwirrungen eines Liebestranks illustrieren den Wahnsinn, in den man sich stürzt, wenn man sich verliebt.

  • Die Dementoren, die durch ihre bloße Anwesenheit ein Gefühl der Leere und Hoffnungslosigkeit verbreiten, sind die dunkle, kalte Verkörperung von Depressionen.
  • Bekämpfen kann man Dementoren nur mit einem Patronus. Das Lichtwesen speist seine Kraft aus den glücklichsten Erinnerungen des Zauberers – es ist ein leuchtendes Symbol der Hoffnung. Die Macht der Hoffnung ist bei Harry Potter ein immer wiederkehrendes Thema und hat Dumbledore eines seiner berühmtesten Zitate entlockt: "Glück kann auch in den dunkelsten Zeiten gefunden werden, wenn nur einer daran denkt, das Licht einzuschalten."

Außerdem preist Dumbledore auch gern die Liebe. Über sieben Bücher hinweg lernen wir immer wieder, dass nichts so wichtig ist wie Nächstenliebe und Freundschaft:

  • Es ist Voldemorts größter Fehler, dass er das unterschätzt. Harrys Mutter hat sich für ihren Sohn geopfert und damit einen schützenden Bann auf ihn gelegt.
  • Snape stellt sich als tragischer romantischer Held heraus, der wegen seiner Liebe zu Lily zum Doppelagenten geworden ist.
  • Selbst die Malfoys tun alles, um einander zu beschützen. Bei allen bösen Figuren ist es ihre Fähigkeit, zu lieben, an der sie wachsen und die sie schließlich dazu bringt, sich von Voldemort abzuwenden – oftmals zu unserer großen Überraschung. Am Ende ist Liebe stärker als Gier oder Stolz, so die herzerwärmende Botschaft.

Damit zeigt J.K. Rowling an vielen Stellen, dass die Welt sich nicht nur in schwarz und weiß malen lässt. Voldemort, der seine Seele zerstückelt hat und nicht einen Funken Reue in sich trägt, ist das absolute Böse. Er ist kein Mensch mehr. Aber alle Figuren, die noch zu menschlichen Regungen fähig sind, tragen auch immer etwas Gutes in sich. Rowlings Charaktere decken alle Schattierungen ab, die es zwischen Gut und Böse gibt.

So ist auch niemand von den "guten" Charakteren vollkommen, nicht einmal Dumbledore. Was für ein Schock es war, als im siebten Band herauskam, dass er sich einst so sehr vom Machtwahn seines Jugendfreundes Grindelwald mitreißen ließ, dass er ernsthaft Pläne hegte, die Muggel "für das größere Wohl" zu unterwerfen.

Die meisten werden an dieser Stelle Harrys tiefe Erschütterung geteilt haben: Dumbledore, die Inkarnation der Güte und Weisheit, ist im Kern ein Egozentriker.

Doch am Ende kann man ihm verzeihen: Wir alle machen Fehler. Was zählt, ist schließlich die richtige Entscheidung zu treffen. Denn, wie Dumbledore selbst so schön sagt: "Es sind nicht unsere Fähigkeiten, die zeigen wer wir sind, sondern unsere Entscheidungen."

Und so werden selbst Charaktere wie Neville Longbottom zu Helden: Er ist vergesslich, ängstlich und unbegabt. Aber er wählt immer den richtigen Weg, auch wenn es der schwierigere ist. Mutig zu sein bedeutet also offenbar nicht, furchtlos zu sein, sondern etwas zu tun, obwohl man Angst hat.

Mutig sein: etwas zu tun, obwohl man Angst hat.

Wir lernen, dass jeder über sich hinauswachsen kann. Immer wieder müssen sich die Charaktere ihren eigenen Unsicherheiten stellen:

  • Sie müssen Irrwichte bekämpfen, die die Gestalt ihrer größten Ängste annehmen.
  • Ron muss sich dem Horkrux-Amulett stellen, das sein Herz mit Eifersucht vergiftet hat.
  • Im ersten Band verbringt Harry viele Nächte vor dem Spiegel Nerhegeb, der dem Betrachter zeigt, was dieser am meisten begehrt. Dort sieht er sich zusammen mit seinen Eltern und Großeltern als Teil einer glücklichen Familie, die er nie kennengelernt hat.
  • Dumbledore bringt den magischen Spiegel schließlich an einen anderen Ort und warnt Harry davor, nach ihm zu suchen. Denn: Wir sollten nicht unseren Wunschträumen nachhängen und darüber das Leben vergessen.

Die "Harry Potter"-Bände sind voller Figuren, die zusammenhalten. Die Herkunft ist dabei egal.

Zwar wird Harrys Welt vom Bösen heimgesucht, es geschieht Unrecht und einige Charaktere sterben. Aber trotzdem hinterlässt die Geschichte, die sich so eingehend um Freundschaft, Hoffnung und Mut dreht, am Ende vor allem eins: Vertrauen in das Gute.

So gesehen ist Harry Potter nicht nur Fantasy, sondern Ratgeber-Literatur.

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