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"Germany's next Topmodel" kopiert jetzt Tinder fürs Fernsehen

05.02.2016, 07:13 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:26

Ultimativ.

Germany’s next Topmodel geht in die elfte Staffel - und dieses Mal soll "alles in Frage gestellt werden". Dabei helfen sollen ein neues Konzept und ein neuer Juror. Wer fehlt: Wolfgang "Wolle" Joop und sein Stück Donauwelle zum Nachmittag. Neu dabei: Der Trendsetter und Designer Michael Michalsky, der zeigen will, "dass der Model-Beruf kein Dauerurlaub ist". Immer noch dabei: Thomas Hayo, laut ProSieben von Beruf "Networker".

Das Casting der tausend "Mädchen" zieht Heidi Klum dieses Jahr angeblich ganz alleine durch. Theoretisch sucht sie "individuelle und ganz andere Teilnehmerinnen". In der Praxis werden Kandidatinnen mit unreiner Haut und Zahnspangen zuerst aussortiert. Warum die Frau mit dem Nasenpiercing bleiben darf, weiß selbst Heidi nicht so genau. Das ist "ganz schwierig", aber alle Kandidatinnen sind natürlich "super hübsch". Eine Kandidatin hat einen Haussklaven und muss Heidi erklären, was dieses BDSM ist. Würde jetzt noch Musik eingespielt werden, könnte man das GNTM-Casting kaum noch vom DSDS-Casting unterscheiden.

Beweisen müssen sich die übrig gebliebenen 50 Kandidatinnen zuerst im "Express-Yourself-Walk". Dabei sollen sie "Persönlichkeit und Stilbewusstsein" zeigen und dürfen dafür auch ganz alleine auswählen, was sie anziehen. So viel Eigenverantwortung kann schnell überfordern: Taynara trägt ihr Samba-Outfit mit Federn, Fred kommt in bunter Leggins, andere sehen aus, als wollten sie eigentlich zum Karneval.

Nach dem "Express-Yourself-Walk" soll die Persönlichkeit dann aber auch schnell wieder abgeschaltet werden:

"Darf ich mit euch zur Fashion Show?"
"Ja."
"Auch in diesem Outfit?"
"Nein."

Du darfst deine Persönlichkeit gerne ausleben, aber bitte nicht in der Öffentlichkeit.

Dabei soll es doch um Individualität gehen, um "Menschen, die anders sind". Das betonen jedenfalls Michalsky und Hayo. Was auch wichtig ist: ein Migrationshintergrund.

"Deine Eltern kommen aus?"
"Kenia."
"Super!"

Was genau Thomas Hayo daran super findet, erklärt er nicht. Super geboren? Super Eltern ausgesucht? In der Fashion-Show darf Michael “Ich habe mich schon immer für Mode interessiert” Michalsky direkt seine eigene Kollektion vorstellen. Für die 26 ausgewählten Models: eine Ehre. Für ihn: Werbung. Im Publikum geben C-Promis der Mode- und Lifestyle-Branche ihre Meinung dazu ab. Jimi Blue Ochsenknecht findet, dass man "für seinen Traum kämpfen sollte".

Was nervt: die neuen Battles. Um einem Juror für die kommenden Shows zugeteilt zu werden, laufen die Kandidatinnen auf Hayo und Michalsky zu. Wer die jeweilige Kandidatin für sein Team gewinnen will, drückt auf den Buzzer. Das soll ungefähr so funktionieren wie bei "The Voice", sieht in der Realität aber ein bisschen aus wie Tinder im Fernsehen. Wenn beide den Buzzer drücken, entscheidet Heidi. Vorher liefern sie sich ein "Argumentations-Battle", das an Rollenspiele aus Kommunikationsseminaren erinnert. Langweilig und gezwungen.

Worauf wir uns in den kommenden Sendungen freuen können:

  • Fred (17) trägt neben einem pinken Cowboy Hut, ihre Glückshose - eine bunte Leggins -, singt auf dem Laufsteg ihr Lebensmotto (“Ich mach’ mein Ding, egal was die anderen sagen!”).
  • Cindy (21) aus Dresden, das “Mädchen von Nebenan” war noch nie im Ausland und soll, laut ihrem Opa, was auch ihrem Aussehen machen oder sich einen Millionär suchen.
  • Elena C (19) ist die Tochter von irgendjemandem (Mathieu Carriére), mit dem sie aber nicht verglichen werden will, vorsichtshalber aber ein gemeinsames Foto in die Kamera hält.
  • Jasmin (20), ist Mitglied einer österreichischen Mädchengang und erinnert an eine Mischung aus Rihanna und Walter aus dem Frauenknast. Potentielle Quoten-Zicke.
  • Laura Franziska (21), die sagt, dass ihr Lebensstandard vielleicht nicht ganz unten ist und man ganz am Anfang noch nicht die Konkurrenz-Schiene fahren muss.
  • Mehr Geschichten von den Boyfriends! Besonders spannend: Der Malteser mit den Knutschflecken oder Barbies Ken.

Das Fazit nach der ersten Sendung: Endlich wieder GNTM - anspruchsvoller als "Frauentausch", unterhaltsamer als das Dschungelcamp. Ein Fernsehprogramm, das uns auch in der elften Staffel jeden Donnerstagabend herrlich kurzweilig unterhalten wird. Alles, was dort passiert, haben wir Zuschauer nach ein paar Sendungen sowieso wieder vergessen.

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