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Warum der Feminismus James Bond viel zu verdanken hat

20.02.2017, 10:13

James Bond hat uns einige der sexistischsten Momente der Kinogeschichte beschert. Zum Beispiel diese peinliche Szene aus "Der Mann mit dem Goldenen Colt" (1974): Bond und seine Assistentin Mary Goodnight – wie er angestellt beim Geheimdienst Ihrer Majestät – sitzen beim Dinner, ein Kellner bringt Wein.

"Hmm, mein Geschmack", sagt Bond. "Tatsächlich?", fragt Mary und denkt, es gehe um den Wein. In der Zeit schaut Bond längst lüstern in ihr Dekolleté: "Was du anhast. Eng, wo es eng sein muss, nicht zu viele Knöpfe."

Solche Momente gibt es in der Filmreihe immer wieder. 1962 kam mit "James Bond jagt Dr. No" der erste Film in die Kinos, 2015 mit "Spectre" der offiziell 24. – was die Reihe zur ausdauerndsten der Filmgeschichte macht.

Um wen geht es eigentlich? Das sind die Frauen der Bond-Filme:

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Die Bond Girls wirken in den Filmen auf den ersten Blick immer gleich: Hübsche Frauen in Bikinis, die vom Geheimagenten aus brenzligen Situationen gerettet werden müssen. Und auf dumme Anmachsprüche nur mit einem Augenaufschlag reagieren.

Tatsächlich war das Bond-Universum schon immer der Zeit voraus – und schuf perfekte Vorbilder für den Feminismus.

Diese vier Beispiele beweisen es:

1. Bond selbst redet gerne sexistisch daher – wird aber immer wieder in seine Schranken gewiesen.

Wie sich der Agent eine perfekte Frau vorstellt? "Eine, die genauso gut Sauce Bernaise wie Liebe machen kann", sagt Bond zumindest zu Tiffany Case in "Diamantenfieber". Im Buch ist sie eine knallharte Schmugglerin und braucht die Hilfe des Agenten nicht, am Ende lässt sie ihn für einen anderen sitzen.

Erst auf der Leinwand wird Tiffany Case im Laufe des Filmes immer mehr zur Jungfrau in Nöten – beim Finale springt die erst taffe Tiffany quietschend im Bikini durchs Bild.

Vielleicht ist das der Grund, warum das Bond-Universum oft als wenig feministisch wahrgenommen wird: Die Filme, vor allem der Siebzigerjahre, sind es tatsächlich. Als der Agent von Roger Moore verkörpert wird, sind seine Partnerinnen oft Witzfiguren.

Erst Anfang der Achtzigerjahre emanzipieren sie sich wieder, schreibt Robert Caplen in "The Feminism of James Bond". Bond steht immer noch auf schöne Frauen, schreibt die "Time" über "Der Hauch des Todes" von 1987, "aber er braucht ihre Intelligenz und Unabhängigkeit".

In den Neunzigerjahren dann bekommt Bond sogar eine weibliche Chefin vorgesetzt. Das erste, was sie ihm sagt? Dass sie Bond für einen "sexistischen, frauenfeindlichen Dinosaurier" hält.

2. Trotz Bonds Anmachsprüchen: Die Bond-Girls selbst sind meist emanzipierte Charaktere.

James Bond wurde vom Autor Ian Fleming erdacht. Die meisten Romane schrieb er in den Fünfziger- und frühen Sechzigerjahren – zur Zeit der "Mad Men". Dennoch sind die Frauen in seinen Büchern kein "eye candy" im Männerbüro, sondern oft starke Anführerinnen oder Kämpferinnen. Die frühen Verfilmungen orientieren sich sehr eng an den Büchern. Und auch an den Frauenbildern.

"Keine der Damen verkörperte das damals vorherrschende Rollenbild der Hausfrau und Mutter", schreibt Julia Kulbarsch-Wilke in ihrer Betrachtung "James Bond und der Zeitgeist". Stattdessen seien die Bond Girls "stark und sexuell unabhängig", findet auch die Genderforscherin Yvonne Tasker ("Time").

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Ein paar Beispiele:

  • Honey Rider aus "James Bond jagt Dr. No" – wuchs als Waisenkind auf, wurde als Minderjährige vergewaltigt und hat ihren Peiniger aus Rache getötet. Im Roman wird sie als unabhängige Frau beschrieben, am Ende rettet sie den bewusstlosen Bond von der Insel des Bösewichts.
  • Domino aus "Feuerball" – ist die Geliebte von Bösewicht Largo und eine versierte Taucherin. Als sie merkt, dass sie von Largo hintergangen wird, schlägt sie sich auf Bonds Seite. Am Ende des Films ist es nicht der Agent, der den Bösewicht tötet, sondern das Bond Girl. Mit einer Harpune.
  • Pussy Galore aus "Goldfinger" – ist die Anführerin einer (lesbischen) Verbrecherbande und Kampfpilotin. Mit Bond hat sie zwar eine Affäre, einen Roman später lässt sie ihn aber in seiner Junggesellenbude stehen. Er ist ihr zu langweilig.

Wird der nächste Bond eine Frau?

3. Gerade die jüngeren Bond-Girls beweisen: Die Frauen haben Bond längst in der Hand.

Schon unter den Bond-Darstellern Timothy Dalton und Pierce Brosnan wurden wehrlose Frauen seltener. Spätestens als Daniel Craig in "Casino Royale" (2006) zu Bond wurde, gehören starke Frauen zum Standard ("The Telegraph"). Ein kleiner Überblick:

  • Pam Bouvier in "Lizenz zum Töten" – ist CIA-Agentin und rettet Bond mehrmals aus gefährlichen Situationen. Außerdem hat sie gerne die große Klappe und ergreift die Initiative. Als sie Bond küsst, sagt er verwirrt: "Warum wartest du nicht, bis du gefragt wirst?" Ihre Antwort: "Warum fragst du dann nicht?"
  • Wai Lin in "Der Morgen stirbt nie" – kämpft als chinesische Agentin mal mit, mal ohne Bond. Darüber, wer wann wen retten muss, sind beide in ständigem Streit. Oft entscheidet Wai Lin den für sich.
  • Eve Moneypenny in "Skyfall" – ist seit Anbeginn die Sekretärin von Bonds Chef und gibt ihm bei seinen Flirts immer contra. Ab "Skyfall" (2012) wird sie tougher – und selbst zur Agentin.
  • Madeleine Swann in "Spectre" – ist studierte Psychologin und durchschaut den groben Agenten sofort. Seine Belehrung über Schusswaffen hat sie nicht nötig. Am Ende kündigt Bond für sie seinen Job.

Wer sind eigentlich die Männer? Das sind alle 6 bisherigen Bond-Darsteller:

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4. Außerdem wird die ganze Welt von 007 auch von einer Frau zusammengehalten.

Und zwar von Barbara Broccoli. Sie ist die Tochter des einstigen James-Bond-Produzenten Cubby Broccoli und heute Chefin des Filmuniversums. Als Mädchen hüpfte sie über die Filmsets, mit 22 Jahren übernahm sie 1983 erstmals die Regieassistenz bei "Octopussy".

Ihr Bild der Bond Girls ist deutlich: Vor allem die Frauen der frühen Filme seien "sehr progressiv" gewesen, insgesamt seien die Bond Girls feministische Vorbilder ("The Telegraph"). Das wolle sie weiter voranbringen. Seit Mitte der Neunzigerjahre teilt sich Barbara Broccoli mit ihrem Halbbruder Michael G. Wilson die Produktion der Filme. Und setzt Bond mehr und mehr starke Frauen gegenüber.

Bond selbst hat längst begriffen, wie wichtig starke Frauen sind. Dass Barbara Broccoli Daniel Craig zum Bond-Darsteller gemacht hat, ist kein Zufall. Der Schauspieler setzt sich selbst offensiv für Gleichberechtigung ein:


Musik

So klingt der Beginner-Song "Ahnma" in der Karnevals-Version

20.02.2017, 08:27 · Aktualisiert: 21.02.2017, 09:11

Im vergangenen Jahr feierten die Beginner mit "Ahnma" ein grandioses Comeback – im Video dazu sieht man ein bedrohlich wirkendes Hamburg. (bento)