Bild: Majestic

11.05.2017, 12:08 · Aktualisiert: 11.05.2017, 12:47

Alles fing damit an, dass Taryn Brumfitt ein Vorher-Nachher-Bild bei Facebook postete. Vorher: im Bikini, bei einem Body-Building-Wettbewerb, durchtrainiert. Nachher: nackter, weicher, mit Spreckröllchen statt Sixpack.

Für das erste Foto hatte Taryn monatelang trainiert. Die Australierin hasste ihren Körper nach drei Schwangerschaften und wollte sehen, ob es sie zufrieden machen würde, wenn sie den berühmten "Bikini-Body" erreicht. "Und da war ich dann", sagt sie rückblickend, "und war immer noch nicht glücklich". Also fing sie wieder an, ein normales Leben zu führen – nicht als Couch-Potato, aber sie stand eben auch nicht um fünf Uhr morgens im Fitnessstudio.

Am Ende – nachher – hatte sie Frieden mit ihrem Körper geschlossen.

(Bild: Majestic)

Nach dem Facebook-Post bekam Taryn unzählige Nachrichten aus aller Welt – von Frauen und Männern, die das Gefühl haben, einfach nicht schön, dünn, makellos genug zu sein.

Taryn wusste zwar, was ihr geholfen hatte, ihren Körper zu lieben, aber nicht, ob das andere weiterbringen würde. Also machte sie sich auf den Weg, einmal um die Welt, um mit Menschen über Körper- und Selbstliebe zu reden. Unter ihnen: Eine frühere Cosmopolitan-Herausgeberin. Ein "Plus-Size-Model". Eine Frau mit Vollbart. Eine Magersüchtige. Ein Verbrennungsopfer. Eine Fotografin.

Das ist der Trailer zu "Embrace":

Entstanden ist daraus der berührende Dokumentarfilm "Embrace – Du bist schön". Am 11. Mai läuft er einmalig in mehr als 200 Kinos in Deutschland, ab kommender Woche ist er auf DVD erhältlich.

Wir haben ihn uns vorab angeschaut – und fünf starke Gedanken gesammelt.

Wenn du dich mit jemandem vergleichst, der gar nicht existiert – wie willst du jemals glücklich mit deinem Körper werden?

Das fragt Mia Freedman, frühere "Cosmopolitan"-Herausgeberin. Der Film zeigt, wie im Studio des Magazins ein Foto von Regisseurin Taryn Brumfitt gemacht und dann digital bearbeitet wird – damit es zum öffentlich propagierten Schönheitsideal passt. Taryns Reaktion: "Sogar das Mädchen im Modemagazin hat nicht den Körper, der dort abgebildet wird."

Wenn ich den verdammten Keks essen will, den mein Kind backt, dann esse ich den verdammten Keks.

Das hört sich vielleicht selbstverständlich an, war es aber für die britische Fernsehmoderatorin Amanda de Cadenet lange nicht. Seit sie ein Teenager war, steht sie vor der Kamera und bekam von allen Seiten eingetrichtert: Wenn du dünner bist, bist du besser. Doch irgendwann fiel ihr auf, dass sie in den Zeiten, als sie am wenigsten wog, auch am unglücklichsten war. Bis sie irgendwann entschied, den Keks einfach zu essen.

Die Fotografin Silvana Denker fotografiert Frauen in der Fußgängerzone – so wie sie sind:

1/10

Schau dich nackt an und sag dir, dass du schön bist. Selbst, wenn du es erst nicht glaubst. Fake it till you make it.

Die Amerikanerin Jade Beall hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, Menschen ihre Schönheit zu zeigen. Ihre Fotos sind voller Freude und Liebe – die sogenannten Problemzonen, wegen derer die Fotografierten oft Hemmungen haben, die Hüllen vor der Kamera fallen zu lassen, sind das Letzte sind, was einem da auffällt.

Die wahre Veränderung kommt von innen.

Noch so ein Satz, der sich einfach anhört, aber ziemlich schwer umsetzen lässt. Und der extrem an Glaubwürdigkeit gewinnt, wenn er aus dem Mund von Harnaam Kaur kommt, einer Frau, die ihren Vollbart als Teil ihres Köpers akzeptiert hat.

Mein Körper ist mein Zuhause und mein Freund.

Auch dann, wenn mal wieder irgendeine Klatschzeitschrift empört fragt, wie Nora Tschirner es wagen kann, mit so wenig Make-Up über den roten Teppich zu laufen. Die Schauspielern hat als Executive Producerin an "Embrace" mitgearbeitet. Außerdem taucht sie als eine der Interviewten im Film auf, kritisiert "Germany’s Next Topmodel" und zeigt, dass Erfolg auf der Leinwand nicht vor Zweifeln am eigenen Äußeren schützt – aber auch nicht dazu verdammt, sich ihnen zu unterwerfen.

Mia Freedman, Amanda de Cadenet, Jade Beall, Harnaam Kaur und Nora Tschirner sind nur einige der Stimmen, die in "Embrace" zu Wort kommen. Stellenweise wird die Dokumentation etwas repetitiv, trotzdem ist sie zu empfehlen – nicht zuletzt, weil Taryn Brumfitt selbst so wunderbar zuzuhören und anzuschauen ist, irgendwie ganz "normal" und doch außergewöhnlich tough und frei.

Und irgendwie ist auch das Repetitive des Films ein Sinnbild dafür, mit welcher selbstzerstörerischen Ausdauer wir immer und immer wieder darüber reden, wie unzufrieden wir mit unseren Körpern sind, wie gerne wir uns annehmen würden, wie wir sind, und wie lange der Weg dahin ist – vielleicht weiter als einmal um die ganze Welt.


Today

Lehrerin darf nach Nazi-Demo nicht mehr unterrichten

11.05.2017, 11:37 · Aktualisiert: 11.05.2017, 17:51

Auf Nazi-Demos soll sie gegen einen angeblichen Bevölkerungsaustausch gewettert haben – jetzt hat sie vorerst ihren Job verloren: In Mecklenburg-Vorpommern ist eine Grundschullehrerin suspendiert worden, weil sie wiederholt an rechten Demos teilgenommen haben soll. Bis die Vorwürfe endgültig geklärt sind, darf sie nicht mehr unterrichten. (NDR)

Für die Linke reicht das allerdings nicht. Sie fordert, dass die Lehrerin endgültig entlassen wird. Die bildungspolitische Sprecherin Simone Oldenburg sagte dem NDR: "Eine Lehrerin, die nicht für eine freiheitliche, demokratische Wertevermittlung steht, ist nicht in der Lage, Kinder und Jugendliche zu offenen und toleranten Menschen zu erziehen." 

Auch die Landesregierung hat auf die Vorwürfe reagiert, will allerdings noch abwarten: