Bild: 20th Century Fox

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Liebe Simpsons, ihr habt mich verloren!

19.04.2017, 16:23 · Aktualisiert: 19.04.2017, 17:49

(Aber trotzdem alles Gute zum 30. Geburtstag.)

Es gab eine Zeit, da waren die Simpsons das Größte für mich. Ich habe die Eingangsmelodie mitgesummt, das "Piep"-Geräusch gemacht, wenn Baby Maggie auf das Fließband gelegt wurde und dem Couch-Gag entgegengefiebert. Danach kamen 20 Minuten gute Unterhaltung.

"Die Simpsons", das war alberne, bissige und philosophische Fernsehkunst – Gesellschaftskritik irgendwo zwischen Dadaismus und Gagaismus.

Heute, am Mittwoch, wird die Serie 30 Jahre alt, es gibt mittlerweile 28 Staffeln mit insgesamt mehr als 600 Folgen. Und ich bin irgendwie raus, leider: Homer, Bart, Maggie – ihr habt mich längst verloren. Denn bei euch ist die Luft raus.

Früher war es toll, nachmittags die alten Episoden zu schauen. Gerne immer und immer wieder dieselben. Ich erinnere mich an die Zukunftsfolge, in der Lisa zur ersten US-Präsidentin gewählt wird. Damit war bei mir die Hoffnung verbunden: Hey, sowas kann schon Wirklichkeit werden, wäre gut, wenn Politik nicht mehr nur in den Händen alter weißer Männer liegt.

Oder es gab die Folge, in der Kraftwerkbesitzer Mr. Burns für ein politisches Amt kandidiert und Lisa seine Umweltsünden aufdeckt. Sie präsentierte einen dreiäugigen Fisch – der im Brackwasser rund ums Atomkraftwerk mutiert war. Und ich dachte mir so: Auch wenn es nur Zeichentrick ist, es sollte uns eine Mahnung sein.

Es gab noch mehr tolle Folgen aus den frühen Simpsons-Jahren. Ein paar Beispiele:

1/12

Das Gute an all diesen Episoden: Sie sind den Problemen der Welt ohne moralischen Zeigefinger begegnet. Klimaschutz, Korruption, Rassismus, das alles verhandelten die Simpsons mit Herzlichkeit und dem Blick des Unschuldigen. Von Homer erwartet niemand, dass er die großen Fragen unserer Gesellschaft löst – aber man freut sich trotzdem, wenn er genau das ab und zu schafft.

Homer ist wie wir alle, nur immer noch ein bisschen dümmer und klüger zugleich.

Doch dann wurde ich älter. Und die Realität holte meine Simpsons-Welt ein. Islamistischer Terror greift aus dem Nahen Osten in die Welt, Fukushima erinnerte uns daran, dass diese Mr.-Burns-Kraftwerke tatsächlich überall stehen, die USA wählen Trump anstatt Lisa Simpson (obwohl sie sie immerhin im Anschluss wählen). Und der Zynismus der Simpsons wirkt plötzlich ziemlich alt.

Was ist da passiert? Warum habe ich mich entfremdet?

Ein bisschen sind mir die Simpsons einfach zu platt geworden. Ich schaue gerne immer noch die alten Folgen – und über das Spider-Schwein und den Kinofilm konnte ich auch noch lachen – aber wenn in den neueren Episoden die Welt brennt, dann brauche ich das nicht mehr. Die Welt brennt ja auch da draußen.

Und plötzlich will ich keinen klugen Witz mehr, sondern Lösungen.

Oder lieber noch mehr Düsternis: Ich schaue heute "House of Cards", wenn ich mich über die Politik im Weißen Haus gruseln will. Und ich lache über "BoJack Horseman", wenn ich über die Verarschlöcherung unserer Gesellschaft schmunzeln will.

Homer, du warst mal mein liebster Geschichtenerzähler. Aber irgendwo zwischen Staffel 9 und 10 wirkte es, als gehe deine Odyssee noch ewig.

Ewig dauert mir aber zu lange.

Egal, ob die Simpsons früher besser waren – oder immer noch großartig sind: Homer Simpson ist und bleibt ein Unikat.

Gleichzeitig ist er viele: Der All-American-Dad. Der Draufgänger. Der Faulenzer. Der Bier-Kenner. Und der Feinschmecker.

Welcher Homer davon bist du? Teste dich:


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