Bild: Pro Sieben / Willi Weber

10.02.2018, 12:20 · Aktualisiert: 10.02.2018, 17:24

Spätestens, als Erfinder Otto Wojciech als Klopapier verkleidet die Bühne betritt, um seine patentierte "Hygienevorrichtung" vorzustellen, ist klar: Das wird nichts mehr mit "Das Ding des Jahres", der neuen Show auf Pro Sieben.

Wojciech ist fest davon überzeugt, dass herkömmliches Toilettenpapier nicht ausreicht, um sich den Po abzuwischen.

Gut, das kann natürlich seine Meinung sein - aber musste man ihn damit wirklich vor ein Millionenpublikum zerren?

Kurz überlege ich, ob Jan Böhmermann da vielleicht einen Fake-Kandidaten eingeschleust hat.

Dann erinnere ich mich an manche Auftritte in Shows wie "Das Supertalent“ oder "Deutschland sucht den Superstar" – und begrabe die Hoffnung wieder.

Nach welchen Kriterien die dreiköpfige Jury zusammen gesetzt wurde, bleibt mir auch nach längerem Zuschauen ein Rätsel. ProSieben-Darling Joko Winterscheidt qualifiziert sich angeblich durch seine Beteiligung an diversen Firmen – von denen nennt die Show aber keine einzige beim Namen. Lena Gercke gewann die 2006 die erste Staffel von "Germany's Next Top Model" und wird jetzt als "Werbe-Ikone“ vorgestellt.

Beide glänzen während der Sendung vor allem durch bemüht witzige Sprüche. Der einzige Juror, der nicht völlig fehl am Platz wirkt, ist Rewe-Einkaufschef Hans-Jürgen Moog. Ausgerechnet der hält sich meist vornehm zurück.

Und moderiert wird das Ganze auch nicht vom allseits vermissten Stefan Raab, der die Sendung produziert, sondern von Janin Ullmann.

Immerhin: Die ersten Erfindungen – eine ferngesteuerte Cocktail-Maschine und ein Messgerät für Kinderschuhe – sind unspektakulär, aber sympathisch. Das Gleiche gilt für die dazugehörigen Erfinder, die sichtlich aufgeregt sind. Und "Drift", das ferngesteuerte Modellauto mit realistischem Fahrverhalten, löst regelrechte Begeisterungsstürme auf Twitter aus.

Die vollautomatischen Zahnbürste Amabrush google ich direkt hinterher. Die beiden letzteren Erfindungen ziehen zum Ende der Sendung dann auch ins Finale ein – wenig überraschend, aber verdient.

Mitfiebern kann ich trotzdem nicht.

Denn die meisten Erfindungen aus der Show sind bereits im Handel oder zumindest auf dem Weg dahin. "Das Ding des Jahres“ ist für die meisten Erfinder also lediglich eine Gelegenheit, ihre Produkte einem breiten Publikum zu präsentieren. Eigentlich haben sie schon durch die Teilnahme gewonnen.

Auf dem Spiel steht rein gar nichts – ein weiteres Indiz dafür, dass irgendjemand bei der Planung dieser Show nicht ganz zu Ende gedacht hat.

Und so kann man nicht anders, als den offensichtlichen Vergleich zu ziehen: Schon seit 2014 läuft die Gründer-Show "Die Höhle der Löwen“ bei Vox. Da stellen ehrgeizige Jung-Unternehmer ihre Ideen einer Jury aus erfahreneren Geschäftsleuten vor, die dann direkt in die Start-Ups investieren können. Die Sendung ist spannend, weil es für die Jung-Unternehmer oft ums Ganze geht – und weil die Juroren selbst investieren, also wirklich harte Fragen stellen und ehrliches Interesse am Produkt zeigen.

Irgendwann im Laufe der letzten Jahre muss jemand bei ProSieben sich gedacht zu haben "Hey, das können wir doch besser!“.

Was für ein Irrtum.


Style

Igitt: Es gibt jetzt einen Pickel-Ausdrück-Simulator

10.02.2018, 11:56

Falls du mal gerade nichts zum Ausdrücken hast.

Eine der fragwürdigsten Vertrauensgesten langjähriger Beziehungen ist das gegenseitige Pickel-Ausdrücken. Nichts verspricht mehr Intimität als zwei Daumennägel, die sich sanft ins Fleisch des Partners drücken – und wir ersparen euch den Rest.

Aber was tun, wenn es gerade keine Pickel zum Ausdrücken gibt?

Diese Frage hat sich zumindest ein Ehepaar aus den USA gestellt – und den "Pop it Pal" erfunden. Das ist, ihr ahnt es, einen Pickel-Drück-Simulator.