Bild: Warner Bros./dpa

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5 Gründe, warum du dir "Aus dem Nichts" noch ansehen solltest

08.01.2018, 15:04 · Aktualisiert: 08.01.2018, 17:10

Warum der Golden-Globe-Gewinner sich wirklich lohnt

1. Diane Kruger

Wenn du dir "Aus dem Nichts" anschaust, dann schweifen deine Gedanken keine Sekunde ab – denkst nicht an die Arbeit, an Beziehungsprobleme oder den Zahnarzttermin, den du unbedingt noch machen musst. Diese zwei Stunden gehören ganz Diane Kruger und ihrer Geschichte als Mutter, die bei einem rechts motivierten Nagelbomben-Anschlag ihren Mann und ihren Sohn verloren hat.

Kruger (im Film Katja) bricht vor den Ermittlern zusammen, vergräbt sich in dem leeren Bett ihres Kindes, kann nicht mehr aufhören zu weinen, zu schreien, denkt an Suizid. Es ist ein Schmerz, den man nicht nachvollziehen kann, aber durch Krugers Schauspielleistung lässt sich zumindest erahnen, wie der schlimmste Schmerz aussieht, den man in seinem Leben fühlen kann.

Nur wenige Schauspieler schaffen es, dass man sich in ihnen verliert. Kruger ist das in "Aus dem Nichts" gelungen – und zeigt, wie weit sie als Schauspielerin seit kleinen Rollen in "Troja" und "Inglourious Basterds" gekommen ist.

2. NSU-Morde oder die potenziell erschütterndste Geschichtsstunde, die du in der jüngeren Zeit hattest.

Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe sagen dir was? Aber wie ist der Stand im Prozess? Und was war mit der Verbindung zum Verfassungsschutz?

"Aus dem Nichts" ist entstanden, weil Regisseur Fatih Akin das Thema am Herzen lag. Trotzdem muss man sich weder tiefgreifend mit dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) beschäftigt haben, um der Geschichte folgen zu können, noch nehmen die jahrelangen und komplizierten Ermittlungen zu viel Raum ein.

Die Geschichte, die in "Aus dem Nichts" erzählt wird, hat so nie stattgefunden. Gleich sind aber die Fragen, die die NSU-Morde aufwerfen und auch im Film gestellt werden: Wieso werden Opfer auch zu Tätern gemacht? Wie belastend sind die Prozesse für Familienangehörige? Und wie lässt sich Rassismus nachweisen?

Ein politischer Film, ohne zu politisch zu sein.

Weil Akin geschichtsträchtige Kriminalfälle mit Drama und Action verknüpft hat, ist es ihm gelungen, dass Zuschauer sich damit doch noch einmal auseinandersetzen. Deine erste Amtshandlung nach dem Kinobesuch: eine Wikipedia-Recherche-Orgie.

Hier ist der Trailer:

3. Starke Bilder

Katja, die sich aus den Fängen der Polizisten befreit, um zum brennenden Anschlagsort und ihrem toten Sohn zu kommen. Katja, die im Auto vor brutalen Rechten flieht. Katja, für die das Leben eine Qual ist.

Die Kamera bleibt auch dann noch auf Krüger gerichtet, wo andere Filmemacher schon längst die nächste Szene gezeigt hätten. Man möchte wegschauen und kann es doch nicht.

Eine der ergreifendsten Szenen ist allerdings eine, bei der man nichts sieht: Eine Gutachterin sagt im Prozess aus, wie genau die Nagelbomben Katjas Mann und ihren Sohn getroffen haben. Hier wird Kino zum brutalen Kopfkino.

(Bild: Warner Bros./dpa )

4. Rache – ja oder nein?

Es ist eine Geschichte, die man niemals erleben möchte: Aber was würdest du tun, wenn jemand deine Familie ermordet?

Erst einmal auf eine gerechte Haftstrafe vor Gericht hoffen? Was, wenn den Richtern aber die Beweislage nicht ausreicht? Könntest du jemals damit abschließen? Ist dir plötzlich alles egal – würdest du selbst einen Mord begehen?

Wie diese Frage in "Aus dem Nichts" beantwortet wird, verraten wir hier nicht. Nur so viel vor weg: Du wirst noch tagelang darüber nachdenken, wie ein Schicksalsschlag einen Menschen komplett verändern kann.

Wenn Diane als Katja im Film ihren Rachefeldzug beginnt, nach Griechenland reist, dort selbst gegen die Mörder ihrer Familie fahndet und sich wilde Verfolgungsfahrten liefert, hat das vielleicht nicht mehr viel mit den realen NSU-Fällen zu tun – aber Kino darf das: einen Schritt zu weit gehen.

5. Erst ein Golden Globe, bald der Oscar?

Nicht alles an "Aus dem Nichts" hätte einen Preis verdient. Den Rechtsextremen-Charakteren fehlt die Extreme, dem Setting der Unterschied zum 20.15-Uhr-ARD-Krimi. Trotzdem schafft es Akin, eine Geschichte zu erzählen, die weit über Kinounterhaltung hinausgeht. Die Jury-Mitglieder in Cannes und bei den Golden Globes sahen das offenbar ähnlich und zeichneten den Film aus.

Auch wenn die Oscar-Acamdey ihre Nominierungen noch nicht bekannt gegeben hat, sollte der Film nach den Golden-Globe-Gewinn auch große Chancen auf einen weiteren Award haben.


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