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Mediathek-Tipp: Arte zeigt die beeindruckende Karriere von Philip Seymour Hoffman

09.12.2015, 17:35 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:24

Rollen ohne Tiefe interessierten Hoffman nie. Er repräsentierte mit seiner schauspielerischen Arbeit die Komplexität des menschlichen Lebens. Der in Fairport, New York, geborene Schauspieler galt als einer der wandlungsfähigsten und charismatischsten Akteure seiner Generation. Er spielte mit Al Pacino, stahl Tom Cruise in “Magnolia“ die Show und irritierte Robert De Niro mit seiner Verkörperung des Transsexuellen Rusty in “Makellos“.

(Bild: gettyimages.de / Pressematerial)

In der ARTE Mediathek ist aktuell eine Dokumentation über die Karriere des Darstellers zu sehen, die von der ersten Theateraufführung in der Highschool-Aula bis zu seinen größten Erfolgen in Hollywood und am Broadway führt. Schon als 16-Jähriger spielte Hoffman die Rolle des Willy Loman in “Tod eines Handlungsreisenden“. Eine Rolle, die sonst für wesentlich ältere Männer vorgesehen ist. Es war ein fulminanter Anfang, der zu seiner weiteren Karriere führen sollte.

Hoffman war nie Held, sondern stets Meister des Menschlichen. Kein glattgebügeltes American Sweetheart, das die schönen Frauen an der Hotelbar trifft. Mit Hoffmans Rollen konnte sich das gemeine Publikum identifizieren, verkörperte er doch meist: Außenseiter, Verstoßene, ja gar Perverse. An bildungsbürgerliche Präpotenz war nicht zu denken. Seine Kritiker liebten ihn dafür.

(Bild: Arte Mediathek )

Dreißig Jahre war Hoffman nicht aus der internationalen Film- und Theaterbranche wegzudenken. Sein Bestes gab er nicht nur für berühmte Produzenten, er stand auch regelmäßig auf kleinen und großen Theaterbühnen. Er erarbeitete sich einen Ruf, der ihn noch viele weitere Jahre problemlos mit Jobs versorgt hätte. Science Fiction oder Independent Movie? Phil, wie ihn seine Freunde nannten, verlangte sich alles ab, inszenierte leidenschaftlich. Bis zur Schlaflosigkeit. Kein von ihm auf der Bühne gesprochene Satz klang gleich, dafür lebte er die Schauspielerei zu sehr.

(Bild: Arte Mediathek )

Peinliche Momente und Scheu vor Selbstentblößung waren ihm ebenso fremd wie die in Los Angeles weit verbreitete Krankheit Eitelkeit. Die Traurigkeit, die durch viele seiner verkörperten Rollen durchdrang, war oftmals seine eigene. Tiefgründig war er, als Schauspieler und als Mensch.

(Bild: Arte Mediathek )

Hoffman war mehr als verlässlicher Nebendarsteller. Er schaffte es trotz - oder gerade wegen - seines tragischen Aussehens in die oberste Liga der Hauptdarsteller. Der ganz große Coup gelang ihm mit dem Oscar für die Verkörperung von Truman Capote. Dessen Gestik, Mimik und Sprache zu erlernen, war keine kurzfristige Angelegenheit. Dabei half, dass er mit Regisseur Bennet Miller und dem Drehbuchautor Danny Futterman seit Teenagerzeiten befreundet war. Er kehrte Capotes Innerstes nach außen, ohne dabei ins Lächerliche zu verfallen.

(Bild: Hoffman als Capote / Arte Mediathek)

Das, was auf der Bühne zu weit entfernt erscheint, brachte Hoffman wie mit einem Vergrößerungsglas auf die weltweiten Kinoleinwände. Um das realitätsnah zu schaffen, bleibt kein Platz für Privatheit. Hoffman offenbarte sich dem Publikum schonungslos und drang in die Psyche der Zuseher ein, ohne sie dabei zu beschämen. Hoffman war einer von uns, den Nicht-Beachteten, Zurückgezogenen.

Bodenständig wie Menschen, die abends am liebsten in das Restaurant um die Ecke gehen, statt in der Innenstadt einen überteuerten Tisch zu reservieren. Affektierte Bürgerlichkeit war sicher nicht die seine. Auf roten Teppichen sah man ihn selten.

(Bild: Arte Mediathek )

Sein Talent zeigte er in mehr als 50 Filmen, vier Mal wurde er für den Oscar nominiert. Einmal erhielt er ihn. Am 2. Februar 2014 verstarb der Schauspieler in seiner Wohnung in New York.

Erinnern wir uns an das, was sein Leben auszeichnete: Leidenschaft für den Beruf und die kompromisslose Akzeptanz von Emotionen.

Filme, die man sehen muss:

  • 1992: Der Duft der Frauen (Scent of a Woman)
  • 1998: Happiness
  • 1999: Makellos (Flawless)
  • 1999: Magnolia
  • 1998: The Big Lebowski
  • 2002: Punch-Drunk Love
  • 2005: Capote
  • 2007: Der Krieg des Charlie Wilson (Charlie Wilson’s War)
  • 2010: Jack in Love (Jack Goes Boating)
  • 2011: The Ides of March – Tage des Verrats (The Ides of March)

(Bild: Arte Mediathek)