Bild: Philipp T. Hinz

Trip

So packst du deinen Rucksack für die nächste Weltreise

06.03.2016, 16:49 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:28

Was du wirklich brauchst. Und was nicht.

Weltreise ist nicht gleich Weltreise. Für eine Polarwanderung braucht man anderes Gepäck als für eine Reise von einer glitzernden Metropole zur anderen.

Meine Reise wird von Berlin nach Bangkok und dann von dort per Bus, Zug, Roller und Fähre nach Burma, Laos, Kambodscha, Malaysia und Indonesien gehen.

Wie packt man am besten seinen Rucksack für eine solche Asienreise? Diese Grundausrüstung wiegt nur vier Kilogramm – und man hat alles dabei.

Im Uhrzeigersinn: Diese Grundausstattung wiegt 835 Gramm und kann die Flexibilität auf der Reise stark erhöhen.

Im Uhrzeigersinn: Diese Grundausstattung wiegt 835 Gramm und kann die Flexibilität auf der Reise stark erhöhen. (Bild: Philipp T. Hinz)

Grundversorgung

Am Äquator wird es schneller dunkler – zumindest schneller als im nordeuropäischen Sommer. Wenn du Abends auf einer indonesischen oder thailändischen Insel das Bungalow für ein Bier an der nächsten Bar verlässt, kann eine LED-Stirnlampe (86g) sehr nützlich werden. Mein Aufenthalt im Dschungel der französischen Karibikinsel Guadeloupe hat mich gelehrt: ohne künstliches Licht findet man höchsten auf allen Vieren zurück zum Rasta-Camp.

Für andere schattige Momente wie unerträglich unsaubere Hotelbetten oder den unwahrscheinlichen Fall, dass ich im ländlichen Nirgendwo festsitze, nehme ich immer einen leichten Mikrofaser-Schlafsack (157g) mit. Auch Klappbesteck (204g) mit Messer, Gabel, Löffel und Dosenöffner kann sehr nützlich sein – selbst wenn es letztlich nur am Strand zum Einsatz kommt. Anstatt ein schweres und sperriges Handtuch einzupacken, nehme ich ein Mikrofaser-Tuch (376g) mit. Es trocknet schneller als ein normales Handtuch.

Fotostrecke: So sieht eine traumhafte Rucksackreise nach Asien aus:

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Da Pässe und Kreditkarten nicht nur geklaut, sondern gerne auch einfach nur verloren werden, habe ich jeweils ein zweites Set dabei. Seinen alten Pass kann jeder bei der Ausgabe eines Neuen ablochen lassen und dann einbehalten. In vielen Reiseforen wird aus Versicherungsgründen außerdem ein internationaler Führerschein (12g) empfohlen. Dieser kostet nur rund 15 Euro und wird von den Bürgerämtern in der Regel direkt ausgestellt.

Die Tool-Box "Gesundheit" ist mit 1285 Gramm der gewichtigste Teil der Reisevorbereitung - und häufig auch der zeitaufwendigste.

Die Tool-Box "Gesundheit" ist mit 1285 Gramm der gewichtigste Teil der Reisevorbereitung - und häufig auch der zeitaufwendigste. (Bild: Philipp T. Hinz)

Gesundheit

Kaum ein Weltenwanderer wird sich durch eine Krankheit von seiner Reise abbringen lassen. Um nicht frühzeitig im Flieger Richtung Heimat zu sitzen, ist eine gute gesundheitliche Vorbereitungen wichtig.


Für Reisen in tropische und subtropische Regionen und für längere Aufenthalte an Orten mit geringeren Hygienestandards wie in Teilen von Osteuropa oder Zentralasien empfiehlt die Tropenmedizinerin Camilla Rothe immer eine Impfberatung. Wer nicht weiß, ob eine Beratung nötig ist, findet dazu Hinweise auf der Website des Auswärtigen Amts.

Einige Impfungen, zum Beispiel gegen Tollwut, erfordern wiederholte Injektionen über einen Zeitraum von bis zu vier Wochen. Die ärztliche Beratung sollte also nach Möglichkeit rund 4-6 Wochen vor Reisebeginn erfolgen. Ein internationaler Impfpass (14g) ist in vielen Ländern nützlich.

Denn wenn man krank wird, oder auch nur von einem asiatischen Straßenhund gebissen wird, können die Ärzte vor Ort sofort sehen, welche zusätzlichen Impfungen nötig sind und diese auch gleich in den Pass eintragen. In einigen Ländern Afrikas und Südamerikas kann man ohne den Nachweis über bestimmte Impfungen gar nicht erst einreisen. Das gilt besonders für den Schutz vor Gelbfieber.


Insgesamt können für die medizinische Vorsorge schnell mehrere hundert Euro zusammenkommen. Nur wenige gesetzliche Krankenkassen wie die Techniker Krankenkasse und einige private Kassen erstatten die Kosten. Es lohnt sich aber immer, vor der medizinischen Beratung die Krankenkasse zu fragen, welche Impfungen übernommen werden.

Eine der Krankheiten, die fast immer zum Reiseabbruch führt und gleichzeitig in nahezu allen tropischen Gebieten verbreitet ist, ist Malaria. Abgesehen von der obligatorischen Mitnahme von Stand-by Medikamenten wie Malarone (63g), verdient der Kampf gegen den Mückenstich mehr Aufmerksamkeit.

Schon weil neben Malaria viele weitere Infektionskrankheiten durch Stechmücken übertragen werden, wie das Chikungunya- oder Duenge-Fieber, Zika oder die japanische Enzephalitis. “Insbesondere eine Infektion mit Duenge ist oft viel wahrscheinlicher als Malaria. Die Krankheit ist in vielen asiatischen Regionen auf dem Vormarsch,” warnt Frau Rothe.

Reisfelder auf Bali.

Reisfelder auf Bali. (Bild: Getty Images / Agung Parameswara )

Um Mücken abzuhalten, solltest man außerdem eine lange Jacke (183g) und Hose (203g) zum Überziehen dabei haben. Die Sachen sollten weit geschnitten und in hellen Farben sein, das zieht die Moskitos weniger an. Zusätzlich sollten die Textilien mit einem Permethrin-haltigem Anti-Insektizid (132g) eingesprüht werden. Hände und Füße kann man mit dem Spray Repellent (136g) schützen. Auch Räucherstäbchen oder sogenannte Anti-Mücken-Spiralen (145g) helfen, die Dschungelhütte frei von Mücken zu halten.

Zur notdürftigen Behandlung von weiteren Krankheiten gehört noch in die Reiseapotheke: eine Elektrolyte-Lösung (101g), Kohletabletten gegen Durchfall, ein Mini-Erste-Hilfe-Set (220g), Schmerztabletten wie Paracetamol (24g), Ibuprofen (23g), Tabletten gegen die Reisekrankheit (15g) und eine Wundsalbe (40g).

Auch eine Auslandskrankenversicherung ist empfehlenswert. Während private Zusatzversicherungen meist Zeiträume zwischen 30 und 60 Tage abdecken, benötigt man für längere Reise eine gesonderte Versicherung auf Basis eines Tagessatzes. Bei Direktversicherern wie der HUK Cuborg liegen diese zwischen 0,90 und 1,10 Euro pro Tag, wobei die Versicherung vor Abreise für die maximale Anzahl von Reisetagen abgeschlossen werden muss.

Vorkehrungen zur Reisesicherheit in 587 Gramm.

Vorkehrungen zur Reisesicherheit in 587 Gramm. (Bild: Philipp T. Hinz)

Sicherheit

Nachdem ich auf meiner letzten Brasilienreise innerhalb einer Woche zweimal bedroht wurde – einmal mit Messern und das andere mal mit Schusswaffen – muss ich von Pfefferspray abraten. Stattdessen ziehe ich eine Strategie zur Minimierung des Schadens vor.

Erstens trage ich stets ein falsches Portemonnaie (112g) bei mir. Darin enthalten: eine abgelaufene oder gesperrte Kreditkarte und ein wenig Geld in der lokalen Währung. Darüber hinaus nehme ich auch ein altes Telefon, ein sogenanntes Dump-Phone (145g) mit.

Für den Fall, dass sich die Banditen damit nicht zufriedengeben und der gesamte Rucksack mit allen Ausweis- und Wertsachen verloren geht, trage ich zur letzten Absicherung einen Gürtel mit geheimem Reißverschluss (196g). Hier können zwei Passfotos, eine Fotokopie des Reisepasses und rund 100 Dollar versteckt werden. Am Straßenrand ausgesetzt, lässt sich so zumindest problemlos zur nächsten Botschaft reisen.

Zusätzlich kannst du im Gürtel wichtige Telefonnummern, zum Beispiel zum Sperren der Kreditkarte oder von Angehörigen in Deutschland, verstecken. Für derartige extreme Notfälle kann man Fotos vom Reisepass, von Online-Banking-Zugängen, von der Auslandskrankenversicherung als Email-Entwurf oder in einer Cloud wie Google Drive hochladen. Aus Sicherheitsgründen sollten die Tans niemals in einer Email oder im gleichen Account mit den Bankzugängen gespeichert werden.

Außerdem habe ich immer ein Schloss (134g) dabei, da einige Unterkünfte in Asien und Zentralamerika im Zimmer ein Schließfach bereitstellen.

Handy, Notizbuch und etwas zum Lesen wiegen 1102 Gramm.

Handy, Notizbuch und etwas zum Lesen wiegen 1102 Gramm. (Bild: Philipp T. Hinz)

Unterhaltung

Wie viel multimedialer Schnickschnack notwendig ist, entscheidet jeder selbst. Während dem einen das Notizbuch genügt, nehmen andere mehrere Kilo Technik mit – inklusive Smartphone, Tablet oder Laptop, Kamera mit Tripod und externen Akkus.

Was die Elektronik angeht, habe ich mich auf ein Experiment eingelassen: Ich möchte von unterwegs mein Blog mit Texten, Bildern und Videos füttern und habe mich deshalb für ein Android-Smartphone (188g) entschieden. Im Gegensatz Apple-Modellen hat mein Blackberry eine richtige Tastatur.

Daneben habe ich noch eine sehr kleine USB-Powerbank (67g), einen einfachen Ebook-Reader (191g) und einen universalen Reiseadapter (185g) dabei. Weil ich mich noch nicht ganz auf die Technik verlasse, packe ich immer auch ein Buch (307g) ein. Selbstverständlich habe ich auch ein Notizbuch (124g) und einen Stift (38g) im Rucksack. Auf Gesellschaftsspiele wie Mau-Mau, Kniffel oder Mikado verzichte ich. Ich möchte lieber mit Leuten ums Feuer tanzen, statt ihnen ein deutsches Gesellschaftsspiel beizubringen.

Gesamtgewicht

Wer bereits längere Strecken mit seinem Rucksack zurückgelegt hat, weiß, dass jedes Gramm Entlastung zählt.

Wie viele meiner Backpacker-Freunde limitiere auch ich mich auf ein Gesamtgewicht von gut zehn Kilo. Dadurch kann ich mein Gepäck auch als Handgepäck am Flughafen aufgeben.

Vier Kilo wiegen die hier genannten Sachen für die Grundausstattung, die Gesundheit, die Sicherheit und zur Unterhaltung. Zwei Kilo wiegt der leere Rucksack. Bleiben also noch vier weitere Kilo für Kleidung und Toilettenartikel. Und die nächste Reise kann beginnen.

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