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Bild: Patrick Hagedorn

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Umziehen mit dem Fernbus: Nicht ganz einfach, aber preiswert

26.01.2016, 19:50 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:26

Sebastian hat's ausprobiert

Umzüge sind stressig und kosten viel Geld? Zumindest muss es nicht teuer sein. Sebastian Müller weiß, wie's geht: Er braucht nur ein Skateboard, einen Fernbus und ein bisschen Draufgängertum.

Im Frühjahr 2015 zieht Sebastian Müller aus seiner Heimat Berlin nach Hamburg, um bei der Lufthansa ein Praktikum zu machen. Um den Hamburger Hauptbahnhof verstopfen gerade Demonstranten die Straßen. Es geht um Syrien, viele der Menschen sind wütend. Mittendrin schiebt Sebastian einen Umzugskarton auf einem Skateboard durch die Menge.

Wie ein Slalomläufer bahnt er sich den Weg durch Beine und Banner. Seine drei Umzugshelfer hat Sebastian längst aus den Augen verloren. An der Tür seines neuen Zuhauses trifft er sie schließlich wieder. Es hat funktioniert: Sebastians zehn Umzugskisten sind von Berlin nach Hamburg gekommen, ganz ohne Auto oder Transporter. Nur mit Hilfe von drei Freunden, einem Fernbus und Skateboards.

"Meine Freunde und Familie dachten zuerst, ich mache einen Scherz. Dabei ist es jetzt nicht das Verrückteste der Welt. Meine Freunde kennen aber mich und meine Aktionen. Ich bin schon spontan durch Europa getrampt. Irgendsoein Zeug mache ich öfter“, sagt der BWL-Student.

(Bild: Sebastian Müller)

Ende September sitzt Sebastian wieder am Bahnhof, diesmal in Berlin. Er ist umringt von zehn Umzugskartons, seiner Freundin und einem Fahrrad. In den Kisten ist alles, was Sebastian wichtig ist: seine Kletterausrüstung, ein Drucker, ein Computer und seine gesamte Kleidung. Sein Ziel: Es nochmal zu tun – mit dem Fernbus umziehen. Dieses Mal nach Münster, für den Master in BWL. Passanten beobachten Sebastian teils verwundert, teils bewundernd – je nachdem, ob sie die Idee des 24-jährigen verstehen.

Eigentlich hat Sebastian einen Führerschein, seit sieben Jahren schon – er hat ihn nur nie benutzt. "Ich wollte noch Fahrstunden nachmachen, habe es aber nicht mehr hinbekommen. Ich war zu vercheckt. Ich war zu viel feiern in Berlin und so“, erzählt er und grinst. Also musste eine Alternative her.

(Bild: Sebastian Müller)

Seine Mutter hat Sebastian mit seinen zehn Umzugskartons zum Busbahnhof gefahren, aber nicht zum richtigen Bussteig. Denn jeder Passagier darf nur zwei Gepäckstücke mitnehmen, alle weiteren kostet extra. Sebastian will aber nichts extra zahlen. Er sieht sich um und findet einen alten Einkaufswagen. Obwohl es nicht sein erstes Umzugsabenteuer mit dem Fernbus ist, ist er angespannt: Die größte Hürde ist es, die Kisten möglichst unbemerkt im Bus unterzubringen. Alle zehn.

Beim Umzug nach Hamburg waren sie zu dritt, Sebastian und zwei Freunde. Sie tauschten ihre Klamotten, um unbemerkt Kiste um Kiste von beiden Seiten in den Bus zu stellen: Eine Kiste rein, Pulli wechseln, kurz warten und die nächste Kiste in den Gepäckraum hieven.

Dieses Mal hat er nur seine Freundin zur Hilfe. Der Bus fährt in den ZOB ein und hält kurz vor den beiden. Jetzt muss es schnell gehen. Sie laden die Kartons ein. Der Busfahrer ist mit anderen Fahrgästen beschäftigt, nur einmal blickt er auf und mustert Sebastian. Dieser macht seelenruhig weiter, bis die letzte Kiste verstaut ist. Der Busfahrer ist zu beschäftigt, um die Lage zu überblicken. Das Glück ist auf der Seite der Dreisten. Kommentarlos lässt der Fahrer Sebastian einsteigen. So geht es los Richtung Münster in Westfalen, in eine neue Wohnung.

Selfie aus dem Fernbus

Selfie aus dem Fernbus (Bild: Sebastian Müller)

In Münster angekommen, nimmt Sebastian ein Großraumtaxi. Die Kisten und seine Freundin passen gerade so hinein. Sebastian nicht, er fährt mit seinem Rennrad neben dem Taxi her bis zu seiner neuen Wohnung.

Der unkonventionelle Umzug hat zehn Stunden gedauert. Dank des Busfahrers, der beide Augen zugedrückt hat, kostete der Umzug Sebastian 27 Euro: 18 Euro für den Fernbus und 9 Euro für die Taxifahrt.

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