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Trip

So aufregend ist eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn

14.01.2016, 16:52 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:25

Die Transsibirische Eisenbahn: romantisch, aufregend, sagenumwoben. Nach drei Wochen Reise durch das größte Land der Welt, 9000 zurückgelegten Kilometern von Moskau bis Wladiwostok und sieben Tagen im Zug bleiben unvergessliche Erinnerungen, wundervolle neue Freunde – und 13 gelernte Lektionen:

1. Nimm immer das obere Bett.

Ein typischer Waggon der dritten Klasse "Platzkart"

Ein typischer Waggon der dritten Klasse "Platzkart" (Bild: Friederike Werner)

Zunächst erscheint das untere Bett wie die bessere Wahl: Hier kann man nicht nur liegen, sondern auch sitzen. Dabei ist unten aber immer viel zu viel los, denn Mitreisende möchten unbedingt, dass du dich neben sie an den Tisch setzt.

Auf das obere Bett kann man sich hingegen ungestört zurückziehen. Das angenehme Schaukeln der Transsibirischen Eisenbahn lädt mehr zum Schlummern ein, als man glaubt. Ist man dann ausgeruht, kann man sich zu den Mitreisenden gesellen.

2. Lehne kein Essen ab.

Kein Platz mehr im Magen? Egal, der Teller muss leer werden

Kein Platz mehr im Magen? Egal, der Teller muss leer werden (Bild: Franziska Krüger)

Wer den Platz mit einer russischen Oma teilt, hat ausgesorgt: Von zwei Reisetaschen ist mindestens eine ausschließlich mit Essen gefüllt. Deftige Snacks, zu Hause zubereitet und liebevoll eingewickelt, in Mengen, die für den ganzen Zug reichen würden.

Von gegrilltem Hähnchen über Salate und gekochte Eier bis Kohl: Du wirst alles probieren müssen. Die herzlichen Babuschkas geben erst nach, wenn alles verzehrt ist. Etwas abzulehnen oder zu sagen, man sei satt, wird als persönliche Beleidigung aufgefasst. Vegetarismus wird nur widerwillig akzeptiert, am ehesten aber, wenn zumindest einer aus dem Reiseteam Fleisch isst und probieren kann.

Tipp: Die Transsib ist kein Ort für sensible Nasen. Heftig riechende Speisen auszupacken, das gilt keineswegs als unhöflich. Was im offenen "Platzkart"-Waggon noch zu ertragen ist, kann im geschlossenen Vierer-Abteil schon mal zu leichten Erstickungsängsten führen. Notlösung: Erkältungsbalsam unter die Nase schmieren, dann kommt nur noch der Eukalyptusgeruch durch.

3. Spiele Karten.

Must-Have im Reisegepäck: Lektüre, Sonnenblumenkerne und ein Kartenspiel

Must-Have im Reisegepäck: Lektüre, Sonnenblumenkerne und ein Kartenspiel (Bild: Franzsika Krüger)

Kommt in der Eisenbahn Langeweile auf, ist schnell ein Kartenspiel zur Hand. Das beliebteste Spiel in Russland, "Durak", ist am ehesten vergleichbar mit Doppelkopf. Alle Russen kennen die Regeln und werden diese trotz Sprachbarriere geduldig an ausländische Fahrgäste weitervermitteln. Die Jagd um Trümpfe funktioniert wortlos und ist ein super Eisbrecher.


4. Piroschki gehen immer.

Drei Piroschki bekommt man in einer Kantine für umgerechnet knapp einen Euro

Drei Piroschki bekommt man in einer Kantine für umgerechnet knapp einen Euro (Bild: Franziska Krüger)

In der Transsib braucht man Essen, das man gut einpacken kann, das sich lange hält und auch kalt genießbar ist. Piroschki sind da perfekt.

Gefüllt mit Fleisch oder Kartoffeln, mit Pilzen, mit Lauch und Ei oder Kirschen und Quark bieten die Teigtaschen etwas für jeden Geschmack und jede Tageszeit. In Russland werden sie überall zu unschlagbar günstigen Preisen verkauft. Wenn die Eisenbahn an kleineren Bahnhöfen hält, an denen es keine Geschäfte gibt, warten bereits Frauen auf dem Bahnsteig, die ihre selbstgebackenen Piroschki zum Verkauf anbieten. Wärmstens zu empfehlen!

5. Birkenwälder werden niemals langweilig.

Blick aus dem Fenster der Eisenbahn

Blick aus dem Fenster der Eisenbahn (Bild: Franziska Krüger)

Entlang der Transsib-Strecke sieht man vor allem eins: Birken, Nadelbäume, Birken. Das klingt ganz schön eintönig. Am Fenster zu sitzen und in den unendlichen Wald hinauszuschauen, ist aber alles andere als langweilig.

Die Bäume werden immer wieder von kleinen Dörfern, Seen und Flüssen abgelöst, und es gibt nichts Schöneres, als in den menschenleeren Sonnenuntergang hineinzufahren. Hier macht sich vor allem ein Gefühl breit: Ruhe.

6. Wodka trinken musst du lernen.

"Pjat Osjor": zu empfehlen!

"Pjat Osjor": zu empfehlen! (Bild: Friederike Werner)

Prinzipiell ist Alkohol in der Transsib verboten. Aber in jedem Wagon findet sich jemand, der eine gute Flasche Wodka unter seinem Sitz versteckt hat. Meist drückt das Bahnpersonal dann auch ein Auge zu – oder füllt den Wodka im Speisewagen in eine Wasserflasche um.

Während der Tage im Zug lernt man so die vielfältigen Regeln kennen, die mit dem Wodkagenuss einhergehen:

  • Niemals das volle Glas abstellen und keine leeren Flaschen auf den Tisch.
  • Zu jedem Prosit gehört ein ordentlicher Trinkspruch.
  • Man trinkt auf die Freundschaft, auf die Liebe, auf die Familie oder die Frauen.
  • Aber ganz wichtig: niemals zweimal auf dasselbe.
  • Statt den Wodka mit Säften oder Softdrinks zu mischen, isst man nach jedem Shot eine Gewürzgurke oder beißt in eine Scheibe Zitrone. Kein Zuckerwasser = weniger Kater!

7. Russland hat die schönsten Flüsse...

Sonnenuntergang an der Uferpromenade des Ob in Nowosibirsk

Sonnenuntergang an der Uferpromenade des Ob in Nowosibirsk (Bild: Franziska Krüger)

Die Flüsse Russlands sind weitläufig und majestätisch. Ein Spaziergang entlang der Uferpromenade gehört in jeder Stadt zu einem der Highlights. Kein Wunder, dass Spazierengehen für die meisten Russen ein echtes Hobby und ein beliebtes erstes Date ist. "Follow the Moskva down to Gorki-Park“ – nimm die Scorpions beim Wort!

8. ...und die schönsten Metro-Stationen.

Die Station "Majakowskaja" in Moskau

Die Station "Majakowskaja" in Moskau (Bild: Friederike Werner)

Die Moskauer Metro gilt als die pompöseste der Welt. Als "Paläste des Volkes" ließ Stalin die unterirdischen Stationen vor 80 Jahren mit Marmor, Mosaiken, Gold und eleganten Säulen schmücken. Aber auch in anderen Städten haben die Russen keine Mühen gescheut: Auf jedem Quadratmeter gibt es etwas zu entdecken. Da können dreckige Berliner U-Bahnhöfe nicht mithalten!


9. Dir wird immer geholfen.

(Bild: Franziska Krüger
)

Auf den ersten Blick wirken die Russen oft unnahbar. Aber hat man das Eis erst mal gebrochen, ist ihre Herzlichkeit kaum zu überbieten. Ein Ausländer, der sich für Russland interessiert, wird neugierig und freudig empfangen – und fast jeder wird versuchen, dir die Reise zu erleichtern.

Manchmal kommt im Waggon eine ganze Menschentraube zusammen, um dir die besten Tipps zu deiner nächsten Destination zu geben und dir zu erklären, von wem oder was du dich besser fernhälst.

Am Bahnhof angekommen wird dir mit hoher Wahrscheinlichkeit einer deiner neugewonnenen Freunde beim Aussteigen helfen und dich zur richtigen Bushaltestelle geleiten. Fragst du bei der Stadterkundung dann nach dem Weg, werden sich die Wenigsten mit langen Erklärungen aufhalten, sondern dich persönlich zum Ziel bringen und dir dabei noch jede Menge gute Ratschläge mit auf den Weg geben.

10. Man muss einmal im Leben am Baikalsee gewesen sein.

Atemberaubender Ausblick

Atemberaubender Ausblick (Bild: Franziska Krüger)

Der Baikalsee ist der tiefste Süßwassersee der Welt und mehr als imposant. Im Wald und auf den Hügeln rundherum kann man wandern gehen und sich von der unglaublichen Weite des Wassers den Atem rauben lassen. Für diesen Teil der Reise sollte man sich Zeit nehmen und in einem kleinen Dorf am Ufer oder auf der Insel Olchan übernachten, um am Morgen den Sonnenaufgang anzuschauen und ein erfrischendes Bad im kristallklaren Wasser zu nehmen (im Winter ist Eisbaden durchaus eine Option).

11. Die Uhren spielen verrückt.

Anzeigetafel auf dem Bahngleis in Krasnoyarsk

Anzeigetafel auf dem Bahngleis in Krasnoyarsk (Bild: Elena Revelli)

Russland hat elf Zeitzonen. Auf dem Weg von Moskau nach Wladiwostok durchquert man acht davon. Das kann ganz schön kompliziert werden. Denn der Fahrplan der Transsibirischen Eisenbahn orientiert sich an der Moskauer Zeit. Die Bahnhofsuhren zeigen also eine andere Zeit an als die restlichen Uhren der Stadt.

Wer seinen Zug nicht verpassen will, der darf sich keine Rechenfehler erlauben. Fragt man Passagiere in der Eisenbahn, bekommt man oft zu hören: "Keine Ahnung, wie spät es hier gerade ist. Ich weiß nur, wie spät es bei mir zu Hause ist."

Tipp: Reist ihr zu zweit, sollte am besten einer von euch seine Uhr auf Moskauer Zeit lassen, während der andere seine auf die jeweilige Ortszeit umstellt.

12. Lenin hat viele Gesichter.

Im Zentrum von Ulan-Ude findet man einen überdimensionaler Lenin-Kopf, der 7,7 Meter hoch und 42 Tonnen schwer ist

Im Zentrum von Ulan-Ude findet man einen überdimensionaler Lenin-Kopf, der 7,7 Meter hoch und 42 Tonnen schwer ist (Bild: Franziska Krüger)

Jede größere Stadt in Russland hat neben einer Karl-Marx-Straße eine Lenin-Straße, die auf den Lenin-Platz mit einer Lenin-Statue mündet. Das erleichtert für den Reisenden die Orientierung beim Kartenlesen.

Doch von wegen Konformität: Jeder Lenin sieht anders aus. In Ulan-Ude, einer Stadt im asiatischen Teil Russlands, hat man zum Beispiel versucht, der Porträtbüste asiatische Gesichtszüge zu verleihen.

13. Russland ist auch buddhistisch.

Das buddhistische Kloster Iwolginski Dazan

Das buddhistische Kloster Iwolginski Dazan (Bild: Franziska Krüger)

Hinter dem Uralgebirge wird Europa zu Asien. Je mehr man in den Osten Russlands vordringt, desto mehr ist das zu spüren. Bei Religion und Russland denkt man zunächst an bunte orthodoxe Kirchen und langbärtige Priester. Aber in der russischen Republik Burjatien ist der Großteil der Bevölkerung buddhistisch. Hier bekommst du spannende Einblicke in die Traditionen und die Geschichte dieser Religion.

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